News RSS-Feed

20.11.2014 Bosco Verticale in Mailand gewinnt Internationalen Hochhaus Preis 2014

Fotos: © Kirsten Bucher
Die Jury des Internationalen Hochhaus Preises (IHP) 2014 hat einstimmig entschieden: Die Wohnhochhäuser Bosco Verticale in Mailand/Italien gewinnen den mit 50.000 Euro dotierten Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. Der Architekt Stefano Boeri (vormals Boeri Studio, heute Stefano Boeri Architetti) und Bauherr Manfredi Catella (Hines Italia SGR S.p.A.), nahmen die Preisstatuette und das Preisgeld heute im Rahmen eines Festakts in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Überreicht wurde der Preis von Prof. Dr. Felix Semmelroth, Dezernent für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, und Dr. Matthias Danne, Immobilien- und Finanzvorstand der DekaBank. Mit Bosco Verticale wurde ein Projekt ausgezeichnet, das Pionierarbeit für die Bepflanzung von Hochhäusern geleistet hat und als Prototyp für die Städte von morgen gelten kann.

Aus über 800 Hochhäusern, die innerhalb der letzten zwei Jahre weltweit fertiggestellt wurden, hat das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 26 herausragende Gebäude aus 17 Ländern nominiert. Eine internationale Expertenjury aus Architekten, Tragwerksplanern und Immobilienspezialisten wählte daraus fünf Finalisten.

Der Internationale Hochhaus Preis wird seit 2004 alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt am Main ausgelobt. Initiiert wurde der IHP 2003 gemeinsam von der Stadt Frankfurt, dem Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank. Finanziert wird er vom Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank. Im Jahr 2014 wird er zum sechsten Mal verliehen. Kriterium ist, dass das Gebäude Nachhaltigkeit, äußere Form und innere Raumqualitäten wie auch soziale Aspekte zu einem vorbildlichen Entwurf verbindet. Der IHP richtet sich an Architekten und Bauherrn, deren Gebäude mindestens 100 Meter hoch sind und in den vergangenen zwei Jahren fertiggestellt wurden.

Der diesjährige Gewinner überzeugte die Jury auf mehreren Ebenen: Die beiden begrünten Wohnhochhäuser basieren auf einfachen rechteckigen Grundrissen und sind mit 19 bzw. 27 Stockwerken (80 Meter und 112 Meter) unterschiedlich hoch. Jede der 113 Wohnungen hat Zugang zu mindestens einer Terrasse, die einem kleinen Garten oder einem kleinen Waldstück gleicht: Mehrere hundert Bäume, durchmischt mit Stauden, Sträuchern und Bodendeckern wachsen an den Fassaden. Die Pflanzen sorgen für eine natürliche Klimatisierung der Wohnungen und bieten den Bewohnern eine außergewöhnliche Wohnqualität. Die Pionierarbeit, die für die Bepflanzung einer Hochhausfassade in Europa notwendig war, wurde von Boeri Studio zusammen mit den Botanikern und Landschaftsplanern Laura Gatti und Emanuela Borio entwickelt.

„Bosco Verticale ist ein wunderbares Projekt! Es ist Ausdruck des allumfassenden menschlichen Bedürfnisses nach Grün. Die ‚bewaldeten Hochhäuser‘ sind ein anschauliches Beispiel einer Symbiose von Architektur und Natur“, so das Urteil der Expertenjury unter dem Vorsitz des letzten IHP-Preisträgers Christoph Ingenhoven. Das Projekt sei definitiv ein Vorbild für die Bebauung dichter Gebiete in anderen europäischen Staaten.

Die beiden verhältnismäßig kleinen Wohntürme sind Teil einer umfangreichen Quartiersentwicklung im Mailänder Norden. Neben der hohen skulpturalen Qualität und der innovativen Begrünung beeindruckten die Doppeltürme von Boeri Studio auch kontextuell: Die Lobbys bieten den Bewohnern nicht nur einen Eingangsbereich für gemeinschaftliche Nutzungen, vielmehr sind sie direkt an den künftigen Park angebunden und gehen visuell in diesen über, wodurch die vertikale Bepflanzung fortgeführt wird.

Das Projekt wurde von Hines Italia SGR S.p.A., entwickelt, einem unabhängigen Marktführer im Bereich Assetmanagement für Immobilienfonds im Auftrag von italienischen und internationalen institutionellen Anlegern, der seinen Hauptsitz in Mailand hat und seinen Fokus auf Sanierungs- und Stadterneuerungsprojekte legt. CEO von Hines Italia ist Manfredi Catella, der zusammen mit dem Architekten Stefano Boeri den Preis entgegengenommen hat. Gemeinsam haben sich die Gewinner des IHP 2014 entschieden, die Preissumme in Höhe von 50.000 Euro für die Umsetzung von gemeinnützigen Projekten im Isola Viertel in Mailand zu verwenden, in dem sich auch der „Vertikale Wald“ befindet.

Eine mutige, radikale Idee für die Städte von morgen

In seiner Rede betonte der Kulturdezernent Prof. Dr. Felix Semmelroth, der auch Mitglied der IHP-Jury 2014 war: „Mit dem Engagement für den Internationalen Hochhauspreis möchte die Stadt Frankfurt deutlich machen, dass nicht Höhenmeter, sondern zukunftsweisende Konzepte in Bezug auf Nachhaltigkeit, Einbindung in den urbanen Kontext und identitätsstiftende Wirkung eines solchen Bauwerks entscheidende Kriterien für die Auswahl eines Entwurfs sind.“

Dr. Matthias Danne, Immobilien- und Finanzvorstand der DekaBank, erklärte: „Der diesjährige Gewinner ist ein herausragendes Beispiel für innovative Innenstadt-Revitalisierung. Die Idee, Hochhäuser zu begrünen und Gärten auf jedem Balkon zu schaffen, ist zukunftsweisend. Bosco Verticale erfüllt die Anforderungen von Mietern und Investoren gleichermaßen.“

Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseum und Mitglied der IHP-Jury 2014: „Ich bin sehr angetan von der Art und Weise, was dieses Hochhaus leistet, was Architektur leisten kann. Bosco Verticale bietet auf ehrliche Art Schutz und Raum, bezieht zugleich Natur, Licht und Luft ein und bringt damit die menschlichen Grundbedürfnisse in ein ausgewogenes Verhältnis und ist dabei nicht komplexer als nötig. Eine mutige und radikale Idee für die Städte von morgen. Anhand der Projekte, die für den IHP 2014 nominiert wurden, lässt sich der Trend zum Wohnhochhaus weiter bestätigen“, erklärte Schmal weiter.

Stefano Boeri sagte: „Ich freue mich sehr über diese renommierte Auszeichnung. Vor allem freut es mich, weil der Preis für ‚Bosco Verticale‘ eine Anerkennung der Bedeutung des Experimentellen in der Architektur ist. Es ist eine Einladung über Architektur als Antizipation der Zukunft nachzudenken und nicht nur eine Frage von Stil und Formensprache.“

Manfredi Catella erklärte: „Bosco Verticale in Porta Nuova ist eine architektonische Ikone für Mailand und entspricht den höchsten neuen Standards der Stadterneuerung in Italien, überdies unterstreicht das Projekt die historische Tradition und die Gabe dieser Nation, wunderschöne Städte zu erschaffen. Diese außerordentlich bedeutende Auszeichnung empfinden wir als große Ehre, da wir mehrere Jahre Arbeit in dieses Projekt investiert haben. Vor allem ist sie aber eine große Anerkennung und ein wichtiger Impuls für Italien und Mailand mit solchen Projekten voranzugehen.“

Während der Preisverleihung wurden auch die übrigen vier Finalisten geehrt:

• „De Rotterdam“ in Rotterdam, Niederlande (151,3 Meter) von Office for Metropolitan Architecture (OMA) aus Rotterdam
• „One Central Park“ in Sydney, Australien (64, 5 Meter und 116 Meter) von Ateliers Jean Nouvel aus Paris
• „Renaissance Barcelona Fira Hotel“ in Barcelona, Spanien (105 Meter) von Ateliers Jean Nouvel aus Paris
• Sliced Porosity Block in Chengdu, China (123 Meter) von Steven Holl Architects aus New York

Das Deutsche Architekturmuseum zeigt alle nominierten Projekte Die Ausstellung “Best Highrises 2014/2015 – Internationaler Hochhaus Preis 2014“, die das Deutsche Architekturmuseum (DAM) vom 20. November 2014 bis 1. Februar 2015 in Frankfurt zeigt, präsentiert nicht nur den Preisträger und die Finalisten, sondern alle 26 nominierten Projekte.


Series-A-Finanzierungsrunde: Fünf Mio. Euro für Building Radar
Leserumfrage
Wir schätzen Ihre Expertenmeinung!
Hier ist unsere Leserumfrage:
schnell & unkompliziert
Jetzt starten!