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13.11.2014 Zwischen Wutbürger und Mutbürger – 9. Immobilienkonferenz in Berlin

Am Dienstag diskutierten Experten aus Wirtschaft und Politik auf der 9. Immobilienkonferenz über Wut- und Mutbürger, aber auch über Mutpolitiker, die moderieren und Bürgerbeteiligung zur Entscheidung nutzen. Denn Bürger wollen sich beteiligen und von Politik und Wirtschaft wahrgenommen werden. Hauptgrund dafür ist die Digitalisierung: Sie sorgt für hohe Reichweiten, spart Zeit, ist kostengünstig und ermöglicht Dialog.

Nach Eröffnung durch Dr. Christian Schede, Managing Partner bei OLSWANG in Deutschland, berichtete Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), aus der Arbeitsgruppe Reformkommission des BMVI zum Bau von Großprojekten. Er machte deutlich, dass man vor allem erst planen und dann bauen müsse. Was so banal klingt, funktioniere in der Praxis oft nicht. Eine frühe Einbindung der Öffentlichkeit bereits bei der Planung von Bauvorhaben sei daher essenziell, um eine hohe Akzeptanz zu erreichen. Bomba betonte, dass Bürgerbeteiligung aber auch Grenzen habe, beispielsweise dann, wenn nationale über kommunalen Interessen stünden.

Peter Strieder, Senior Partner bei Ketchum Pleon, wies darauf hin, dass es durch das Internet eine neue Beteiligungskultur gebe. Zudem bewirken demografische und soziologische Veränderungen mehr und selbstbewusstere Mitsprache, die von der Politik moderiert werden müsse. Eine generelle Bürgerbeteiligung sei gemäß Strieder nicht das geeignete Mittel zur politischen Entscheidungsfindung. Man müsse Projekte professionell kommunizieren und langfristig planen, um den neuen Gegebenheiten gerecht werden zu können.

Bei der folgenden Podiumsdiskussion diskutierten Dr. Marc Weinstock, Geschäftsführer der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft, Stefan Evers, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin und Henrik Thomsen, Geschäftsführer der Groth Gruppe. Der richtige Weg führt von Konfrontation zu Kooperation, so Evers. Zwar entscheide letztlich die Politik, jedoch müsse eine Unterstützung dieses Prozesses durch die Bürger ermöglicht werden. Hier sollten beide Seiten voneinander lernen und die eigene Haltung hinterfragen, um eine Interessenabwägung zu ermöglichen. Der Wunsch der Bürger nach Beteiligung sei von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich, stellte Weinstock fest. Zudem gebe es regionale Unterschiede. So herrsche in Ballungszentren wie Berlin oder Hamburg eine andere Streitkultur als in Regionen wie beispielsweise Holstein. Diskussionen würden hier weniger emotional ausgetragen. Henrik Thomsen betonte, dass ein frühzeitiger Dialog mit Bürgern sinnvoll sei, um Ängste und Bedenken im Vorfeld von Planungsvorhaben erfassen und lösen zu können. Dies erfordere jedoch viel Zeit, die im Planungsprozess berücksichtigt werden muss. Das Podium war sich einig, dass Bürgerbeteiligung nicht mit Bürgerentscheidung gleichzusetzen sei.
Veranstalter der 9. Immobilienkonferenz in Berlin waren British Chamber of Commerce in Germany, ZIA, IMMOEBS und OLSWANG. Unterstützt wurde die Veranstaltung von BF.direkt und EY Real Estate.


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