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27.06.2016 Spannende Denkanstöße für Entwicklung von ehemaligem Kirchenbau

Das in Aachen bisher einmalige Format hat sein Versprechen gehalten: Akteure aus Kultur und Wirtschaft, Vertreter aus dem Stadtteil Aachen-Nord, der Kirchen, der der Stadt, der Hochschulen und Schulen, Organisationen und Interessensvertretungen haben sich gestern in St. Elisabeth getroffen, um bis in den frühen Abend hinein offen Ideen zu diskutieren, wie eine künftige Verwendung des ehemaligen Gotteshauses aussehen könnte. „St. Elisabeth Neudenken“ war das Motto, unter dem interessante Vorschläge entwickelt wurden.

Schnell war klar: Es geht um das ganze Viertel und es müssen Konzepte her, die über St. Elisabeth hinaus gehen. Eingeladen hatte die Landmarken AG, die den Kirchenbau und einige Nebengebäude von der Gemeinde Christus unser Bruder erworben hatte und Ende 2016 übernehmen wird. Aktuell finden dort Umbauten für das dreimonatige Projekt „Hotel total“ statt, dessen Initiatoren die Idee eines mit Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen betriebenen, temporären Design-Hotels vorstellten. Für „St. Elisabeth Neudenken“ hatten sie extra ihre Bauarbeiten unterbrochen und so eine besonders kreative Atmosphäre in den Räumen geschaffen. Nach einer Einführung durch Projektleiterin Susanne Gellert (Landmarken AG) hatten vier Architekturbüros mögliche Grundkonzepte vorgestellt, nämlich Nutzungen als Veranstaltungsstätte (Prof. Ulrich Hahn von Hahn Helten + Assoziierte), als Hotel (Christoph Helmus von ZHAC Architekten), als Bürostandort (Florian Schweitzer von Kaiser Schweitzer Architekten) und – frei von Vorgaben – als Ort für „alles andere“ (Markus Sporer von Cross Architecture). Der anschließende Workshop in Form eines „World Cafés“ – die rund 60 Teilnehmer diskutierten Ideen in verschiedenen Gruppen mit wechselnder Besetzung – entwickelte sich zu einem kollektiven, sehr intelligenten Brainstorming. Schnell wurde klar, dass kein Konzept alleine das richtige wäre.

„Interessant ist“, sagte Sylvia Friederich von der Landmarken AG anschließend, „dass die Lösung für St. Elisabeth keine Monostruktur sein wird. Das ist die absolute Quintessenz und wäre ohne dieses Format wahrscheinlich nicht so klar geworden.“ Heißt, dass eine Nutzung nur als Hotel oder nur als Bürostandort oder Veranstaltungszentrum falsch wäre. „Man könnte also prüfen, ob St. Elisabeth als Konferenzzentrum geeignet wäre, zugleich aber mit Raum für Kleinkunst, Kabarett oder Jazz und das kombiniert mit einer außergewöhnlichen Gastronomie, zum Beispiel im ruhigen Innenhof seitlich des Kirchenbaus“, sagte Landmarken-Vorstand Norbert Hermanns. Gemeinsam mit den anderen Gebäuden könnte so ein neues Ensemble entstehen, das mehrere dieser Nutzungen zusammenbringt. Die zweite Erkenntnis des spannenden Tages war, dass man den Standort größer denken muss, St. Elisabeth also als Zentrum und Impulsgeber einer Gesamtentwicklung für Aachen-Nordost. „Es lohnt sich, über das Umfeld mehr nachzudenken“, sagte Susanne Gellert. So sei es richtig, das Ensemble St. Elisabeth zu diskutieren.

Besser wäre aber noch, den ganzen Bereich mit Blücherplatz, Musikschule und Stadtbad einzubeziehen und auch die Verbindung zum alten Straßenbahndepot herzustellen. „Wenn man das zusammendenkt, dann wächst Ost und Nordost zusammen und im besten Falle gelingt es, einen Identifikationsort zu finden“, fasste Norbert Hermanns das eigentliche Ergebnis zusammen, das aus der Kollektivleistung entstanden ist. „Es war der große Wunsch der Teilnehmer, dieses Viertel zusammen zu denken und einen neuen Ort zu schaffen. Das geht weit über St. Elisabeth hinaus. Wenn hier etwas Gutes entsteht, kann das ein Katalysator für das ganze Viertel sein, auch und gerade für die Jülicher Straße“, so Susanne Gellert.

Die Ergebnisse des Workshops, bei dem auch klar wurde, dass Aachen einen enormen Bedarf an Veranstaltungsräumen für Konferenzen und Kongresse hat, werden nun vom Landmarken-Team gesammelt und eingeordnet, ehe sie mit der Stadt besprochen werden können. Dabei hilft auch die umfassende Arbeit des Graphic Recorders Daniel Freymüller, der die Ergebnisse des grafisch und damit anschaulich aufgearbeitet hat. Norbert Hermanns ist zuversichtlich, dass aufbauend auf den Ergebnissen des World Cafés sehr gute Konzepte entwickelt werden können: „Es war ein unglaublicher Sachverstand versammelt, eine enorme Kompetenz. Man merkte, wie aus den Argumenten des Einen der Andere etwas geschöpft und weitergedacht hat.“ Und Sylvia Friederich ergänzte: „Wir hatten Akteure des Nordstadtteils und viele Experten verschiedener Fachrichtungen da, insofern ist das Ergebnis eine fachkundige Meinung, die auch die Strömungen aus dem Viertel sehr gut aufgenommen hat.“ Eine andere Aufgabe hat der Workshop quasi ganz nebenbei erfüllt: „Hier sind Menschen miteinander in die Diskussion gekommen, die sonst noch nie miteinander gesprochen haben“, freute sich Norbert Hermanns am Ende eines ereignisreichen Tages. Und so gibt es ganz nebenbei noch ein weiteres Ergebnis: Das Format des World Café hat sich für weitere Aufgaben dieser Art eindeutig empfohlen.



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