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13.03.2015 MIPIM 2015: Core, B-Städte, Zinsumfeld, Statements

Foto: Bernd Eger | DEAL-Magazin
Die MIPIM 2015 geht zu Ende und die Teilnehmer aus der Immobilienbranche ziehen eine Bilanz über die vergangenen Messetage. Viele Akteure empfanden, dass „gefühlt weniger Menschen“ auf der Messe waren, aber andererseits kaum einer der maßgeblichen Entscheidungsträger gefehlt hatte. Der Ruf nach Core wird immer lauter, sogenannte B-Städte gewinnen an Attraktivität, das attraktive Zinsumfeld bleibt mittelfristig bestehen und Deutschland wird als sicherer Hafen im Visier der Investoren weiterhin eine große Rolle spielen. Lesen Sie nachstehend einige Statements von Marktteilnehmern:

Andreas Schultz, Geschäftsführer der HIH Global Invest GmbH:

„Die MIPIM 2015 war gut besucht und auch die Yachthäfen waren bis auf den letzten Platz besetzt. Während viele russische Aussteller und Anleger aufgrund von Einreiserestriktionen fehlten, war eine Vielzahl von Investoren aus dem asiatischen Raum in diesem Jahr erstmals in Cannes mit dabei.

Mehrere größere Portfolio-Deals befinden sich in Vorbereitung und werden bis Jahresende realisiert. Die am Markt agierenden großen institutionellen Anleger wie Staatsfonds und Versicherungskonzerne müssen aktuell viel Kapital bewegen und suchen Transaktionen ab einer Größenordnung von 500 Millionen Euro. Die Entscheidungen sind in Cannes bereits gefallen, aber solche Investitionen benötigen umfangreiche Strukturierungen und somit eine längere Vorlaufzeit.

Weiße Flecken gibt es auf der europäischen Landkarte längst nicht mehr. Die Opportunitäten der einzelnen Märkte sind bereits eingepreist und die Investoren erwarten sowohl in Madrid als auch im als Rising Star titulierten Dublin kein Rendite-Premium, sondern enge Märkte mit Bieterverfahren um die wenigen infrage kommenden Immobilen. Interessant sind hingegen Investitionen in gut entwickelten Märkten mit hoher Liquidität und Transparenz: Dazu gehören Wien, Amsterdam, aber auch Warschau.

Deutschland bleibt weiter im Fokus der Inverstoren: Gute Immobilien an guten Standorten sind knapp und sehr begehrt. Investoren, die ihren Qualitäts- und Risikokriterien treu bleiben, müssen ihre Renditeanforderungen daher nach unten anpassen.

Die insgesamt doch eher nüchterne Stimmung auf der MIPIM ist darauf zurückzuführen, dass die aktuellen Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer ein absolutes Novum darstellen. Niemand kann die Auswirkungen der aktuellen Geldpolitik und die Dauer des aktuellen Aufschwungs vorhersagen.“

Timothy Horrocks, Head of Germany bei TIAA Henderson Real Estate:

„Die Stimmung ist insgesamt noch etwas optimistischer als im letzten Jahr. Themen wie der mögliche Austritt von Griechenland aus dem Euro oder die Entwicklung in Osteuropa, vor allem in der Ukraine, werden am Rande thematisiert, scheinen die Investoren aber nicht ernsthaft zu beunruhigen. Überrascht zeigen sich viele Gesprächspartner von der rasanten Preisentwicklung in Märkten wie Südeuropa, die in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stark gelitten haben. Durch die hohe Kapitalverfügbarkeit nähern wir uns hier mit großen Schritten wieder dem Niveau vor der Wirtschaftskrise.

Wenig überraschend haben sich die Gespräche auf der MIPIM abermals vor allem darum gedreht, wie man in dem stark umkämpften Markt, vor allem im Core-Segment, als Investor noch zum Zuge kommen kann. Insbesondere opportunistisch agierende Investoren halten dabei auch nach Gelegenheiten zum günstigen Einstieg in Süd- und Osteuropa oder nach neuen Ansätzen und Strategien Ausschau. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Investoren bereit sind, auf der Suche nach attraktiven Investments im Vergleich zu letztem Jahr etwas mehr Risiko einzugehen.“

Iris Schöberl, Managing Director F&C REIT Asset Management:

„Nach meinem Gefühl sind deutlich weniger Menschen auf der Messe als in den Vorjahren, dafür aber sehr viele Entscheidungsträger. Die Stimmung ist sehr positiv und optimistisch – passend zum hervorragenden Wetter in Cannes. Die Teilnehmer aus Deutschland sind sehr präsent, Stände deutscher Unternehmen gehören zu den am besten besuchten Ständen der Messe. Wie angesichts des Marktumfelds zu erwarten, ist die Suche nach geeigneten Immobilien das dominierende Thema auf der Messe. Core und Core plus bleiben Trumpf bei den institutionellen Anlegern aus Deutschland, bei den internationalen Investoren sehe ich eine stärkere Nachfrage nach Value-ad-Investments in Deutschland. Wobei auch hier geeignete Objekte ein knappes Gut sind. Die Banken erlebe ich in diesem Jahr als sehr bullish. Viele kommen auf uns zu und möchten gerne auch Transaktionen mit Fremdkapitalquoten von 70 % begleiten.

Wir haben zahlreiche Gespräche über Objekte geführt und darüber hinaus unseren UK-Immobilienfonds Best Value UK vorgestellt. Die wichtige Arbeit beginnt für uns nun nach dem Ende der MIPIM, wenn es gilt, die geknüpften Kontakte zu vertiefen und die diskutierten Ideen weiterzuentwickeln.“

Eitel Coridaß FRICS, Geschäftsführer und CIO von Warburg - Henderson

„Die Stimmung in Cannes war meinem Eindruck nach überwiegend von Vernunft geprägt. Auffällig im Vergleich zu den Vorjahren sind vor allem drei Dinge: Erstens geht niemand mehr davon aus, dass es in absehbarer Zeit eine Zinswende geben wird, sondern es dominiert die Erwartung, dass das Niedrigzinsumfeld mittelfristig bestehen bleibt. Aus diesem Grund werden zweitens Deals trotz guter und günstiger Verfügbarkeit von Fremdmitteln wieder verstärkt mit Eigenkapital finanziert – zum einen, weil die Investoren ihr Geld für sie arbeiten lassen wollen, und zum anderen, weil sie aufgrund ihrer risikoaverseren Haltung weniger Fremdkapital einzusetzen bereit sind als noch vor der Finanzkrise. Drittens: Auch wenn die Märkte nach wie vor preislich anziehen, investiert man weiterhin diszipliniert; der absolute Renditefokus gilt so nicht mehr. Doch da das Angebot unverändert enorm knapp ist, sind die Märkte von einer sehr hohen Schnelligkeit geprägt – so hoch wie selten zuvor. Deshalb werden Deals mit zunehmender Häufigkeit noch auf der MIPIM selbst besiegelt.

Auf der Suche nach attraktiven Investments rücken Objekte mit Core-Plus-Profil oder Länder mit Entwicklungspotenzial weiter stärker in den Fokus – so zum Beispiel in Polen und der Tschechischen Republik. Diese Märkte weisen noch ein ansprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis und gute Wachstumsperspektiven auf. Darüber hinaus gibt es dort noch eine größere Verfügbarkeit an Assets. Um ein adäquates Chancen-Risiko-Verhältnis des Portfolios bei attraktiven Renditen zu erzielen, sind individuelle Strategien zunehmend erforderlich. Wir selbst haben ein hohes Interesse an unseren flexiblen, maßgeschneiderten Investment Konzepten verzeichnet, bei welchen wir je nach Fokus und Strategie eines Fonds mit spezialisierten Asset Managern zusammenarbeiten.“

Die nächste MIPIM findet vom 15. bis 18. März 2016 statt.


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