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03.11.2026 Das ZIN in Brüssel gewinnt den Internationalen Hochhaus Preis

ZIN, Brüssel, Belgien. Foto: Kirsten Bucher
Das Finale um den Internationalen Hochhaus Preis (IHP) 2026/27 ist entschieden: Das mixed-use Hochhaus ZIN in Brüssel der Architekturbüros 51N4E, l´AUC und Jaspers-Eyers Architects gewinnt den Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. Der Preis ist mit 50.000 Euro und einer Statuette des international renommierten Künstlers Thomas Demand dotiert.

Die Architekten Johan Anrys und Olivier Cavens von 51N4E, Alessandro Gess und Djamel Klouche von l´AUC und John und Loik Eyers von Jaspers-Eyers Architects, sowie Jean-Philip Vroninks für den Bauherrn Befimmo nehmen den Preis bei der feierlichen Verleihung in der Frankfurter Paulskirche durch Dr. Ina Hartwig (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main), Birgit Dietl-Benzin (Vorständin DekaBank) und Peter Cachola Schmal (Direktor des Deutschen Architekturmuseums) entgegen.

Das ZIN steht nicht nur für eine architektonische Erneuerung, sondern auch für einen Paradigmenwechsel im Hochhausbau: Statt Abriss und Neubau rücken Transformation, Ressourcenschonung und Nutzungsmischung in den Mittelpunkt. Die ehemaligen beiden World Trade Center-Türme wurden nicht vollständig abgebrochen, sondern beide Erschließungskerne sowie die Untergeschosse wurden beibehalten und in den Neubau integriert. Zwischen die beiden Türme wurde eine Scheibe geschoben, die die beiden Hochhäuser zu einem Gebäude verbindet.

Heute wird das ZIN vielfältig genutzt und Teile sind auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Sportvereine trainieren in der Sporthalle, es gibt Appartements und ein Hotel, einen riesigen Dachgarten sowie ein Gewächshaus, das von dem Café des Hotels mitgenutzt wird. Die flämische Regierung hat ihren Sitz ins ZIN verlegt.
Das Projekt ist Startpunkt einer umfassenden Erneuerung des Brüsseler Nordquartiers und öffnet sich durch seine gemischte Nutzung zur Stadt und für die Bevölkerung.

Schwerpunkt der Jury: Ein Hochhaus sollte ein guter Nachbar sein

Den Schwerpunkt, den die Jury sich bei diesem 12. Internationalen Hochhaus Preis setzte, war die Frage, welche Rolle das Hochhaus in Zukunft spielen könnte. Unabhängig von Ästhetik und Funktion war man sich einig, dass die Fähigkeit eines Hochhauses „ein guter Nachbar zu sein“ von grundlegender Bedeutung ist. Sprich: Ein Hochhaus sollte seiner Umgebung etwas zurückgeben, den Kontext, in dem es steht, verbessern und der Stadt, in der es gebaut wurde und den Menschen, die dort wohnen, zugutekommen.

Die Jury orientierte sich in ihrer Entscheidung an der Idee, dass nur ein Hochhaus gewinnen sollte, das auch in 15 Jahren noch von Relevanz ist. Eine zusätzliche Frage, die im europäischen Kontext eine immer größere Bedeutung bekommt, betrifft die Themen Sanierung und Umbau, und damit einhergehend Wandlungsfähigkeit und Nutzungsmischung. Der Konsens der Jury lautete, es sei wesentlich, dass Hochhäuser, die als „gute Nachbarn“ gelten wollen, nicht monofunktional sein dürfen, sondern dass sie dazu beitragen sollten, Stadtzentren und zentrale Geschäftsbezirke wiederzubeleben.

Daraus resultierend kürte die Jury einstimmig das Projekt ZIN in Brüssel, Belgien, zum Gewinner des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27. Brian Yang, Gewinner von 2024 und Vorsitzender der Jury, begründete die Entscheidung folgendermaßen: „Hochhäuser sollen nicht länger nur hoch aufragende Symbole der Macht sein. Es geht vielmehr darum, die Macht zu transformieren, zu verändern und auf eine Situation zu reagieren. Ich glaube, es ist wichtig für einen Stadtteil, voller Leben zu sein, und das kann mit einer Mischung von Büros, Hotels und Wohnungen wie im ZIN erreicht werden.“

ZIN stärkt das Viertel, in dem es steht

ZIN war, laut Jury, das Hochhaus mit dem überzeugendsten Gesamtnarrativ: Es zeigt auf, wie sich das Konzept von Sanierung und Umbau auf ein neues Niveau heben und wie sich hierbei neue Qualität erreichen lässt. Dazu kommt, dass ZIN für europäische Verhältnisse äußerst groß dimensioniert ist. Es bietet mit seinen 10.000 Quadratmetern Fläche einen wichtigen Anziehungspunkt in einem wenig attraktiven Stadtviertel und regt im Idealfall neue Bautätigkeit an.

Die Jury resümierte, dass das Gebäude in ästhetischer Hinsicht zwar nicht als besonderer Blickfang wirkt, gerade darin aber seine besondere Stärke liegt: Wie Peter Cachola Schmal es ausdrückt, vermag es, „so viel zu bewirken“, ohne auf ikonische Wirkung abzuzielen. Der Vorsitzende Brian Yang bestätigte diese Einschätzung: „Es wirkt wie ein erstaunliches Projekt, das alles macht, was ein Hochhaus positiv gesehen tun kann: Durch einen Transformationsprozess sorgt es für Bedeutung und Qualität und stärkt damit das gesamte Viertel. Es wertet die Umgebung auf und verfügt über eine tolle interne Topografie. Die Übergänge zwischen öffentlichem und privatem Bereich sind hervorragend umgesetzt.“

Das Projekt widersetzt sich dem lautstarken Anspruch „Hier bin ich“ und legt den Fokus stattdessen auf die richtige Vermittlung der Botschaft. Während viele der Hochhäuser in Brüssel klassische Stahl- und Glas-Monolithen sind, bricht ZIN komplett mit diesem Leitbild. Die beiden ursprünglichen World Trade Center-Hochhäuser, die hier standen, wurden bis auf den Kern zurückgebaut. Zwischen ihnen wurde ein neues Gebäude mit doppelter Geschosshöhe eingefügt, das sowohl vertikal als auch horizontal Mischnutzungen fördern soll. Büros, Wohnungen, Hotelzimmer, Einzelhandel und Grünraum sind miteinander verflochten, um eine zusammenhängende Einheit zu schaffen, die auch nachts nie „leblos“ wirkt.

Das neue Sockelgebäude aus Glas auf der einen Seite und der verbindende Turm mit doppelt hohen Geschossen auf der anderen Seite sorgen im neuen/alten Gebäude für Vielfalt. Dabei erreichte das Projekt eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung von 95 Prozent für die verwendeten neuen Materialien, was einen geschlossenen, endlosen Rohstoffkreislauf statt Abfall bedeutet – ein noch nie zuvor erreichter Wert für ein europäisches Mischnutzungsprojekt dieser Größe.

Statements der Preisträger und der Partner des IHP

Das Büro 51N4E erläuterte: „Dieses Projekt zeichnet eine andere Zukunft für die Hochhausarchitektur: kein exklusives Wahrzeichen, das um die größte Höhe wetteifert, sondern ein offenes, großzügiges Gebäude, das mit der Stadt verbunden ist. Durch die Umnutzung eines bestehenden Hochhauses entsteht eine Konstellation aus Räumen und Nutzungen, die zu einem lebendigen Teil des städtischen Lebens wird, insbesondere im Erdgeschoss.

In Brüssel, wo Hochhäuser noch immer an die Narben einer aggressiven Stadterneuerung erinnern, ist diese internationale Anerkennung von Bedeutung. Sie zeigt, dass bestehende Hochhäuser keine Hindernisse sind, sondern Ausgangspunkte für einen Wandel. Der Preis würdigt den Mut eines Bauträgers, der bereit ist, in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und einem Architekturbüro, das eine neue Perspektive einbringt, einen anderen Weg einzuschlagen. Für 51N4E ist dies eine Anerkennung unseres Bestrebens, komplexe Anforderungen in einer Architektur in Einklang zu bringen, die sowohl effizient als auch großzügig ist. Mehr als nur das Gebäude – diese Auszeichnung würdigt einen mutigen, kooperativen Ansatz zur adaptiven Umnutzung und eine neue Rolle für Hochhäuser in der Stadt.“

Alessandro Gess, l´AUC, brachte zum Ausdruck: „Das ehemalige World Trade Center I & II in Brüssel verkörperte die großstädtischen Ambitionen der Nachkriegszeit – eine Vision der städtischen Modernisierung, die das bestehende Stadtgefüge tiefgreifend veränderte. ZIN setzt sich mit diesem Erbe auseinander und untersucht dessen Widersprüche sowie das ungenutzte Potenzial der bestehenden Strukturen. Die Umgestaltung wurde zu einem kollektiven Unterfangen, neue Wege im Umgang mit bestehenden Gebäuden zu entwickeln und dabei etablierte Praktiken des Bauens, des Abrisses und der Projektentwicklung in Frage zu stellen. Der Prozess erforderte ständige Abwägungen zwischen dem, was erhalten bleiben konnte, dem, was verändert werden musste, und dem, was neu erfunden werden konnte. Er eröffnete neue Möglichkeiten, Nutzungen zu kombinieren, großzügige Räume zu schaffen und das Gebäude wieder mit der Stadt zu verbinden, während gleichzeitig hinterfragt wurde, wie wir unsere städtischen Umgebungen bauen, wiederverwenden und umgestalten.“

Jaspers-Eyers Architects zeigten sich begeistert: „Der Gewinn des Internationalen Hochhaus Preises ist eine bemerkenswerte Anerkennung für ZIN und für den Ehrgeiz, der hinter dem Projekt steht. Für Jaspers-Eyers Architects zeigt ZIN, dass die Zukunft der Hochhausarchitektur nicht unbedingt mit einem Neubau beginnt, sondern aus der Umgestaltung des Bestehenden entstehen kann. Das Projekt gab uns die Gelegenheit, bestehende Strukturen und ihre Beziehung zur umgebenden Stadt neu zu überdenken und so neuen Mehrwert zu schaffen, anstatt bei Null anzufangen. Wir sind stolz darauf, dass dieser Ansatz internationale Anerkennung gefunden hat. Er bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass die Umgestaltung eines der wirkungsvollsten Instrumente der Architektur sein kann, um anpassungsfähigere, widerstandsfähigere und nachhaltigere Städte zu schaffen.”

Jean-Philip Vroninks, Chief Executive Officer, Befimmo Real Estate Group betonte: „Wir fühlen uns zutiefst geehrt, dass ZIN mit dem Internationalen Hochhaus Preis ausgezeichnet wurde. Für Befimmo bestätigt dieser Preis unsere Überzeugung, dass das nachhaltigste Gebäude oft jenes ist, das bereits existiert. Statt die ehemaligen World Trade Center-Türme abzureißen, haben wir uns entschieden, sie zu transformieren: Wir haben ihre Struktur erhalten und ihnen ein neues Leben als gemischt genutzter Ort gegeben, an dem Menschen arbeiten, wohnen, übernachten und sich begegnen. ZIN zeigt, dass ein Hochhaus offen, anpassungsfähig und wirklich mit der Stadt um sich herum verbunden sein kann. Diese Auszeichnung gehört allen, die sie möglich gemacht haben: den Architekturbüros 51N4E, l'AUC und Jaspers-Eyers, unseren Partnern und ausführenden Unternehmen, den Brüsseler Behörden und unseren eigenen Teams, die an diese mutige Entscheidung geglaubt haben. Zugleich bestärkt sie unser Engagement für das Brüsseler Nordviertel, das wir zu einem lebendigen, lebenswerten Quartier namens BXNord weiterentwickeln möchten. Wir sehen diese Anerkennung als Ermutigung auch künftig auf Wiederverwendung zu setzen und die Stadt neu zu denken und neu zu erfinden.”

Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, sagte: „Frankfurt ist die Hochhausstadt Deutschlands. Unsere Skyline prägt nicht nur das Aussehen der Stadt, sie ist längst zu einem Wahrzeichen geworden. Gerade deshalb müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie wir Hochhäuser in Zukunft nicht nur neu denken, sondern wie wir mit den bereits vorhandenen Gebäuden umgehen. ZIN zeigt beispielhaft, wie das gelingen kann: Bestehende Strukturen bleiben erhalten, unterschiedliche Nutzungen werden miteinander verbunden und aus einem früheren Bürokomplex entsteht ein Ort für Arbeiten, Wohnen und Begegnungen mitten in der Stadt. Der Internationale Hochhaus Preis zeichnet also nicht nur herausragende Architektur aus. Er bringt Ideen und Impulse nach Frankfurt, von denen wir für die Entwicklung unserer eigenen Stadt lernen können.”

Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, stellte fest: „Es wertet das Viertel auf, indem es nicht versucht, eine alleinstehende Ikone zu sein. Dennoch ist es ein Blickfang, jedoch nicht wegen seiner Schönheit, sondern dadurch, wie es den städtischen Kontext wertschätzt und verbessert. Es definiert schlicht und einfach ein Paradigma. Dieses Narrativ ist auch auf die Sorgfalt hinsichtlich der „menschlichen” Details zurückzuführen. So verlegten etwa die Architektenteams ihre eigenen Büros während der Planungsphase in das Gebäude und testeten, welche ihrer Pflanzen hier am besten gedeihen, da sie ihr Gebäude zum biophilen Partner für zukünftige Bewohnende machen wollten. Das Gesamtergebnis ihrer Bemühungen ist ein eindrucksvolles architektonisches Werk, das ebenso vielfältig wie einladend ist.”

Birgit Dietl-Benzin, Vorständin der DekaBank, betonte: „ZIN in Brüssel ist aus Sicht eines langfristigen Investors ein beispielhaftes Projekt für die Zukunft: Es verbindet den ressourcenschonenden Umgang mit bestehender Bausubstanz, flexible Nutzungsmöglichkeiten und eine starke städtebauliche Wirkung. Damit zeigt ZIN, warum die Transformation von Bestandsgebäuden immer mehr zu einem zentralen Bestandteil nachhaltiger und langfristig wertstabiler Immobilieninvestments wird.”

Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), erklärte: „Ich glaube, beim Prozess der Transformation geht es nicht nur darum, etwas anzupassen, damit es jetzt nutzbar wird, sondern darum, Bedeutung und zusätzliche Qualität zu schaffen und insbesondere den öffentlichen Bereich zu stärken, den Raum des gesamten Viertels rundherum aufzuwerten.”

Während der Preisverleihung wurden auch die weiteren vier Finalisten geehrt:

- AGE 360, Curitiba, Brasilien
Architektur: Architects Office, Sao Paulo, Brasilien; Triptyque, Sao Paulo, Brasilien / Paris, Frankreich

- Tencent Tower, Guangzhou, China
Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich

- 88 Walker, Sydney, Australien
Architektur: Fitzpatrick + Partners, Sydney, Australien

- One Pearl Bank, Singapur
Architektur: Serie Architects, London, Großbritannien; Multiply Architects, Singapur

Aus über 1.000 Hochhäusern, die innerhalb der letzten zwei Jahre weltweit fertiggestellt wurden, hatte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 30 herausragende Gebäude aus 12 Ländern nominiert. Eine internationale Jury von Expertinnen und Experten aus Architektur- und Ingenieurpraxis sowie den Partnern des IHP (DekaBank, Stadt Frankfurt am Main und Deutsches Architekturmuseum) – unter der Leitung von Brian Yang (Architekt, Partner BIG, Kopenhagen) – wählte aus den Nominierten die fünf Finalisten und den Gewinner.

























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