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27.10.2026 Warum die Immobilienbranche ihre besten Köpfe zu verlieren droht

Mehr Gehalt, ein größerer Titel, mehr Verantwortung: Der Aufstieg zur Führungskraft galt lange als logischer nächster Karriereschritt. Doch was passiert, wenn genau dieser Aufstieg zur Belastungsfalle wird?

Die spezialisierte Personalberatung IMMOcareer beschäftigt sich in ihrer neuen 19-seitigen Arbeitsmarkt- und Branchenanalyse „Führung neu denken – Wenn Karriere zur Falle wird“ mit einer unbequemen Entwicklung: Die Bereitschaft zur Übernahme von Führungsverantwortung ist begrenzt, während die Anforderungen an Führungskräfte steigen.

43 Prozent lehnen Führungsverantwortung ab

Laut einer in der Analyse ausgewerteten deutschen Beschäftigtenbefragung können sich nur 14 Prozent der Personen ohne Führungsfunktion eine solche Position eindeutig vorstellen. Weitere 40 Prozent wären unter bestimmten Bedingungen bereit, 43 Prozent lehnen sie ab.

Die wichtigsten Hinderungsgründe unter denjenigen, die derzeit nicht führen möchten, sind die Arbeitsbelastung (77 Prozent), hohe Verantwortung (75 Prozent), mangelnde Vereinbarkeit (73 Prozent) und fehlende finanzielle Anreize (48 Prozent).

Diese Zahlen beziehen sich auf Beschäftigte verschiedener Branchen. Für die Immobilienwirtschaft sind sie vor dem Hintergrund eigener Kapazitätsprobleme besonders relevant: 62,1 Prozent der befragten Immobilienverwaltungsunternehmen bezeichnen sich bereits als überlastet.

Julian: „Wir riskieren, unsere besten Spezialisten in die falschen Positionen zu befördern.“

„In der Immobilienwirtschaft setzen wir Karriere noch immer viel zu häufig mit Personalverantwortung gleich. Doch ein hervorragender Asset Manager, Projektentwickler oder Immobilienverwalter wird nicht automatisch zur guten Führungskraft. Wer fachliche Spitzenleistung ausschließlich mit einem Chefposten belohnt, riskiert, am Ende einen wertvollen Spezialisten zu verlieren, ohne eine gute Führungskraft zu gewinnen“, erklärt Julian, Gründer und Immobilienexperte bei IMMOcareer.

Die Gehaltsillusion: 23 Prozent mehr verdienen – und trotzdem verlieren?

Besonders deutlich wird das Problem in einem Rechenbeispiel der Studie.

Eine Fachkraft verdient 65.000 Euro bei 40 Wochenstunden. Nach der Beförderung zur Teamleitung steigt das Jahresgehalt auf 80.000 Euro, die Arbeitszeit jedoch auf 50 Stunden.

Das Ergebnis: 23,1 Prozent mehr Jahresgehalt, aber 1,5 Prozent weniger rechnerischer Bruttostundenlohn.

Das Beispiel ist eine Modellrechnung und keine erhobene Gehaltsstatistik. Es verdeutlicht jedoch die wirtschaftliche Bedeutung der tatsächlichen Arbeitsbelastung.

Lara: „Unternehmen müssen sich fragen, warum Menschen überhaupt noch führen wollen.“

„Viele Unternehmen suchen händeringend nach Führungskräften. Gleichzeitig werden Führungspositionen immer komplexer und belastender. Wir brauchen deshalb neue Karrierewege, bei denen fachliche Exzellenz ebenso anerkannt und vergütet wird wie Personalverantwortung. Nicht jeder gute Mitarbeiter muss Chef werden, um erfolgreich Karriere machen zu können“, sagt Lara, Gründerin und HR-Expertin bei IMMOcareer.

Drei Szenarien: Wie sieht Führung in der Immobilienwirtschaft 2030 aus?

Die Studie skizziert drei mögliche Entwicklungen für die Jahre 2027 bis 2030.

Szenario 1 – Die Führungskrise verschärft sich. Unternehmen halten an traditionellen Hierarchien fest. Fachkräfte werden in unpassende Führungsrollen gedrängt. Überlastung, Expertenabwanderung und Schwierigkeiten bei der Nachfolge nehmen zu.

Szenario 2 – KI wird zum Brandbeschleuniger. Obwohl 96 Prozent der befragten Immobilienunternehmen KI innerhalb von fünf Jahren als relevant für ihr Geschäftsmodell betrachten, wird die Technologie vor allem genutzt, um noch mehr Arbeit in kürzerer Zeit zu erledigen. Statt Entlastung entsteht zusätzlicher Leistungsdruck.

Szenario 3 – Die Branche erfindet Karriere neu. Fach- und Führungskarrieren werden gleichwertig behandelt. Unternehmen schaffen realistische Kapazitäten, flexible Führungsmodelle und nutzen künstliche Intelligenz zur Reduzierung von Routineaufgaben.

Es handelt sich um qualitative Zukunftsszenarien, nicht um statistische Prognosen.

IMMOcareer fordert einen Kurswechsel

Aus Sicht von IMMOcareer müssen Immobilienunternehmen die Eignung für Führungsaufgaben stärker von fachlicher Leistung trennen. Gleichwertige Fachkarrieren, transparente Vergütung, klare Entscheidungskompetenzen und echte operative Entlastung sind entscheidende Hebel.

Die zentrale Botschaft: Die Immobilienwirtschaft braucht nicht einfach mehr Führungskräfte. Sie braucht Führungspositionen, die Menschen auch tatsächlich übernehmen wollen.



























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