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02.09.2015 Mitteldeutscher Immobilienmarkt verliert an Schwung im Wohnungsbau

„Der Staat wälzt alles zu Lasten der Branche ab“, kritisiert Frank Müller, Vorsitzender des BFW Mitteldeutschland anlässlich des 22. Mitteldeutschen Immobilientages in Leipzig. Allein die Verschärfung der energetischen Auflagen durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) ab dem Jahr 2016 treibe die Baukosten um sieben Prozent hoch. Steigende Auflagen für Brand- und Lärmschutz sowie schwaches Verwaltungshandeln verteuern zusätzlich den Neubau zu Lasten der Mieter und Eigentümer.

Erste Anzeichen deuten auf einen schwächelnden Wohnungsneubaumarkt hin. So genehmigte Sachsen im ersten Halbjahr 2015 laut statistischem Landesamt 130 neue Wohnungen weniger als im Vorjahr. In Sachsen-Anhalt gab es ein leichtes Minus von 29 Wohnungen. Und auch wenn Thüringen im ersten Halbjahr insgesamt etwas mehr Wohnungsneubauten als im Vorjahr genehmigte (plus 4 Prozent), verringerte sich deren Zahl in den dringend benötigten Mehrfamilienhäusern. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sank hier um 6 Prozent (Minus 43 Wohnungen).

„Nicht zuletzt das Bevölkerungswachstum in den Großstädten durch Zuwanderer und Flüchtlinge sowie der Nachholbedarf aufgrund geringer Bautätigkeit sprechen eine andere Sprache. Wir brauchen mehr Wohnungen!“, so Frank Müller. Unterstützung bekommt er durch das Deutsche Institut für Wirtschaft (IW). Dessen jüngste Studie ergab, dass 2014 in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern 66.000 Wohnungen entstanden – der Bedarf aber lag 50 Prozent höher. Deshalb rät auch das IW zu mehr Wohnungsbau. Dazu kommt, dass auch die Neubauersatzrate (ein Prozent des Bestandes) in Mitteldeutschland seit mehr als zehn Jahren unterschritten wurde und dringend Nachholebedarf anmeldet.

Grundstückspreise und Aussetzen der EnEv als Stellschrauben für bezahlbares Wohnen

Für den BFW Mitteldeutschland ist jetzt die Politik gefordert. „Den Worten müssen Taten folgen. Wir brauchen ein Bündel an abgestimmten Maßnahmen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Dazu gehört eine effizientere Grundstückspolitik und abgestimmtes Verwaltungshandeln ebenso wie eine Aussetzung der nächsten EnEv, eine Erhöhung der Abschreibungen für Neubau und eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, um die Zentren zu entlasten“, so Frank Müller. In den Ballungszentren, wo der Bedarf aktuell am höchsten ist, müssen gleichzeitig brachliegende Flächen aktiviert werden. „Vor allem aber brauchen wir nicht immer wieder neue Abgaben und Auflagen“, betont der BFW Chef.

Niedrige Grunderwerbssteuer und Wohnungspolitisches Konzept machen Sachsen zum Vorreiter

Ein Positivbeispiel für durchdachte Förderung des Wohnungsneubaus ist Sachsen, das mit einer Grunderwerbssteuer von 3,5 Prozent auf stabilem Niveau verharrt, während Sachsen-Anhalt und Thüringen bereits bei 5 Prozent liegen und in Brandenburg bereits 6,5 Prozent gezahlt werden. „Hier kassieren die Länder Milliarden, mit denen sie ihre Haushaltslöcher stopfen. Für die Bürger aber wird Wohnen immer teurer“, kommentiert der BFW Mitteldeutschland. Immobilienkäufer aus dem Mittelstand können sich so immer seltener Wohneigentum leisten. Allerdings gilt auch für Sachsen, dass durch die niedrigen Grundstückspreise und den daraus folgenden niedrigeren Steuern auf dem Land eher gebaut wird als in der Stadt, wo der Bedarf rasant ansteigt.

Positiv für die koordinierte Entwicklung des Wohnungsmarktes bewertet der BFW Mitteldeutschland Leipzigs Ansatz für ein Wohnungspolitisches Konzept. Er regt an, das Modell auch für weitere Kommunen zu übernehmen, damit auch dort markt- und bedarfsgerecht Wohnraum in Abstimmung mit allen Beteiligten geschaffen werden kann. Allerdings gibt der BFW Mitteldeutschland auch zu bedenken, dass die einmal auf Faktengrundlage getroffenen Vereinbarungen nicht im Nachhinein im Stadtrat zerpflückt werden dürfen. So würden die gemeinsamen Bemühungen sowohl von Vertretern der Vermieter als auch der Mieterverbände konterkariert.



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