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18.12.2014 Wettbewerb für neues Rathaus für Leonberg abgeschlossen

Visualisierung: Schaller Architekten
Schaller Architekten BDA RIBA Stuttgart und das Bauunternehmen WOLFF & MÜLLER bauen das neue Rathaus in Leonberg. Sie konnten sich gegen fünf weitere Bietergemeinschaften durchsetzen. Für die Planung und schlüsselfertige Erstellung des Gebäudes hatte die Stadt Leonberg einen europaweiten Wettbewerb ausgeschrieben, der gestern offiziell entschieden wurde. „Die beiden Stuttgarter Unternehmen haben mit dem besten Gesamtkonzept aus Städtebau, Architektur, Funktionalität, Qualität, Energiekonzept und Preis überzeugt“, sagt Leonbergs Oberbürgermeister Bernhard Schuler. Das Gesamtbudget von ca. 25 Mio. Euro brutto wird eingehalten. Darin enthalten sind die Verfahrenskosten für Gutachter und Berater, die Möblierung, eine Rollregalanlage und weitere Rückstellungen als Vorsichtsmaßnahme (z. B. für den Baugrund). Die Kosten für den Neubau, den Abbruch des Bestandsgebäudes und die Erstellung der Außenanlagen liegen bei ca. 22,79 Mio. Euro brutto. Bei diesem Entwurf ist kein Teilabbruch des bestehenden Rathauses während des Neubaus notwendig. Der Zeitplan für den Bau ist straff: Mitte 2015 beginnen voraussichtlich die Bauarbeiten, Ende 2016 will WOLFF & MÜLLER das neue Rathaus schlüsselfertig an die Stadt übergeben. Bis Mitte 2017 sollen schließlich auch die Außenanlagen fertiggestellt und das bestehende Rathaus abgerissen werden.

Planen und Bauen aus einer Hand

Der Leonberger Gemeinderat hatte sich im April dieses Jahres für den Neubau entschieden. Im Gegensatz zu einer Sanierung des Bestandsgebäudes kann der Betrieb so ungestört weitergehen und die Verwaltung muss nicht in ein provisorisches Interimsgebäude umziehen, das extra angemietet werden müsste. Der Rathausneubau soll die verschiedenen, in der Stadt verteilten Ämter unter einem Dach zusammenbringen. Nur das Ordnungsamt bleibt wie gehabt im historischen Rathaus am Marktplatz. Der Neubau wurde nach dem sogenannten Planen-und-Bauen-Prinzip vergeben und durch Drees & Sommer sowie Menold Bezler als Berater der Stadt Leonberg betreut. Diese kombinierte Vergabe bedeutet, dass Architekten und ausführendes Bauunternehmen schon früh eng zusammenarbeiten und ein gemeinsames Angebot abgeben, das alles Wichtige umfasst: den architektonischen Entwurf, die schlüsselfertige Ausführung, die Haustechnik und das Energiekonzept. „Der frühe Austausch führt dazu, dass beide Partner ihre Expertise einbringen können. Das verbessert die Qualität des Entwurfs und erhöht die Termin- und Kostensicherheit“, sagt Michael Scheich, Leiter Technischer Innendienst bei WOLFF & MÜLLER.

Wichtiger Stadtbaustein in klarer architektonischer Sprache

Dem Neubau des Leonberger Rathauses kommt in mehrerer Hinsicht große Bedeutung zu. Er muss in seiner äußeren Erscheinung und in seinem inneren Gefüge der Rolle eines Rathauses gerecht werden. Darüber hinaus steht er für den Beginn der Entwicklung einer Stadtachse zwischen der Altstadt und der neuen Stadtmitte in Leonberg. Der Neubau ist ein zentraler Baustein dieser städtebaulichen Entwicklung, denn er entsteht an einer Stelle, an der wichtige städtische Hauptverbindungsachsen und Grünzüge zusammentreffen. „Der Entwurf nimmt die vorhandenen stadträumlichen Beziehungen auf und verknüpft sie miteinander. Selbstbewusst und seiner Bedeutung angemessen soll das neue Rathaus den Ort stabilisieren und ihm Identität verleihen. Das Gebäude soll dabei als Haus für die Bürger offen und einladend sein sowie gute Arbeitsbedingungen für mehr als 200 Mitarbeiter bieten. Gleichzeitig wird das Rathaus funktional und sachlich zurückhaltend sein. Keineswegs soll es opulent oder gar autoritär wirken“, sagt Günther Schaller von Schaller Architekten.

Das Gebäude ist als siebengeschossiges Stadthaus (Untergeschoss, Erdgeschoss, fünf Obergeschosse) mit einer Bruttogeschossfläche von rund 9.900 Quadratmetern konzipiert. Mit seiner zeitlosen und zurückhaltenden Architektur und einer Lochfassade aus Naturstein fügt es sich gut in das Umfeld ein. Sein Herzstück ist ein zentrales, mehrgeschossiges Atrium mit transparentem Glasdach. Das Erdgeschoss beherbergt das zentrale Foyer mit Empfang, einen großen Ratssaal, Fraktionsräume, den I-Punkt samt den Büros des Amts für Kultur, Erwachsenenbildung, Sport und Stadtmarketing (KESS) sowie eine Mitarbeiter-Cafeteria. In den Obergeschossen sind die verschiedenen Abteilungen und Mitarbeiterbüros angesiedelt, das oberste Geschoss nutzt künftig unter anderem der Oberbürgermeister mit seinen Stabsstellen. Im Untergeschoss befinden sich die Technikräume sowie 50 Tiefgaragenstellplätze von insgesamt 120 Stellplätzen. Der Neubau und sein Umfeld haben keine explizite Vorder- oder Rückseite. Das Gebäude öffnet sich nach drei Seiten – somit sind städtisches Umfeld und Rathaus eng miteinander verwoben. Außen- und Innenräume gehen fließend ineinander über. Ein Dachgarten auf dem Parkdeck, grüne Inseln, Sitzstufen und Bänke schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität und verbinden die städtischen Grünzonen nördlich und südlich der Eltinger Straße.

Nachhaltiges Energiekonzept

Für das neue Rathaus haben Schaller Architekten und WOLFF & MÜLLER – das Bauunternehmen ist Preisträger des Deutschen Nachhaltigkeitspreise 2014 – ein besonders effizientes Energiekonzept entwickelt. Die kompakte Bauweise führt dazu, dass das Gebäude einen sehr niedrigen Wärmebedarf hat. Erkennbar ist die Kompaktheit an dem besonders niedrigen A/V-Verhältnis von nur 0,27: Die wärmeabgebende Oberfläche des Gebäudes (A) ist im Verhältnis zum beheizten Volumen (V) sehr klein. Die Betondecken werden durch eine sogenannte thermische Bauteilaktivierung zur Temperaturregulierung genutzt. Durch Rohrleitungen in den Decken fließt Wasser, das je nach Bedarf erwärmt oder gekühlt wird. Die massiven Bauteile geben Wärme über die gesamte Fläche ab oder nehmen sie auf. Das senkt den Kälte- und Wärmebedarf und schafft ein angenehmes Raumklima. Das Lüftungskonzept sieht zudem eine CO2-neutrale, sogenannte adiabate Kühlung vor. Hierbei wird warme Luft durch das Verdunsten von Wasser abgekühlt. Die Verdunstungskühlung ist eine natürliche und gleichzeitig effektive Alternative zur konventionellen Klimatisierung. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nutzt die überströmende Warmluft aus allen Bereichen mit einem Wirkungsgrad von 85 Prozent. Als Wärmelieferant dienen das bereits vorhandene Wärmenetz der Stadt Leonberg und das angeschlossene Blockheizkraftwerk. Auf dem Rathausdach wird eine Fotovoltaik-Anlage installiert. Das Beleuchtungskonzept mit einer effektiven Tageslichtnutzung und einer tageslichtabhängigen automatischen Regelung der Beleuchtung und Verschattung führt zu einem niedrigen Bedarf an Strom.

Effizienter Bauprozess dank modernster Methoden

Für einen effizienten Bauprozess und eine optimale Abstimmung aller am Bau Beteiligten setzt WOLFF & MÜLLER beim Rathaus-Neubau eine neue Arbeitsmethode ein, das sogenannte Building Information Modeling (BIM). Das Rathaus wird anhand eines digitalen Modelles geplant und gebaut, das nicht nur die 3D-Geometrie enthält, sondern auch alle Informationen zu Kosten und Terminen. Man spricht deshalb vom Planen und Bauen in fünf Dimensionen. BIM setzt sich in der Baubranche zunehmend durch, weil es die Planung genauer macht, die Termin- und Kostensicherheit erhöht und die gesamte Koordination verbessert. Alle Beteiligten arbeiten am gleichen digitalen Modell. Das Stuttgarter Bauunternehmen ist Vorreiter beim konsequenten Einsatz von BIM und wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet.



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