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24.11.2016 Future Living, Future Building: So werden wir morgen leben

V.l.: Werner Sübai, Gesellschafter HPP Architekten, Norbert Hermanns, Vorstand Landmarken AG, Prof. Johannes Busmann, polis, Hartwig Schultheiß, Stadtdirektor a.D., Sylvia Friederich, Bereichsleitung Wohnen Landmarken AG, Oona Horx-Strathern, Zukunftsinstitut GmbH
Wie werden wir in Zukunft wohnen? Definitiv anders als heute, davon ist zumindest die Trendforscherin des Zukunftsinstituts, Oona Horx-Strathern, überzeugt, die am Dienstagabend Aachener Ludwig Forum gesellschaftliche Veränderungen und ihre Folgen vorstellte. „Future Living, Future Building: Megatrends und Wohnen in der Zukunft“ hieß der Impulsvortrag der Londoner Autorin, die in England, Deutschland und Österreich lebt und zahlreiche Unternehmen in Trendfragen berät. Eingeladen hatte die Aachener Landmarken AG zur zweiten Auflage ihrer Dialogreihe „Landmarken Impulse“.

„Mit der Veranstaltungsreihe suchen wir den Dialog mit den Akteuren vor Ort in den Städten, um uns zu aktuellen gesellschaftlichen Themen auszutauschen“, sagte Jens Kreiterling, Vorstand der Landmarken AG in seiner Begrüßung der rund 140 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Ziel ist es, aus dem Erkenntnisgewinn einen Impuls zu generieren, der in konkrete Projekte einfließen kann, um im Dialog mit den Menschen zukunftsfähige Landmarken zu schaffen.“ Und dass Wohnen eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen unserer Zeit ist, wurde schnell klar.

Wie muss man also bauen, um gutes Wohnen für die Zukunft zu realisieren? Dazu hat das Zukunftsinstitut zwölf Megatrends beleuchtet, also Entwicklungen, die nicht unbedingt geradlinig verlaufen, sondern vielfältig, komplex und vernetzt sind und zum Teil auch Gegentrends hervorrufen. Zu diesen Trends gehören das Älterwerden der Gesellschaft, die Individualisierung, Urbanisierung und Konnektivität, also die Vernetzung der Welt. Konkret bedeutet das: Wir werden älter, die Städte wachsen und verzeichnen einen steigenden Anteil an Single-Haushalten – in Aachen liegt er bereits bei 58 Prozent, im deutschen Durchschnitt bei 44 Prozent – und wir werden digital immer vernetzter. Der klassische Drei-bis-Vier-Personen-Haushalt, der frühere Jahrzehnte geprägt hatte und einen Großteil des heutigen Baubestands bestimmt, ist auf dem Rückmarsch.

Wurde 1960 noch das Haus fürs Leben gebaut, für Menschen, die immer im selben Job und in der selben Stadt blieben, so besteht das Leben heutiger und künftiger Generationen aus viel mehr unterschiedlichen Phasen mit vielen Veränderungen, so Horx-Strathern – Umzüge eingeschlossen. Weil es immer mehr Menschen in die großen Zentren ziehe, komme gerade auf Städte deshalb die Aufgabe zu, neue Formen des Wohnens anzubieten. „Je individueller der Lebensentwurf, desto größer der Bedarf an Unterstützung“, sagte Horx-Strathern. Modelle wie Co-Living und Co-Working würden deshalb immer stärker nachgefragt.

Das bestätigte auch Sylvia Friederich, Bereichsleiterin Wohnen der Landmarken AG, in der anschließenden Diskussionsrunde unter Moderation von Prof. Johannes Busmann, Herausgeber des polis-Magazins für Urban Development. Neue Wohnprojekte – egal ob Studentenwohnen oder familienfreundliches Quartier wie „Guter Freund“ in Aachen – bieten heute neben dem privaten Raum für den individuellen Rückzug auch immer Begegnungsflächen und Räume zur gemeinsamen Nutzung. Zugleich müssen Single-Wohnungen so geplant werden, dass sie später, wenn die Nachfrage sich ändern sollte, zu größeren Einheiten zusammengelegt werden können, so Friederich.

Die Aufgabe der Städte sei es, ein eigenes Profil zu entwickeln, darin waren sich alle Diskutanten einig. Hartwig Schultheiß, ehemaliger Stadtdirektor von Münster, gab zu bedenken, dass das Tempo, mit dem auf Verwaltungsebene Stadtentwicklung betrieben werde, nicht mehr zu den schnellen Veränderungszyklen heutiger Lebensweisen passe. Und Landmarken-Vorstand Norbert Hermanns ermutigte angesichts der großen Herausforderungen, vor denen Städte heute stehen, dazu, vertrauensvoller zwischen Investoren und Verwaltungen zusammenzuarbeiten und vorhandenes Misstrauen zu überwinden, um künftige Bedürfnisse besser und schneller erfüllen zu können. Bedürfnisse übrigens, die bei aller Individualität und Digitalisierung auch tradierte Wünsche betreffen, sagte der Düsseldorfer Architekt Werner Sübai, also z.B. vertraute Materialien und Farben.

Im Anschluss an die Diskussion hatten die Gäste im Ludwig Forum noch die Gelegenheit, die aktuelle Ausstellung „Mies van der Rohe – Collagen aus dem MoMa“ anzusehen, zu deren Förderern die Landmarken AG gehört. Museumsdirektor Dr. Andreas Beitin und Kurator Holger Otten übernahmen persönlich die Führungen durch die weltweit einmalige Ausstellung.





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