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26.02.2018 Wolfenbüttel: Löwentor bringt das Kaufhaus zurück

© iandus Unternehmensgruppe
Die Stadt Wolfenbüttel beteiligt sich zum Beginn der Bauphase an der iandus Objektgesellschaft Wolfenbüttel, die das Löwentor Wolfenbüttel bislang allein entwickelt, geplant und vermietet hat. Das hat der Rat der Stadt am Freitag, 23. Februar 2018, in einer Sondersitzung entschieden.

Mit dem Abbruch des alten Hertie-Gebäudes wird im März 2018 begonnen, die Eröffnung des neuen Löwentor ist für den Herbst 2019 geplant.

iandus hat in den letzten Monaten einen Vermietungsstand von gut 70 Prozent erreicht. Neben dem großen dm Drogeriemarkt wird Woolworth ein modernes Kaufhaus für die ganze Familie im Löwentor eröffnen. Die Gastronomie mit Blick auf das Schloss hat sich ein erfahrener Gastronomiebetrieb gesichert, der mit seinem hochwertigen Angebot über alle Tageszeiten hinweg für eine lebendige Stadtatmosphäre bis in die Abendstunden sorgt. Im Sommer gibt es dort 130 Außensitzplätze.

Die Tourist-Info mit E-Bike-Verleih belebt künftig vom Löwentor aus den Tourismus neu. Wirtschaftsförderung und Veranstaltungsmanagement der Stadt Wolfenbüttel belegen die Büroflächen. Die verbleibenden Mietflächen werden in den nächsten Wochen und Monaten an weitere attraktive Mieter aus dem Bereichen Mode, Schuh, Lederwaren und Accessoires sowie an ein Fitness-Studio vermietet. Mittlerweile 190 komfortable Parkplätze runden das Angebot im Löwentor ab.

„Wir freuen uns, dass wir mit der Stadt Wolfenbüttel einen guten Partner für die nun beginnende Bauphase gefunden haben, der das gleiche Interesse für die Belebung der Innenstadt hat. Wir haben damit eine Idee aus dem Wettbewerbsverfahren aufgegriffen“, erklärt iandus Geschäftsführer Benedikt Schmidt-Waechter. „Dass wir der Wolfenbütteler Innenstadt das beliebte Kaufhaus-Format in moderner Form zurück bringen können, finden wir ebenfalls gut, darum haben uns die Wolfenbütteler immer gebeten. Unser Mietermix ist auch eine Antwort auf den zunehmenden Online-Handel, weil unsere Mieter den Einkaufsbummel und den touristischen Aufenthalt in der Innenstadt für den Kunden noch abwechslungsreicher machen.“

„Heute ist ein guter Tag für die Stadt Wolfenbüttel, ein sehr guter Tag für unsere Innenstadt und ein Tag, der uns vor allem bei den Planungen zur Belebung der Innenstadt, was zum einen die Umgestaltung des öffentlichen Raumes, aber auch vor allem die Einzelhandelsentwicklung anbelangt ein erhebliches Stück voranbringt“, freut sich Bürgermeister Thomas Pink. „Allen Unkenrufen zum Trotz, haben wir es geschafft.“ Dank gebührt, so Pink: „Unserer Politik, die mit unglaublicher Geduld und hohem Vertrauen in diese Verwaltung den Prozess über die Jahre begleitet hat. Den in der Verwaltung über Jahre an dieser Entwicklung beteiligten Kolleginnen und Kollegen. Und natürlich nicht zuletzt der Projektentwickler, Herr Benedikt Schmidt-Waechter, der mit unglaublicher Ruhe, Professionalität und unerschütterlichem Glauben an diesem Projekt gearbeitet hat. Wir alle haben es geschafft. Es kann nach den erforderlichen Beschlüssen losgehen.“

Bereits in der Ratssitzung ließ der Bürgermeister den „langen Hertie-Weg" Revue passieren. Die Karstadt Warenhaus GmbH, eine Tochtergesellschaft der KarstadtQuelle AG betrieb von Mai 1977 bis zum Sommer 2005 in Wolfenbüttel im Bereich der Löwenstraße/­Großer Zimmerhof/­Krambuden ein Kaufhaus. So wie an 72 weiteren Karstadt-Standorten, mit vor allem kleineren Kaufhäusern (alle unter 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche), ging die Filiale in Wolfenbüttel zu diesem Zeitpunkt an den britischen Finanzinvestor Dawnay Day über. In der Zeit von Sommer 2005 bis Anfang 2007 firmierten die Kaufhäuser dieser Warenhauskette unter dem Namen Karstadt Kompakt, um nach einer weiteren Umbenennung als Hertie-Warenhäuser betrieben zu werden.

Am 31. Juli 2008 meldete Hertie Insolvenz an, nachdem der Eigner, Dawnay Day, in finanzielle Bedrängnis geraten war. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass die verantwortlichen Geschäftsführer der Wolfenbütteler Filiale immer in der Öffentlichkeit die Auffassung vertraten, dass gerade dieses Geschäft sehr erfolgreich, sowohl als Karstadt, Karstadt Kompakt und auch als Hertie, gearbeitet habe. Mit dem Bekanntwerden der bundesweiten Hertie-Insolvenz kam es dann im August 2009 zur Schließung der Wolfenbütteler Geschäftsimmobilie. Es wurde bekannt, dass für die Hertie-Immobilien eine Einzelverwertung vorgesehen ist. Bereits im November 2008 wurde dann das Warenhaus als insgesamt erste Immobilie aus dem Hertie-Portfolio an die Löwenstraße Immobilien GmbH veräußert. Investpartner dieses Entwicklers war die Patron Capital, London.

Schon das Ziel der Löwenstraße Immobilien GmbH war es, an dieser Stelle eine neue Handelsimmobilie zu entwickeln. Über die entsprechenden Entwicklungsmaßnahmen vor allem anfänglich wurde die Stadt Wolfenbüttel informiert. Am 17. Juni 2010 wurde die Stadt Wolfenbüttel darüber in Kenntnis gesetzt, dass für die Hertiebrache ein neuer Projekteentwickler, die ST-Bau, tätig sei. Nach erfolglosen Vermietungs- und Entwicklungsversuchen wurde dann im September 2012 für die Löwenstraße Immobilien GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet. Um zu verhindern, dass diese so wichtige Immobilie im Herzen der Innenstadt Wolfenbüttels womöglich erneut durch einen anonymen internationalen Immobilienhai ersteigert wird, bemühte sich die Stadt Wolfenbüttel um den Erwerb des Grundstücks. Es ging vor allem darum, den maßgeblichen Einfluss im Rahmen der Stadtentwicklung an dieser Stelle zurückzugewinnen.

Mit Beschluss des Rates vom 19. November 2012 erwarb die Stadt Wolfenbüttel dann das Grundstück im Rahmen des Insolvenzverfahrens. Um eine zeitnahe Entwicklung der Liegenschaft zu realisieren, wurde im Ergebnis eines im Sommer 2013 durchgeführten Interessenbekundungsverfahrens mit Ratsbeschluss vom 30. Oktober 2013 die AMANDLA international GmbH &Co. KG mit der weiteren Projektentwicklung beauftragt. Leider musste festgestellt werden, dass der angestrebte Entwicklungserfolg nicht umzusetzen war, sodass zu Beginn des Jahres 2015 dann die iandus Unternehmensgruppe GmbH & Co. KG mit der weiteren Projektentwicklung beauftragt wurde.

„Ich habe bewusst unsere Leidensgeschichte in dieser Angelegenheit dargestellt. Aber ist es wirklich eine Leidensgeschichte, oder ist es eigentlich nur eine für unsere schnelllebige Zeit symptomatische Situation, in denen es Städten unserer Größenordnung immer schwerer fällt, gegen den Trend anzugehen“, so Pink. Oft seien Immobilien- und Finanzheuschrecken Eigentümer dieser Altkaufhäuser, von denen die meisten eben noch nicht entwickelt wurden. „Denen geht es nur und ausschließlich um die Rendite. Uns geht es um die Stadtentwicklung. Uns geht es darum, dieser wichtigen Stelle unserer Stadt wieder Leben einzuhauchen“, erklärt der Bürgermeister, „das ist heute eine ganz schwere Entscheidung.“ Diese gehe nicht so einfach von der Hand. Wolfenbüttel sei hier ein Pilotprojekt für kommunale Stadtentwicklung. Und da gebe es natürlich nicht nur auf Zustimmung, „Natürlich gibt es ernstzunehmende Anmerkungen, Kritikpunkte oder Vorschläge. Aber es passiert jetzt das, was in diesem Lande immer passiert, wenn man mal etwas anderes macht.“ Es kämen jetzt die selbsternannten Fachleute und Experten, die sowieso alles schon wussten und jetzt erneut Ratschläge geben, als ob die Verwaltung nicht selbst seit Monaten in allen Gremien dieser Stadt, der Verwaltung hin und her geprüft, juristische recherchiert, wirtschaftlich abgewogen hätte. „Ja, wir gehen hier einen neuen Weg, wir gehen einen ungewöhnlichen Weg, den wir aber schon zu Beginn der Projektierung mal diskutiert haben. Wir wagen etwas, aber wir tun das deshalb, weil wir von unserem Handeln überzeugt sind. Weil wir diese Stadt gemeinsam mit unserem Entwickler nach vorne bringen wollen. Mit Verlaub, die ganzen anderen klugen und selbsternannten Immobilienentwickler, Unternehmensberater und Wirtschaftsweisen hatten die ganzen vergangenen neun Jahre ausreichend Zeit, sich hier mit uns gemeinsam oder auch alleine zu engagieren. Wir sind keine Konjunktiv-Politiker: wir können, wir sollten wir müssen – nein, wir machen – weil wir hier keine Alternative haben.“

Insbesondere durch die bundesweit festzustellenden allgemeinen Entwicklungen im stationären Einzelhandel (verändertes Einkaufsverhalten der Kunden, Online-Einkauf, der Rückgang des familiengeführten Einzelhandels) und im Besonderen die Nähe zum Oberzentrum Braunschweig und zum FOC Wolfsburg entwickelte sich die Projektierung der Innenstadtliegenschaft als anspruchsvoll und langwierig. „Nur den intensiven, nicht nachlassenden Entwicklungsaktivitäten von Herrn Schmidt-Waechter und der geduldigen Begleitung der Maßnahmen durch die politischen Gremien der Stadt und der in der Verwaltung mit dem Projekt betrauten Personen ist es zu verdanken, dass nun ein Vermietungsstand erreicht wurde, der einen Projektstart ermöglicht“, sagt Pink.

Die Gefahr, dass vertraglich vereinbarte Fristen so kurz vor der Umsetzung des Projektes auslaufen und damit ein Scheitern der Revitalisierung zur Folge hätten, machen die getroffene Entscheidung erforderlich. Ein Verlust dieser fortgeschrittenen Entwicklungsleistungen würde die zwingend erforderliche Revitalisierung dieses städtischen Schlüsselgrundstücks zwischen Schlossplatz und Fußgängerzone um mindestens ein weiteres Jahr zurückwerfen.

Pink: „Wir haben in den letzten Jahren so viele Projekte gemeinsam gestemmt, wo es auch – genauso wie hier – die Bedenkenträger, Skeptiker, Pessimisten gab – ich kann die Projekte alle aufzählen! Und – wir haben es geschafft und die überwiegende Mehrheit hat uns unterstützt.“








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