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29.10.2026 Statements der Immobilienbranche zum EZB-Zinsentscheid

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen im Euroraum vorerst unverändert bei 2,5 Prozent belassen. Lesen Sie nachfolgend die Statements von KINGSTONE IM, IREBS, BF.direkt, Ypsilon und DIEAG Investmentmanagement, die von der RUECKERCONSULT GmbH zur Verfügung gestellt wurden:

Maximilian Radert, Head of Product Development & Research, KINGSTONE Investment Management: „Während die Fed ihre Leitzinsen unverändert belässt, hält die EZB den Einlagensatz bei 2,5 Prozent. Aus unserer Sicht ist dies die richtige Entscheidung. Zwar bleibt der Inflationsdruck hoch. Die Teuerungsrate im Euroraum liegt inzwischen bei 3,8 Prozent und dürfte weiter steigen. Allerdings ist der Preisschub überwiegend energiepreisgetrieben. Gravierende Zweitrundeneffekte sind bislang nicht erkennbar. Während die kurzfristigen Inflationserwartungen steigen, bleiben die längerfristigen weitgehend stabil.

Gleichzeitig verliert die europäische Konjunktur an Dynamik. Die Wachstumsperspektiven trüben sich ein, während die deutlich gestiegenen Kapitalmarktzinsen die Finanzierungsbedingungen bereits erheblich verschärfen. Der Kapitalmarkt übernimmt damit einen wesentlichen Teil der geldpolitischen Straffung. Dies dürfte die wirtschaftliche Aktivität und mittelfristig auch den Inflationsdruck dämpfen.

Viele Ökonomen erwarten den nächsten und voraussichtlich letzten Zinsschritt im Dezember. Dieser Einschätzung schließen wir uns ausdrücklich nicht an. Aus unserer Sicht unterschätzt sie die bereits wirksame geldpolitische Restriktion und die zunehmenden konjunkturellen Risiken.

Besondere Aufmerksamkeit verdient Frankreich. Steigende Risikoaufschläge erhöhen den Druck auf die EZB, die geldpolitische Transmission sicherzustellen. Noch handelt es sich vor allem um länderspezifische Spannungen. Bei einer Eskalation könnten jedoch unkonventionelle Maßnahmen notwendig werden – zunächst verbale Interventionen, Liquiditätshilfen oder eine Verlangsamung des Bilanzabbaus. Das Transmission Protection Instrument bliebe das letzte Mittel."

Prof. Dr. Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung, IREBS Institut für Immobilienwirtschaft, Universität Regensburg: „Die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen unverändert zu lassen, war von den meisten Marktbeobachtern erwartet worden. Zwar ist die Inflation im Euroraum im September auf 3,8 Prozent gestiegen und liegt damit deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent. Allerdings wird der Preisanstieg weiterhin maßgeblich von den hohen Energiepreisen getrieben. Dagegen kann die EZB mit höheren Zinsen wenig ausrichten. Gleichzeitig haben die gestiegenen Renditen an den Anleihemärkten die Finanzierungsbedingungen bereits verschärft. Entscheidend wird nun sein, ob sich der Energiepreisschock zunehmend auf Löhne und andere Preise überträgt. Sollte sich die Inflation auf breiter Front verfestigen, dürfte die EZB weitere Zinserhöhungen vornehmen. Eine Zinspause bedeutet deshalb noch keine Entwarnung.“

Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG: „Die Zinspause der EZB wird den Immobilienmarkt kaum entlasten. Denn für die Immobilienfinanzierung sind vor allem die langfristigen Kapitalmarktzinsen entscheidend, und diese sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Die Folgen zeigen sich bereits am Wohnungsmarkt: Die höheren Zinsen bremsen die Nachfrage nach Wohneigentum, so dass die Kaufpreise trotz steigender Mieten stagnieren. Gleichzeitig wächst der Refinanzierungsdruck, vor allem bei Gewerbeimmobilien. Statt Verluste zu realisieren, haben viele Banken mitunter problematische Finanzierungen in den vergangenen Jahren verlängert und damit Zeit gewonnen. Doch diese Strategie lässt sich nicht unbegrenzt fortsetzen. Wir gehen deshalb davon aus, dass in den kommenden Monaten mehr Immobilien auf den Markt kommen werden und die Verkäufer bei den Preisen Zugeständnisse machen müssen. Eine nachhaltige Erholung des Transaktionsmarktes setzt voraus, dass sich die Renditeerwartungen der Investoren und die Preisvorstellungen der Verkäufer wieder annähern.“

Ulrich Creydt, Steuerberater und Partner, Ypsilon Group: „Es ist verständlich, dass die EZB den Zins auf dem bisherigen Niveau belässt. Sie hatte bereits am 10. September den Zins erhöht. Stabile Zinsen sind gut für die deutsche Wirtschaft und das überraschend höhere Wachstum. Unternehmen könnten aufgrund stabiler Zinsen mehr investieren und neue Arbeitsplätze schaffen. Darüber hinaus sind sie eine Wohltat für den Immobilienmarkt, weil Finanzierungen und damit auch der Erwerb privaten Wohneigentums erschwinglicher bleiben.

Es könnte aber durchaus sein, dass die EZB mit ihrer Entscheidung dem Zinsanstieg nur eine Verschnaufpause zubilligt. Das Thema Zinssteigerungen ist längst nicht vom Tisch. Gegebenenfalls könnte sich die EZB bei der kommenden Zinsentscheidung am 17. Dezember verpflichtet fühlen, den Zins wieder zu erhöhen. Denn wichtige Zinstreiber bestimmen weiterhin den Markt, allen voran steigende Energiekosten, die auf Erzeuger- und Verbraucherpreise durchschlagen und die Inflation erhöhen.“

Richard Pail, Geschäftsführer, DIEAG Investmentmanagement: „Nach zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr halten wir es aus unserer Sicht als Immobilienprojektentwickler für richtig, die Leitzinsen zunächst unverändert zu lassen. Dies verschafft der Immobilienbranche zumindest eine kurze Verschnaufpause. Ein stabileres Zinsumfeld verbessert die Kalkulationssicherheit bei den Gesamtinvestitionskosten einer Projektentwicklung und schafft zugleich eine verlässlichere Grundlage für Renditeanforderungen, Kaufpreisfaktoren und Exit-Erlöse bei Transaktionen mit institutionellen Investoren."
























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