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01.12.2016 Thüringer Immobilien- und Standortkongress: Es gibt viel zu tun

Birgit Keller, Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft. © Axel Clemens
Gestern fand vor über 200 Gästen der 2. Thüringer Immobilien- und Standortkongress in Erfurt statt. Gudrun Gießler, Vorstandsvorsitzende „Wir für Erfurt“, eröffnete das größte Branchentreffen des Freistaates mit den Worten: „Es gibt viel zu tun. Thüringens Städte müssen inzwischen nicht nur für die eigene Bevölkerung, sondern auch für das ländliche Umland infrastrukturelle Angebote vorhalten. Im Gegenzug wird es immer schwieriger, Städte zu verdichten, um diese Angebote zu schaffen. Die Baukosten steigen von Jahr zu Jahr ebenso wie die gesetzlichen Anforderungen an Neubau und Sanierung. Viele Verwaltungen sind an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit“.

Birgit Keller, Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, bestätigte den Trend in die Stadt mit einer Übersicht zu Kaufpreisen: „In bewegten Zeiten wie diesen entwickeln sich die Preise nach oben. Zwischen 2006 und 2015 stiegen die Preise für Einfamilienhäuser um 21 %, für Eigentumswohnungen um 63 % und für unbebaute Flächen um 111 %“, so die Ministerin. Die andere Seite der Medaille zeigt sich dem, der ins ländliche Umland schaut. Im Altenburger Land stehen beispielsweise schon jetzt fast ein Fünftel aller Wohnungen leer. Birgit Keller dazu: „Wir müssen günstigen Wohnraum schaffen, Mietsteigerungen eindämmen und den ländlichen Raum stärken. Dafür haben wir ein 4-Säulen-Modell entwickelt, das Mietpreisbremse, sozialen Wohnungsbau, Wohngeld und Förderprogramme enthält“.

Frank Krätzschmar, Geschäftsführer der LEG Thüringen und Mitausrichter des Kongresses, bewertete in seinem Eröffnungsstatement den Kongress als wichtiges Instrument, um Thüringens Immobilienwirtschaft eine Stimme zu geben. Am Beispiel der Umwandlung des Erfurter Brühl von einer ehemaligen maroden Industriebrache hin zu einem urbanen, modernen Stadtquartier zeigte er, welche Möglichkeiten für die Entwicklung der Städte in einem guten Miteinander von Wirtschaft und Verwaltung liegen.

Dass im ländlichen Raum besondere Anreize nötig sind, erklärte Thomas Schütze Mitglied des Vorstandes Sparkasse Jena-Saale-Holzland, Jena. „Die große Frage ist, wie wir schaffen es, das die jungen Menschen hier nicht wegziehen. Wir müssen mehr Anreize bieten und dürfen damit nicht zu lange warten“, warnte der Experte. Wie sich der Markt hier konkret abbildet, zeigt das Beispiel Nordhausen. Landrat Matthias Jendricke wies darauf hin, dass innerhalb der Stadt Nordhausen das Angebot an Immobilien sinkt, während das Umland stärker ausblutet. „Fördermittel für den Wohnungsbau werden hier nicht viel bringen. Die wahren Gründe für den Wegzug liegen in der attraktiven Infrastruktur der Städte“, betonte er. Das Resümee: Schnelle und gute Verbindungen zwischen Stadt und Land sind eine der letzten Chancen, um Wohnen im Umland attraktiv zu machen.

In weiteren Gesprächsrunden diskutierten Vertreter von Wirtschaft und Verwaltung die lokalen Wohn-, Einzelhandels-, Büro- und Logistikmärkte im Detail. Schnell wurde deutlich: Der Boom der Wohnungsmärkte in den Städten lässt sich (noch) nicht 1:1 auf den gesamten Gewerbeimmobilienmarkt übertragen. Allerdings ist auch hier der Markt in Bewegung, wie das Beispiel der OFB Projektentwicklung zeigt, die in Erfurt in der Bahnhofstraße ein leerstehendes Bankgebäude auf mehreren tausend Quadratmetern neu belebt.







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