News RSS-Feed

10.11.2015 Real Estate Finance Day 2015 mit großer Resonanz

Bildquelle: Frankfurt School Verlag
Rund 160 Vertreter der Immobilien- und Finanzwirtschaft kamen in der vergangenen Woche auf Einladung von Frankfurt School Verlag und Targa Communications zum 2. Real Estate Finance Day in Frankfurt zusammen. Das waren noch einmal deutlich mehr als bei der erfolgreichen Premierenveranstaltung des Jahres 2014.

Die branchenübergreifende Fachtagung zum Thema „Immobilienfinanzierung“ erhielt besonders durch den weitgehenden Verzicht auf klassische Einzelreferate zugunsten von lebendigen Panel-Diskussionen einen sehr lebendigen Charakter. Fragerunden und eine Speakers Corner, in der die Panel-Diskutanten im Anschluss jeweils für individuelle Fragen zur Verfügung standen, verstärkten das interaktive Konzept der Veranstalter, was bei den Teilnehmern sehr gut ankam.

Andreas Schulten, Vorstand der bulwiengesa AG, konstatierte in seinen Ausführungen eine leichte Moll-Stimmung bei den Immobilienfinanzierern und mahnte zur Vorsicht aufgrund der aktuell hohen Immobilienpreise. Zudem verwies er auf den Margendruck und die steigenden Liquiditätskosten, dem sich die Geldgeber ausgesetzt sehen. Vor allem bei Projekten jenseits der deutschen Big-Seven-Städte bilanzierte er eine deutliche Risikoaversion der Finanzierer.

Alternative Finanzierungsmodelle, wie die Crowdinvesting-Plattform Zinsland, nutzen dies aus. Von Dr. Thomas Beyerle, Managing Director von Catella Property Valuation, als „Inkarnation des Bösen“ für geschlossene Fonds und Makler anmoderiert, verteidigte deren Gründer Carl von Stechow den Ansatz, Projekte über das Internet per Crowfunding zu finanzieren als transparent und unkompliziert. Den Einwand von Prof. Dr. Andreas Pfnür von der TU Darmstadt, dass so auch leicht „stupid money aus überhitzten Märkten“ eingesammelt werden und unseriöse Anbieter die mangelnde Regulierung und Abwicklungskontrolle ausnutzen können, schob er mit dem Verweis auf die vermeintliche Selbstregulierungskraft innerhalb der Netz-Community beiseite.

Werden Finanzierungen von Immobilien komplexer, steigen Pensionskassen oder Versicherer in der Regel aus, waren sich die Teilnehmer des Panels „Immobilienrefinanzierungen in komplexen Situationen“ einig. Den Margendruck der klassischen Banken senkt das aber nicht. Denn werden von den potentiellen Kreditnehmern mehrere Geldinstitute konsultiert, findet sich fast immer eine Bank als „Preisbrecher“, um den Zuschlag als Kreditgeber auch zu weniger günstigen Konditionen zu erhalten, so die Erfahrung von Markus Kreuter, Team Leader Debt Advisory von Jones Lang LaSalle. Steigende Kosten von allein 20 Basispunkten, die sich aus den erhöhten regulativen Vorschriften ergeben, werden beispielsweise nicht weitergeben, aus Sorge, den Zuschlag so zu verlieren. Einige abgeschlossene Finanzierungen machen bereits heute aus ökonomischer Sicht keinen Sinn, so Jürgen Helm, HSBC Head of Real Estate Germany. Für Gerhard Meitinger, dem Head of Real Estate Finance der pbb Deutsche Pfandbriefbank, eine „auf Dauer nicht verträgliche Situation für die Erträge“.

Hinzu kommt, dass viele Investoren aufgrund des raren Angebots an geeigneten Objekten, keine Zeit mit langwierigen Darlehensverhandlungen mit den Banken eingehen wollen. Stattdessen wird Eigenkapital eingesetzt und erst im Anschluss über die Finanzierung verhandelt. Dr. Hans-Günther Nordhues, CEO der K-Bonds AG, die grundschuldbesicherte Schuldscheindarlehen entwickelt, um sie bei institutionellen Investoren zu platzieren, sieht in der derzeitigen Marktsituation daher gute Chancen für alternative Finanzierer wie sein Unternehmen.

Ein weiteres Thema waren die bestehenden Herausforderungen bei der Finanzierung von länderüber-greifenden Immobilien-Portfoliokäufen, die wegen der verschiedenen Bewertungsstandards in den einzelnen Ländern oft aufwendig und langwierig sind, wie Hugh Fraser von M7 Real Estate berichtete.

Was Kunden von ihren Banken erwarten, wurde ebenfalls diskutiert. Peter Schuijlenburg, Head of Germany der amerikanischen Hillwood Investment Properties, formulierte das besonders kurz und griffig: zeitliche Flexibilität auch nach den üblichen Geschäftszeiten, gute Englischkenntnisse und einen „dickeren Darlehnsvertrag“, der die kompletten Finanzierungskonditionen abbildet. Unternehmensberater René Reif von René Reif Consulting mahnte die Unternehmensseite bei der Erstellung ihrer Darlehensanträge auch auf die Anforderungen der Banken einzugehen und proaktiv zu handeln. Konkrete Fragestellungen an die Institute, was in Bezug auf die Marktfolge-Abteilung bei der Antragstellung zu beachten ist, spare Zeit und vermindere Irritationen. Das bestätigte die kaufmännische Leiterin der Frankfurt School, Karolina Kristic, die als Verantwortliche für die Finanzierung des aktuellen Hochschulneubaus die Komplexität eines Darlehensprozess live erlebt und dabei die Kompetenz eines erfahrenen Bankberaters besonders geschätzt hat.

Beim abschließenden Panel zur Rolle von Family Offices auf den Finanzmärkten wurde deutlich, dass sie als Kreditnehmer kaum in Erscheinung treten. Lediglich ein Engagement als Eigenkapitalgeber, voraus-gesetzt das Ausfallrisiko ist äußerst gering, ist für Philipp A. Bierl, Geschäftsführer der Westphal Asset Management GmbH, denkbar.

Der nächste Real Estate Finance Day findet 2016 statt.



Leserumfrage
Wir schätzen Ihre Expertenmeinung!
Hier ist unsere Leserumfrage:
schnell & unkompliziert
Jetzt starten!