21.07.2026 Chemiepark Leuna: Drees & Sommer begleitet MicroHarvest beim Bau

Visualisierung: © Drees & Sommer
Ob auf dem Teller oder im Trog: Europa produziert nicht genug Eiweiß, um Menschen und Tiere selbst zu ernähren. Für den Großteil des Proteinbedarfs sind die Länder auf Importe angewiesen – allen voran von Soja, das die EU gerade einmal zu acht Prozent erzeugt[i]. Das Hamburger Biotech-Scale-up MicroHarvest adressiert das Defizit mit einer Produktionsanlage im Chemiepark Leuna, die als erste Anlage Europas hochwertiges Protein im industriellen Maßstab produziert.
Auf einer Bruttogrundfläche von rund 5.800 Quadratmetern sollen dort 15.000 Tonnen Protein pro Jahr durch Biomassefermentation aus regionalen Agrar-Nebenströmen entstehen. MicroHarvest investiert einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag und schafft am Standort etwa 25 neue Arbeitsplätze. Das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE begleitet MicroHarvest bei dem Vorhaben in der Planungsphase mit Projektmanagement und der Generalplanung. Der Produktionsstart erfolgt voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2028.
Der Markt für alternative Proteine zählt zu den dynamischsten Zukunftsmärkten. Laut einer Analyse der Boston Consulting Group und Blue Horizon könnte das weltweite Marktvolumen bis 2035 auf 97 Millionen Tonnen steigen[ii]. „Wer Proteinnachschub von Argentinien, Brasilien oder den USA abhängig macht, hat wenig Spielraum, wenn Häfen blockiert sind, Ernten ausfallen oder Exportzölle verhängt werden. Mit unserem Vorhaben in Leuna haben wir die Chance, unabhängig und resilient zu werden. Das gilt es jetzt zu nutzen“, meint Jonathan Roberz, Mitgründer und COO von MicroHarvest.
24 Stunden vom Rohstoff zum Protein
Um Protein zu gewinnen, fermentiert das Scale-up Mikroorganismen, die seit Jahrtausenden in der Lebensmittelherstellung zuverlässig arbeiten und etwa Milch zu Joghurt, Kohl zu Sauerkraut und Gemüse zu Kimchi machen. Als Futter für diese Mikroorganismen dienen Agrar-Nebenströme wie Melasse, ein Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion, das in der Agrarregion um Leuna in großen Mengen anfällt.
Die Fermentation läuft in geschlossenen Edelstahltanks ab: Mikroorganismen nehmen die Melasse auf und bauen daraus Proteine auf. „Unser Verfahren ähnelt dem aus der Brauerei, nur geht es bei uns deutlich schneller und statt Alkohol entsteht hochwertiges Eiweiß in Pulverform”, erklärt Jonathan Roberz. Die getrocknete Biomasse enthält einen Rohproteingehalt von über 60 Prozent, 20 Prozentpunkte mehr als eine Hühnerbrust, dazu Aminosäuren, Vitamine und Mineralien. Vom Rohstoffeintrag bis zum fertigen Proteinpulver vergehen gerade einmal 24 Stunden; ohne Gentechnik, wetterunabhängig und 365 Tage im Jahr.
Dass das Verfahren funktioniert, hat MicroHarvest schon bewiesen: Im November 2023 eröffnete das Unternehmen in Lissabon eine Pilotanlage auf rund 200 Quadratmetern. Die Anlage produzierte zunächst 25 Kilogramm Einzeller-Protein pro Tag und lieferte damit die erste handfeste Evidenz für die Skalierbarkeit des Prozesses. Die Erkenntnisse daraus fließen nun in die Planung der Großanlage in Leuna ein, die als erste Produktionsanlage für hochwertiges Protein in Europa gilt.
Präzise Planung für einen komplexen Industrieneubau
Dass sich das Projekt technisch und wirtschaftlich realisieren lässt, hat Drees & Sommer mit einer Machbarkeitsstudie bestätigt. Darin hatten die Fachleute die Rahmenbedingungen für das Bauvorhaben in Leuna analysiert und bewertet – von den behördlichen Vorgaben bis hin zu möglichen Risiken. Auf dieser Grundlage prüfte das Projektteam verschiedene Planungsvarianten auf Wirtschaftlichkeit und Optimierungspotenzial.
Mit dem Produktionsstart in der ersten Jahreshälfte 2028 ist der Zeitrahmen eng gesteckt für das, was es umzusetzen gilt: „Wir planen unter anderem Bereiche für die Rohmaterialannahme, Lagerung und Vorbereitung. Dazu kommt eine Anlage zum Trocknen, Abfüllen und Verpacken des Proteins sowie Systeme, die den Fermentationsprozess unterstützen. Büros, Labore, die Technische Gebäudeausstattung und Außenanlagen ergänzen die Planung”, erläutert Manuel Paulick, Projektleiter bei Drees & Sommer. Zunächst legt das Projektteam die Anlage auf die GMP+ Zertifizierung der Produktionsstandards für den Futtermittelbereich aus; später soll sie sich auf Lebensmittelstandard erweitern lassen.
In Abstimmung mit MicroHarvest und weiteren Fachunternehmen entwickelt Drees & Sommer den Herstellungsprozess der „First-of-a-kind“-Anlage mit. Derzeit verantworten Paulick und sein Team die ersten beiden Planungsphasen: die Vorplanung und die Entwurfsplanung für das Gebäude und Teile des künftigen Fermentationsprozesses.
In diesem hochdynamischen Prozess müssen viele Entscheidungen zeitgleich herbeigeführt werden. Entsprechend anspruchsvoll ist die Koordination der Planung: „Wir stimmen zahlreiche Fachdisziplinen, Lieferanten, Bauherrnentscheidungen und Freigaben von Beginn an exakt aufeinander ab und berücksichtigen sie in unserer Planung; Gleichzeitig dürfen wir die Kosten nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Steffen Butz, leitender Prozessingenieur bei Drees & Sommer. Um das zu sichern, bündelt das Unternehmen einen Großteil der Planungs-, Beratungs- und Steuerungsaufgaben aus einer Hand.
Vom Tierfutter zur Zutat für Menschen
MicroHarvest will sein Protein zunächst im Tierfutterbereich vermarkten; insbesondere in Pet Food und Aquakultur. Erste Produkte sind schon verfügbar: Gemeinsam mit dem deutschen Anbieter Vegdog und dem britischen Heimtierfutterhersteller The Pack hat das Unternehmen Hundeleckerlis auf Basis seines fermentierten Proteins entwickelt. Sobald die Zulassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Rahmen des Novel-Food-Verfahrens vorliegt, soll das Protein auch auf dem Lebensmittelmarkt für Menschen verfügbar sein: zum Beispiel als Zutat in Hackbällchen oder in Proteinriegeln.
Auf einer Bruttogrundfläche von rund 5.800 Quadratmetern sollen dort 15.000 Tonnen Protein pro Jahr durch Biomassefermentation aus regionalen Agrar-Nebenströmen entstehen. MicroHarvest investiert einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag und schafft am Standort etwa 25 neue Arbeitsplätze. Das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE begleitet MicroHarvest bei dem Vorhaben in der Planungsphase mit Projektmanagement und der Generalplanung. Der Produktionsstart erfolgt voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2028.
Der Markt für alternative Proteine zählt zu den dynamischsten Zukunftsmärkten. Laut einer Analyse der Boston Consulting Group und Blue Horizon könnte das weltweite Marktvolumen bis 2035 auf 97 Millionen Tonnen steigen[ii]. „Wer Proteinnachschub von Argentinien, Brasilien oder den USA abhängig macht, hat wenig Spielraum, wenn Häfen blockiert sind, Ernten ausfallen oder Exportzölle verhängt werden. Mit unserem Vorhaben in Leuna haben wir die Chance, unabhängig und resilient zu werden. Das gilt es jetzt zu nutzen“, meint Jonathan Roberz, Mitgründer und COO von MicroHarvest.
24 Stunden vom Rohstoff zum Protein
Um Protein zu gewinnen, fermentiert das Scale-up Mikroorganismen, die seit Jahrtausenden in der Lebensmittelherstellung zuverlässig arbeiten und etwa Milch zu Joghurt, Kohl zu Sauerkraut und Gemüse zu Kimchi machen. Als Futter für diese Mikroorganismen dienen Agrar-Nebenströme wie Melasse, ein Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion, das in der Agrarregion um Leuna in großen Mengen anfällt.
Die Fermentation läuft in geschlossenen Edelstahltanks ab: Mikroorganismen nehmen die Melasse auf und bauen daraus Proteine auf. „Unser Verfahren ähnelt dem aus der Brauerei, nur geht es bei uns deutlich schneller und statt Alkohol entsteht hochwertiges Eiweiß in Pulverform”, erklärt Jonathan Roberz. Die getrocknete Biomasse enthält einen Rohproteingehalt von über 60 Prozent, 20 Prozentpunkte mehr als eine Hühnerbrust, dazu Aminosäuren, Vitamine und Mineralien. Vom Rohstoffeintrag bis zum fertigen Proteinpulver vergehen gerade einmal 24 Stunden; ohne Gentechnik, wetterunabhängig und 365 Tage im Jahr.
Dass das Verfahren funktioniert, hat MicroHarvest schon bewiesen: Im November 2023 eröffnete das Unternehmen in Lissabon eine Pilotanlage auf rund 200 Quadratmetern. Die Anlage produzierte zunächst 25 Kilogramm Einzeller-Protein pro Tag und lieferte damit die erste handfeste Evidenz für die Skalierbarkeit des Prozesses. Die Erkenntnisse daraus fließen nun in die Planung der Großanlage in Leuna ein, die als erste Produktionsanlage für hochwertiges Protein in Europa gilt.
Präzise Planung für einen komplexen Industrieneubau
Dass sich das Projekt technisch und wirtschaftlich realisieren lässt, hat Drees & Sommer mit einer Machbarkeitsstudie bestätigt. Darin hatten die Fachleute die Rahmenbedingungen für das Bauvorhaben in Leuna analysiert und bewertet – von den behördlichen Vorgaben bis hin zu möglichen Risiken. Auf dieser Grundlage prüfte das Projektteam verschiedene Planungsvarianten auf Wirtschaftlichkeit und Optimierungspotenzial.
Mit dem Produktionsstart in der ersten Jahreshälfte 2028 ist der Zeitrahmen eng gesteckt für das, was es umzusetzen gilt: „Wir planen unter anderem Bereiche für die Rohmaterialannahme, Lagerung und Vorbereitung. Dazu kommt eine Anlage zum Trocknen, Abfüllen und Verpacken des Proteins sowie Systeme, die den Fermentationsprozess unterstützen. Büros, Labore, die Technische Gebäudeausstattung und Außenanlagen ergänzen die Planung”, erläutert Manuel Paulick, Projektleiter bei Drees & Sommer. Zunächst legt das Projektteam die Anlage auf die GMP+ Zertifizierung der Produktionsstandards für den Futtermittelbereich aus; später soll sie sich auf Lebensmittelstandard erweitern lassen.
In Abstimmung mit MicroHarvest und weiteren Fachunternehmen entwickelt Drees & Sommer den Herstellungsprozess der „First-of-a-kind“-Anlage mit. Derzeit verantworten Paulick und sein Team die ersten beiden Planungsphasen: die Vorplanung und die Entwurfsplanung für das Gebäude und Teile des künftigen Fermentationsprozesses.
In diesem hochdynamischen Prozess müssen viele Entscheidungen zeitgleich herbeigeführt werden. Entsprechend anspruchsvoll ist die Koordination der Planung: „Wir stimmen zahlreiche Fachdisziplinen, Lieferanten, Bauherrnentscheidungen und Freigaben von Beginn an exakt aufeinander ab und berücksichtigen sie in unserer Planung; Gleichzeitig dürfen wir die Kosten nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Steffen Butz, leitender Prozessingenieur bei Drees & Sommer. Um das zu sichern, bündelt das Unternehmen einen Großteil der Planungs-, Beratungs- und Steuerungsaufgaben aus einer Hand.
Vom Tierfutter zur Zutat für Menschen
MicroHarvest will sein Protein zunächst im Tierfutterbereich vermarkten; insbesondere in Pet Food und Aquakultur. Erste Produkte sind schon verfügbar: Gemeinsam mit dem deutschen Anbieter Vegdog und dem britischen Heimtierfutterhersteller The Pack hat das Unternehmen Hundeleckerlis auf Basis seines fermentierten Proteins entwickelt. Sobald die Zulassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Rahmen des Novel-Food-Verfahrens vorliegt, soll das Protein auch auf dem Lebensmittelmarkt für Menschen verfügbar sein: zum Beispiel als Zutat in Hackbällchen oder in Proteinriegeln.




