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24.11.2016 Impulse zur Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft

Der Initiator des 40 Percent Symposiums, John Pike, am Rednerpult.
Das 7. Internationale Nachhaltigkeitssymposium der Immobilienbranche fand am 3. November im Berliner Regent Hotel statt, moderiert vom Initiator des Symposiums John Pike, RICS Chartered Surveyor und derzeit im Vorstand bei Bellrock Properties and Facilities Management (UK). Ziel des Symposiums ist, aktuelle Entwicklungen im Energie- und Nachhaltigkeitssektor mit allen Disziplinen der Immobilienwirtschaft zu diskutieren, um eine Verknüpfung von Wertschöpfung und Nachhaltigkeit von Immobilieninvestments zu erreichen.

Hierzu lud in diesem Jahr Dr. Birgit Memminger-Rieve, Geschäftsführerin von ES EnviroSustain, als Gastgeberin der Konferenz hochrangige und internationale Vertreter der Branche ein, einen Bogen von den Rahmenbedingungen des Klimaschutzes in der Branche bis hin zu Best Practice Beispielen zu spannen. Im Vergleich zu vergangenen Jahren lag damit der Fokus auf mehr Internationalität und Praktikabilität nachhaltiger Ansätze für die Gebäudewirtschaft. Vor dem Hintergrund der Umsetzung des Pariser Abkommens und des anstehenden Klimagipfels in Marrakesch mahnte Martin Brühl, als Geschäftsführer bei Union Investment für internationale Immobilien-Investments zuständig, die Beteiligten, dass es beim Klimaschutz nicht mehr um das Sammeln von Fakten gehe, sondern darum, aktiv gegen den Klimawandel zu steuern, wobei der Immobilienbranche ein großer Teil der Verantwortung zukomme.

Auch die nötigen Regularien seitens der EU und Deutschland sind gegeben und wurden von Thies Grothe, ZIA-Abteilungsleiter für Grundsatzfragen der Immobilienpolitik, erläutert. Ehrgeizige Ziele sind mit dem Klimaschutzplan 2050 zu verfolgen, welcher eine Treibhausgasneutralität für die Branche vorsieht. Mittlerweile wurden seitens der Bundesregierung „Zwischenziele“ für 2030 ausgegeben, wobei der Gebäudewirtschaft eine Reduzierung des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes von 66-67% bezogen auf das Jahr 1990 auferlegt wird. Fest steht, dass dies nur durch eine Kombination aus Effizienzsteigerung und Nutzung regenerativer Energie erreicht werden kann, wobei die momentane Gesetzgebung auf mehr Technologieoffenheit abzielen sollte.

Das Ergebnis ist entscheidend, der Weg dorthin sollte flexibel sein. Und auf diesem Weg alle Beteiligten der Branche mitzunehmen, stellt schon eine Herausforderung dar, wie Emma Hoskyn von Jones Lang LaSalle UK, referierte. Von Gesetzen über Richtlinien die Nachhaltigkeit als Chance zu begreifen, nicht nur Risiken zu minimieren sondern auch die Profitabilität zu erhöhen, muss sich erst in den Köpfen festsetzen, um wirklich eine Transformation zu erreichen.

Auch Dr. Thomas Beyerle, Geschäftsführer bei Catella Property Valuation, verdeutlichte, dass sich die Immobilienwirtschaft zwischenzeitlich dahin entwickelt habe, dass es ein Risiko sei, nicht nachhaltig zu agieren. Der erste Teil der Veranstaltung wurde von Frederike Hansen durch einen Blick in die Praxis bei ECE abgerundet, wie in großen Shopping Centern Energieeffizienzmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden und dabei auch die Interaktion mit Mitarbeitern und Mietern wesentlich zu diesem Erfolg beiträgt. Gerade die Kooperation zwischen Eigentümern und Mietern gilt es zu steigern, will man die Effizienz im Gebäudebestand verbessern. Hierzu führt Lupp+Partner, vertreten durch Christiane Conrads, derzeit eine Umfrage durch, um Chancen und Hindernisse dieser Zusammenarbeit zu beleuchten.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden verschiedene Rating-Methoden vorgestellt, die als Leitlinie und Werkzeug zur Optimierung der Nachhaltigkeitsperformance zu sehen sind. Eine übergreifende Bewertung bietet GRESB (Global Real Estate Sustainability Benchmark), vorgestellt von Lonneke Löwik: hier werden auf Fondsebene von der Strategie des Unternehmens über Richtlinien und deren Umsetzung bis hin zur Ressourcendatenerfassung und Zertifizierung auf Immobilienebene alle wesentlichen Aspekte betrachtet.

Ziel ist es, eine höhere Transparenz für Investoren bei den zahlreichen Anbietern von Fondsprodukten beim Thema Nachhaltigkeit zu schaffen und so eine bewusstere Investitionsentscheidung zu ermöglichen. Spezialthemen wie die Bewertung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Gebäudenutzer mit WELL oder die Zertifizierung von Gebäuden mit LEED® wurden von Withney Gray (Delos) und Kay Killmann (GGBA) vorgestellt. Während LEED® in Europa bereits seit längerem fester Marktbestandteil ist, handelt es sich bei WELL um ein sehr junges und in Europa bisher wenig bekanntes System.

Es entstand aus dem immer weiter steigenden Bedürfnis innerhalb der Gesellschaft nach Gesundheit und Wohlbefinden. Vor allem für den Mieter soll das System dazu führen, die Attraktivität der Unternehmen bei dem immer weniger werdenden hoch qualifizierten Personal zu steigern. Der Gebäudeeigentümer profitiert wiederum durch die Bindung eines im Bereich Personal zukunftsfähig aufgestellten Mieters. Der Teil der Veranstaltung verdeutlichte darüber hinaus, dass dem Gebäudebestand eine Schlüsselrolle bei Energie und Komfort zukommt. Alleine die Anwendung von Rating-Methoden auf Neubauten im Immobiliensektor wird nicht ausreichen, um den im ersten Teil der Veranstaltung aufgezeigten politischen und gesellschaftlichen Veränderungen und Zielen auch nur annähernd gerecht zu werden.

„Best Practice from All Around Europe“ war das Motto des dritten Veranstaltungsteils. Wie sich die Nachhaltigkeit in allen Ebenen des Unternehmens durchsetzt und damit nachhaltige Erfolge im Sinne einer Wertsteigerung für Gebäudebestandshalter erzielt werden, wurde eindrucksvoll von den beiden Skandinavierinnen Anna Denell (Vasakronan, Schweden) und Hanna Duraku (Sponda, Finnland) demonstriert. Aus beiden Vorträgen wurde ersichtlich, dass dabei neben technischen Lösungen der Kommunikation zwischen Gebäudeeigentümer und -nutzer eine große Bedeutung zukommt, um mittelfristig Erfolge zu erzielen. Dass es dabei ohne valide Daten nicht geht, war das Credo von Chris Bennett (Evora, UK). Die Erfassung von Gebäudedaten und deren strukturierte wiederkehrende Auswertung stecken gegenüber der in anderen Branchen weit fortgeschrittenen Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft noch in den Kinderschuhen.

Konkrete Projektbeispiele aus dem Bereich Shopping Center, die in unseren Städten mit zu den Großverbrauchern von Ressourcen zählen, waren Fokus der Beiträge von Elsa Monteiro (Sonae Sierra, Portugal) und Robert Deacon (Grosvenor, UK). Technische Innovationen aus den Bereichen Energiespeicherung (Axel Popp, deematrix, Berlin) und effiziente Gebäudetechnik (Frank Räder, Grundfos, Erkrath) setzten Impulse zur Machbarkeit der Energiewende. Dabei war interessant zu sehen, wie sich Richtlinien und gesetzliche Vorgaben bis auf die Produktebene durchsetzen können. Mag die daraus erzielte Einsparung bezogen auf ein Bauteil zwar zunächst gering erscheinen, stellt sich das bestehende Potential bezogen auf den gesamten Gebäudebestand jedoch als enorm dar.

Die Instrumente für einen aktiven Klimaschutz seitens der Immobilienbranche stehen zur Verfügung und müssen in der Breite angewandt werden. Um über Erfolge auf diesem Weg zu sprechen, wird die nächste Nachhaltigkeitskonferenz im April 2018 in Berlin stattfinden.






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