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18.09.2015 Einweihung des EnergieHaus PLUS auf dem Frankfurter Riedberg

Foto: Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH
Das fünfeckige EnergieHaus PLUS ist nicht nur so geplant, dass auf der Wohnfläche von 1.600 Quadratmeter ein Optimum an Wohnkomfort und Energieeffizienz erreicht wird. Das Gebäude generiert sogar mehr Energie als es verbraucht. Dr. Constantin Westphal, Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt, sprach am Mittwoch bei der feierlichen Einweihung des Mehrfamilienhauses mit 17 Zwei- bis Vier-Zimmer-Mietwohnungen folglich von einem „Leuchtturm des energieeffizienten Wohnens auf dem Frankfurter Riedberg“.

Frei von CO2-Emissionen

Verantwortlich für den Stromertrag sind vor allem die hauseigenen Photovoltaikmodule. Sie sind in das um zehn Grad geneigte Dach und in die Südfassade des Gebäudes integriert und liefern 86.500 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a). Aber nur rund 62.000 kWh/a werden in den 17 Wohnungen verbraucht. Mit dem in Batterien gespeicherten Rest können Elektroautos in der hellen, freundlichen Tiefgarage sowie E-Bikes in einem ebenerdigen Fahrrad-Raum betankt werden. Das Gebäude versorgt sich nicht nur selbst mit Energie, sondern ist auch noch frei von jeglichen CO2-Emmissionen.

Unternehmen hat Vorreiterrolle

„Als öffentliches Unternehmen muss die Nassauische Heimstätte eine Vorreiterrolle einnehmen bei so wichtigen Themen wie Energieeffizienz oder nachhaltiger Stadtentwicklung. Und ich freue mich sehr, dass die Nassauische Heimstätte dieser Vorreiterrolle auch gerecht wird“, kommentierte Priska Hinz, Hessische Wohnungsbauministerin und Aufsichtsratsvorsitzende der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt. Auch für die Landespolitik spielten solche Bauprojekte eine bedeutende Rolle, sagte Hinz. Denn sie könnten helfen, das von der Landesregierung gesetzte Ziel zu erreichen, bis 2050 klimaneutral zu werden. Das bedeute eine Reduktion klimaschädlicher Emissionen um mindestens 90% im Vergleich zum Jahr 1990, sagte Priska Hinz.

Der Energiespeicher des EnergieHaus PLUS liegt unter dem Dach. In einem Schaltschrank befinden sich 200 taschenbuchgroße Batterien. Dort wird die aus dem Sonnenlicht gewonnene Energie gespeichert, um die Nacht zu überbrücken. Eine weitere Energiezentrale ist der Technikraum im Keller. Eine Wärmepumpe betreibt die Fußbodenheizung und erwärmt das Wasser. Als Quelle dient ein „solarthermischer Absorber“, also eine Art Luftkollektor auf dem Dach. Bei niedrigen Temperaturen ist dann der so genannte Eisspeicher da, der rund einen Meter unter der Erde liegt: Er nutzt die hohen Energieerträge beim Phasenübergang von Wasser zu Eis.

Entworfen hat das Mehrfamilienhaus Prof. Manfred Hegger mit seinem Kasseler Büro HHS Planer + Architekten.

Pilotprojekt gibt Aufschlüsse für Neubau und Modernisierung

Im EnergieHaus PLUS sind alle 17 Mietwohnungen über eine mittelbare Belegungsbindung gefördert. So entsteht zusätzlicher sozialer, preislich reduzierter Wohnraum in der Stadt.

5,1 Millionen Euro hat die Nassauische Heimstätte in das Mehrfamilienhaus investiert. Die Baukosten liegen für so ein innovatives Pilotprojekt naturgemäß über jenen für ein herkömmliches Gebäude. Das sei aber gerechtfertigt. „Wir wollen das Land und die Stadt bei der Erreichung ihrer Ziele für den Klimaschutz unterstützen. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sind zudem nicht nur für den Neubau relevant, sondern auch für die Modernisierungen im Bestand“, betonte Dr. Westphal, innerhalb der Geschäftsführung zuständig für die Immobilienbewirtschaftung. „Damit passt das Projekt sehr gut in die Nachhaltigkeitsstrategie unseres Unternehmens.“ Bis 2019 wird die Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt über eine Milliarde Euro investieren. Schwerpunkt wird hierbei Frankfurt am Main bleiben.

Unterstützt durch Fördermittel von Stadt, Land und Bund

Die Wohnungsbauförderung des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt unterstützen das Projekt. Hinzu kommen weitere Fördermittel des Bundesbauministeriums für Modellhäuser, die den Effizienzhaus-Plus-Standard erfüllen, sowie Mittel aus dem KfW-Programm Energieeffizient Bauen. Voraussetzung für die Fördermittel ist eine zweijährige wissenschaftliche Begleitung des Projekts.

„Eine Frage, die uns dabei vorrangig interessiert, lautet: Wie kann es uns in den nächsten Jahren gelingen, die Mehrkosten für Gebäude im Effizienzhaus-Plus-Standard deutlich zu senken?“, erläuterte Dr. Robert Kaltenbrunner, Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Für den Bautypus des Einfamilienhauses habe der „Effizienzhaus Plus Standard“ inzwischen fast Serienreife erreicht. „Gelungene Übersetzungen in dem Mehrfamilienhausbereich aber sind noch eine Rarität. Deswegen freue ich mich, dass heute dieses Gebäude eingeweiht wird“, sagte Dr. Kaltenbrunner.


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