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14.11.2016 Natürlich Norddeutsch – Neubau der Bremer Landesbank

Bildrechte: Fotograf Ulrich Hoppe aus Hamburg
Jenseits der heutzutage die Innenstädte dominierenden Rasterfassaden ist in der historischen Altstadt von Bremen ein moderner Hauptsitz für die Bremer Landesbank entstanden, der mit seiner facettenreichen Backsteinfassade eine hohe Repräsentationskraft besitzt und dabei einen klaren Bezug zur hanseatischen Baukultur herstellt. Die dunkle Ziegelfassade mit vielfältigen Wölbungen, Linien, Säulen und Simsen setzt sich aus 65 verschiedenen Formsteinen zusammen. Der maßgeschneiderte Sondersortierungsmix wurde von Deppe Backstein-Keramik aus Uelsen eigens für den Neubau entwickelt und produziert.

Wie muss eine Bank heutzutage aussehen?

Das alte Bankgebäude aus dem Jahr 1969/1970 erwies sich als technisch unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß, so dass sich die Bremer Landesbank im Jahr 2011 entschied, ausgewählte Büros zu einem Architektenwettbewerb für die Errichtung eines Neubaus an dieser hochsensiblen Stelle in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bremer Rathaus als Weltkulturerbe einzuladen. Das Londoner Architekturbüro Caruso St John konnte mit seinem Entwurf überzeugen und hat sich schließlich mit der Frage, wie eine Bank in der heutigen Zeit auszusehen hat, auseinander gesetzt. Entstanden ist ein Bauwerk, das sich im Kontext der Bauten im historischen Viertel der Bremer Innenstadt in angemessener Zurückhaltung übt, durch ein Gewand von höchster Qualität aber dennoch seinen Platz unter den wichtigen Figuren am Domshof eingenommen hat.

Zwei Jahre lang stand die historische Sandsteinfassade im Wind. Nach der Entkernung lediglich gehalten von einem Stahlgerüst. Der alte und sehr marode Bau wurde mit Spezialbaggern Stück für Stück abgetragen, um Platz für den siebengeschossigen Neubau zu schaffen, der schließlich auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut wurde. Die Fassade des neuen Geldhauses sollte Bezug auf den norddeutschen Backsteinexpressionismus der 1920er Jahre nehmen. Außerdem bestand eine genaue Vorstellung davon, wie das Gebäude in seiner Farbigkeit aussehen wird. Viel Zeit wurde auf die Suche nach dem richtigen Klinker verwendet. „Uns hat nicht nur die Handwerklichkeit des Deppe-Backsteins, sondern auch die Tatsache, dass der Klinker die gewünschte Farbvariation perfekt abbilden konnte, überzeugt“, so Marco Carviezel, Architekt am Züricher Standort des Architekturbüros Caruso St John.

Hanseatische Tradition von reservierter Qualität

Die dunkelbraunen, in ihrer Farbigkeit variierenden Klinker von Deppe Backstein kommen ohne den Einsatz einer zusätzlichen Engobe aus. Mit ihrer Robustheit und durch die geringe Wasseraufnahme sind die hart gebrannten Vollsteine perfekt auf das hanseatische Klima abgestimmt. Ein Großteil dieser Steine konnte maschinell hergestellt werden, wodurch sich die Produktionszeit verringerte. Möglich machte dies die individuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens angepasste und eigens weiterentwickelte Wasserstrichpresse von Deppe Backstein. Sie bietet ein hohes Maß an Flexibilität. Anders als standardisierte, handelsübliche Pressen ist sie in der Lage, 16 unterschiedliche Formsteine gleichzeitig zu pressen.

Pfeilerförmig und in ornamentalen Friesen angeordnet, erscheint die dicke gemauerte Haut aus Wasserstrichsteinen wellenartig und ist geprägt durch den senkrechten gotischen Charakter. Einzelne Steine in ihrer Form so zu gestalten, dass sie in ihrer Gesamtheit eine gleichmäßige Wellenform ergeben, bedeutete handwerkliche Perfektion, so dass die Steine, die zur Entstehung der wellenartigen Form beitragen, eingekürzt und die Winkel abgeschnitten wurden. Die Abdecksteine für die oberen Geschosse konnten aufgrund ihrer Größe nicht über die Wasserstrichpresse gepresst werden, so dass diese von Hand bearbeitet wurden bis die gewünschte Wasserstrich-Optik erzielt war. Die Weiterentwicklung und Anpassung der vielzähligen Formsteine erfolgte stets in enger Abstimmung mit dem Architekten bis schließlich ein spannungsreiches Fassaderelief entstanden ist. Die Tiefe und Dreidimensionalität, die aus diesem hervorgehen, erzeugen ein Spiel aus Licht und Schatten und tragen schließlich eine große Lebendigkeit nach außen. „Genau dieses Ergebnis war unser Antrieb“, so Dirk Deppe, der den Entwicklungs- und Produktionsprozess im Nachhinein als außergewöhnliche Erfahrung wahrnimmt, an der alle Beteiligten gewachsen seien. Dazu zählen auch die Maurer, die maßgeblich dazu beigetragen haben, die vielfältige Oberfläche in ihre Form zu bringen. Fortwährend musste überprüft werden, welcher Stein wo gesetzt wird.

Neben seiner Fassade präsentiert sich das neue Bankgebäude auch durch die Organisation der inneren Strukturen. Es umschließt einen Innenhof von 36 Metern Länge und 17 Metern Breite, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Innere des Gebäudes ist flexibel gestaltet und erlaubt auf einer Bruttogeschossfläche von 24.000 m2 eine größtmögliche Anzahl von Büros pro Etage. Das Besondere: Jedes Büro erhielt ein hof- oder fassadenseitiges Fenster. Dadurch, dass der neue Hauptsitz der Bremer Landesbank sieben Meter weiter entfernt vom Rathaus errichtet wurde als der alte, ist eine Flucht entstanden, mit der sich die Bremer Altstadt an dieser Stelle neu in Szene setzt.




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