16.10.2026 ICONIC AWARDS: German Design Council zeichnet 45 Projekte aus
Die Preisverleihung der ICONIC AWARDS 2026. Fotocredit: © Lukas Schramm
Der German Design Council hat die Preisträger*innen der ICONIC AWARDS 2026 am 6. Oktober 2026 in der BMW Welt in München ausgezeichnet. 45 Projekte erhielten die Auszeichnung Best of Best, fünf Sonderpreise würdigten herausragende Positionen. Rund 500 Gäste – darunter internationale Architekt*innen, Designer*innen, Hersteller, Bauherrschaften und Projektentwickler*innen – diskutierten aktuelle Fragen der Architektur.
Mit rund 800 Einreichungen aus über 45 Ländern bestätigen die ICONIC AWARDS ihre internationale Bedeutung als Plattform für Architektur, Interior Design und Produktinnovation. Die Keynote des Abends hielt Xu Tiantian von DnA_Design and Architecture, ausgezeichnet als Architects of the Year 2026. Sie beschrieb Architektur als Werkzeug sozialer und räumlicher Entwicklung, das auf vorhandenes Material, Landschaft und bestehende soziale Strukturen aufbaut – eine Haltung, die ihr Büro über Jahre in ländlichen Regionen Chinas erprobt hat. Zukunftsfähige Architektur entsteht nicht mehr allein aus einer überzeugenden Form, sondern aus der Präzision, mit der Material, Konstruktion, Technik und gesellschaftliche Verantwortung zusammenwirken. Auffällig ist der internationale Dialog insbesondere zwischen Asien und Europa, der viele der prämierten Arbeiten trägt.
„Die stärksten Projekte dieses ICONIC AWARDS-Jahrgangs verbindet nicht ein gemeinsamer Stil, sondern eine gemeinsame Haltung“, erläutert Lutz Dietzold, Geschäftsführer des German Design Council. „Sie entwickeln aus den realen Herausforderungen unserer Zeit eine neue gestalterische Qualität.“
Impulse aus der Preisverleihung
Im Panel „The New Normal – What Can Architecture Do?“, moderiert von Jeanette Kunsmann und Jakob Schoof (Chefredaktion DETAIL), stand Architektur als soziale Praxis im Mittelpunkt. Auf dem Podium diskutierten Caroline Nagel (COBE), Luo Yujie (LUO Studio), Lutz Henke (Leiter der Stabsstelle Kultur, visitBerlin), Scott Lloyd (TEN) und Étienne Feher (ABF-LAB). Immer wieder klang an, dass Entwerfen heute vor allem Zuhören bedeutet und Nutzer*innen früh eingebunden werden müssen. Wo der Entwurf als offener, forschender Prozess verstanden wird, entstehen Projekte, die ihre Relevanz lange behaupten – auch wenn Entscheidungen komplexer werden und sich im Prozess verändern.
Ein zweiter Schwerpunkt galt dem Bestand. Er ist ein Schatz, dessen Wert sich oft erst bei genauem Hinsehen erschließt – im Tragwerk ebenso wie im einzelnen Detail. Einig waren sich die Teilnehmenden darin, wie wichtig es ist, Bauherrschaften die Potenziale der Transformation aufzuzeigen. Nur durch die Offenheit, der Bausubstanz eine neue Identität zu geben, kann Architektur ihre Geschichte mittragen. Wie sehr sich ästhetische Urteile wandeln, zeigte das Beispiel des Berliner ICC: lange umstritten und vom Abriss bedroht, steht der Bau heute unter Denkmalschutz und wird über Kulturformate neu entdeckt – auch von Menschen, die mit ihm Kindheitserinnerungen verbinden. Ikonisch, so die These, wird ein Ort nicht durch seine Form allein, sondern durch die Prozesse und Menschen, die ihn beleben.
Im Expert Talk „Interior Performance“ rückte die Energiefrage in den Innenraum. Unter der Moderation von Alexander Gutzmer sprachen Federico Ferretti (Designchef bei Haier Europe, Mailand), Jung Jin Ho (Labotory, Seoul), Ming Dang (Hong designworks, Xi'an China) und Tobias Keyl (Associate Partner, gmp Architekten, Berlin und New York). Komfort, so eine der Thesen, bemisst sich nicht mehr an einem starren Temperaturkorridor, sondern an Tageslicht, dem Zugang zu Grün und natürlicher Lüftung – auch wenn es im Sommer innen einmal wärmer wird.
Am Beispiel eines Hochhausprojekts in Guangzhou wurde gezeigt, wie traditionelle Klimastrategien wie Arkaden, Höfe und Durchlüftung in einen zeitgenössischen Turm übersetzt werden: Rund zwei Drittel des Jahres soll das Gebäude ohne mechanische Lüftung auskommen, die Photovoltaik sitzt genau dort in der Fassade, wo ohnehin verschattet werden muss. Im Laufe des Panel Talks wurde deutlich, dass sich die Leistung eines Innenraums aus dem Zusammenspiel aller Gestaltungsebenen eines Gebäudes ergibt – von der Gebäudehülle bis zum Produktdesign. Der Dialog zwischen Interior Design, Architektur und Produktentwicklung aus Korea, China, Deutschland und Italien zeigte, wie Raumgestaltung und Produktdesign einander bedingen und international diskutiert werden müssen.
Im Wechsel zwischen Makro- und Mikroebene ging es darum, Entwicklungen früh zu erkennen, Lösungen gezielt weiterzuentwickeln und Ansätze, die sich im Kleinen bewähren, auch auf größere Vorhaben zu übertragen. Wie präsent Holzbau im Jahrgang ist, zeigten zwei Beispiele auf unterschiedlichen Maßstabsebenen: die Bushaltestelle in Zürich von Holzhausen Zweifel Architekten und das ausgezeichnete M-Plaza der FidCap Gruppe. Gemeinsam machen sie sichtbar, wie Holzbau in unterschiedlichen Bauaufgaben eingesetzt und weitergedacht wird.
Vier Entwicklungen prägen den Jahrgang 2026
Vom Material her denken
Ein zentraler Trend ist die Neubewertung vertrauter Baustoffe. Lehm, Laubholz, Stroh, Ziegel und wiedergewonnene Materialien gelten nicht als Alternative zu industriellen Baustoffen, sondern werden konstruktiv und ökologisch neu qualifiziert. Die Forschungsstudie LaubÖkoLet reduziert mit tragendem Laubholz das Stützenvolumen um rund 20 % und verbessert die CO?-Bilanz gegenüber Stahlbeton um bis zu 65 %. Die Produktionshalle Lehmraum zeigt Stampflehm als leistungsfähigen Baustoff für die Industriearchitektur.
Architektur als sozialer Möglichkeitsraum
Gebäude werden zunehmend daran gemessen, welche Beziehungen sie ermöglichen. Das Dorfgemeinschaftshaus Flörsbachtal macht aus einer Scheune einen Treffpunkt für vier Ortsteile. Kafka Oasis verwandelt eine Kantine in Wuhan in einen öffentlichen Aufenthaltsort. Eine Kinderbibliothek stärkt das Gemeinschaftsleben eines Bergdorfs, ein Jugendtreff im schweizerischen Nuglar-St. Pantaleon entstand gemeinsam mit Jugendlichen.
Gebaute Gastfreundschaft
Die Qualität von Architektur definiert sich zunehmend über das Erleben ihrer Nutzer*innen. Aufenthaltsqualität löst sich vom Hotelbau und prägt heute Kliniken, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude. Ein Meditationshotel in Xuzhou übersetzt Entschleunigung in Architektur, eine Kinder- und Jugendpsychiatrie überträgt Prinzipien der Gastlichkeit in den therapeutischen Kontext.
Energie als Entwurfsleistung
Auch technische Systeme rücken in den Mittelpunkt der Gestaltung. Die adaptive Solarfassade Solskin der ETH Zürich erzeugt Energie, verschattet Räume und reguliert den Lichteinfall gleichzeitig. Die Wärmepumpe aroTHERM perform von Vaillant erweitert mit reduzierten Schutzabständen den planerischen Spielraum im Gebäudekonzept.
Wo Innovation heute entsteht
So unterschiedlich die vier Entwicklungen sind, sie verweisen auf denselben strukturellen Wandel: Der Ort architektonischer Innovation verlagert sich. Sie entsteht nicht mehr allein in der übergeordneten Entwurfsidee, sondern zunehmend in der fachlichen Vertiefung von Material, Tragwerk, Bauphysik und Produktentwicklung. Vertraute Baustoffe werden konstruktiv neu qualifiziert, technische Systeme aus der nachgeordneten Planung in den Entwurf überführt und räumliche Konzepte präziser auf ihre soziale und körperliche Wirkung hin entwickelt.
Entscheidend ist dabei nicht die Addition spezialisierter Einzelleistungen, sondern ihre Fügung zu einem kohärenten System. Besonders deutlich wird das an der veränderten Rolle der Hersteller. Wo Produkte Energie gewinnen, Licht und Wärme regulieren, Bauteile konstruktiv optimieren oder Kreisläufe schließen, sind sie nicht länger Ausstattungs- oder Zulieferkomponenten. Sie werden zu konstitutiven Elementen architektonischer Qualität. Fortschritt entsteht damit weniger im einzelnen Objekt als in der Genauigkeit, mit der Material, Konstruktion, Technik und Nutzung aufeinander abgestimmt sind.
Diese Verlagerung ist zugleich kultureller Natur. „Emerging Perspectives“ bezeichnet jene Impulse, die im Austausch zwischen Disziplinen, Regionen und Maßstäben entstehen. Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen, wie lokale Ressourcen, Bautraditionen und soziale Bedingungen nicht lediglich bewahrt, sondern in übertragbare zeitgenössische Prinzipien übersetzt werden. Das Neue liegt nicht im Spektakulären, sondern in der Präzision, mit der Herkunft, Material, Technik und Gebrauch zu einer belastbaren architektonischen Haltung verbunden werden.
Sonderpreise: Fünf Positionen eines neuen Architekturverständnisses
Mit den Sonderpreisen rückt die Jury fünf unterschiedliche Träger architektonischer Innovation in den Fokus: Entwerfende, junge Büros, Interior Design, kollaborative Praktiken und engagierte Bauherrschaften. Die Auszeichnungen zeigen, dass der Wandel der gebauten Umwelt nicht von einer einzelnen Profession ausgeht, sondern dort entsteht, wo unterschiedliche Beteiligte Verantwortung übernehmen und ihre jeweilige Kompetenz neu definieren. Die fünf Positionen kommen aus China, Italien, Frankreich und der Schweiz.
Die Sonderpreise 2026 im Überblick
- Architects of the Year: DnA_Design and Architecture, China
- Interior Designers of the Year: Studio Wok, Mailand
- Creator of the Year: TEN
- Architect’s Client of the Year: Zheshui Village Committee für die gemeinsam mit LUO Studio realisierte Zheshui Natural Library
- Debut Work of the Year: ABF-LAB für die Maison des Solidarités – Langon, dotiert mit 10.000 EUR, unterstützt von dormakaba
Die Fachjury der ICONIC AWARDS 2026
Über die Vergabe der ICONIC AWARDS entscheidet eine jährlich neu berufene, international besetzte Jury aus führenden Persönlichkeiten der Architektur-, Design- und Materialkultur. Der Jury 2026 gehörten unter anderem an: Jonas Bjerre-Poulsen (Norm Architects), Caroline Nagel (COBE), Eva Marguerre und Marcel Besau (Besau-Marguerre), Lara Katscher (Werner Sobek) und Peter Ippolito (Gründer, Ippolito Fleitz Group – Identity Architects).
Mit rund 800 Einreichungen aus über 45 Ländern bestätigen die ICONIC AWARDS ihre internationale Bedeutung als Plattform für Architektur, Interior Design und Produktinnovation. Die Keynote des Abends hielt Xu Tiantian von DnA_Design and Architecture, ausgezeichnet als Architects of the Year 2026. Sie beschrieb Architektur als Werkzeug sozialer und räumlicher Entwicklung, das auf vorhandenes Material, Landschaft und bestehende soziale Strukturen aufbaut – eine Haltung, die ihr Büro über Jahre in ländlichen Regionen Chinas erprobt hat. Zukunftsfähige Architektur entsteht nicht mehr allein aus einer überzeugenden Form, sondern aus der Präzision, mit der Material, Konstruktion, Technik und gesellschaftliche Verantwortung zusammenwirken. Auffällig ist der internationale Dialog insbesondere zwischen Asien und Europa, der viele der prämierten Arbeiten trägt.
„Die stärksten Projekte dieses ICONIC AWARDS-Jahrgangs verbindet nicht ein gemeinsamer Stil, sondern eine gemeinsame Haltung“, erläutert Lutz Dietzold, Geschäftsführer des German Design Council. „Sie entwickeln aus den realen Herausforderungen unserer Zeit eine neue gestalterische Qualität.“
Impulse aus der Preisverleihung
Im Panel „The New Normal – What Can Architecture Do?“, moderiert von Jeanette Kunsmann und Jakob Schoof (Chefredaktion DETAIL), stand Architektur als soziale Praxis im Mittelpunkt. Auf dem Podium diskutierten Caroline Nagel (COBE), Luo Yujie (LUO Studio), Lutz Henke (Leiter der Stabsstelle Kultur, visitBerlin), Scott Lloyd (TEN) und Étienne Feher (ABF-LAB). Immer wieder klang an, dass Entwerfen heute vor allem Zuhören bedeutet und Nutzer*innen früh eingebunden werden müssen. Wo der Entwurf als offener, forschender Prozess verstanden wird, entstehen Projekte, die ihre Relevanz lange behaupten – auch wenn Entscheidungen komplexer werden und sich im Prozess verändern.
Ein zweiter Schwerpunkt galt dem Bestand. Er ist ein Schatz, dessen Wert sich oft erst bei genauem Hinsehen erschließt – im Tragwerk ebenso wie im einzelnen Detail. Einig waren sich die Teilnehmenden darin, wie wichtig es ist, Bauherrschaften die Potenziale der Transformation aufzuzeigen. Nur durch die Offenheit, der Bausubstanz eine neue Identität zu geben, kann Architektur ihre Geschichte mittragen. Wie sehr sich ästhetische Urteile wandeln, zeigte das Beispiel des Berliner ICC: lange umstritten und vom Abriss bedroht, steht der Bau heute unter Denkmalschutz und wird über Kulturformate neu entdeckt – auch von Menschen, die mit ihm Kindheitserinnerungen verbinden. Ikonisch, so die These, wird ein Ort nicht durch seine Form allein, sondern durch die Prozesse und Menschen, die ihn beleben.
Im Expert Talk „Interior Performance“ rückte die Energiefrage in den Innenraum. Unter der Moderation von Alexander Gutzmer sprachen Federico Ferretti (Designchef bei Haier Europe, Mailand), Jung Jin Ho (Labotory, Seoul), Ming Dang (Hong designworks, Xi'an China) und Tobias Keyl (Associate Partner, gmp Architekten, Berlin und New York). Komfort, so eine der Thesen, bemisst sich nicht mehr an einem starren Temperaturkorridor, sondern an Tageslicht, dem Zugang zu Grün und natürlicher Lüftung – auch wenn es im Sommer innen einmal wärmer wird.
Am Beispiel eines Hochhausprojekts in Guangzhou wurde gezeigt, wie traditionelle Klimastrategien wie Arkaden, Höfe und Durchlüftung in einen zeitgenössischen Turm übersetzt werden: Rund zwei Drittel des Jahres soll das Gebäude ohne mechanische Lüftung auskommen, die Photovoltaik sitzt genau dort in der Fassade, wo ohnehin verschattet werden muss. Im Laufe des Panel Talks wurde deutlich, dass sich die Leistung eines Innenraums aus dem Zusammenspiel aller Gestaltungsebenen eines Gebäudes ergibt – von der Gebäudehülle bis zum Produktdesign. Der Dialog zwischen Interior Design, Architektur und Produktentwicklung aus Korea, China, Deutschland und Italien zeigte, wie Raumgestaltung und Produktdesign einander bedingen und international diskutiert werden müssen.
Im Wechsel zwischen Makro- und Mikroebene ging es darum, Entwicklungen früh zu erkennen, Lösungen gezielt weiterzuentwickeln und Ansätze, die sich im Kleinen bewähren, auch auf größere Vorhaben zu übertragen. Wie präsent Holzbau im Jahrgang ist, zeigten zwei Beispiele auf unterschiedlichen Maßstabsebenen: die Bushaltestelle in Zürich von Holzhausen Zweifel Architekten und das ausgezeichnete M-Plaza der FidCap Gruppe. Gemeinsam machen sie sichtbar, wie Holzbau in unterschiedlichen Bauaufgaben eingesetzt und weitergedacht wird.
Vier Entwicklungen prägen den Jahrgang 2026
Vom Material her denken
Ein zentraler Trend ist die Neubewertung vertrauter Baustoffe. Lehm, Laubholz, Stroh, Ziegel und wiedergewonnene Materialien gelten nicht als Alternative zu industriellen Baustoffen, sondern werden konstruktiv und ökologisch neu qualifiziert. Die Forschungsstudie LaubÖkoLet reduziert mit tragendem Laubholz das Stützenvolumen um rund 20 % und verbessert die CO?-Bilanz gegenüber Stahlbeton um bis zu 65 %. Die Produktionshalle Lehmraum zeigt Stampflehm als leistungsfähigen Baustoff für die Industriearchitektur.
Architektur als sozialer Möglichkeitsraum
Gebäude werden zunehmend daran gemessen, welche Beziehungen sie ermöglichen. Das Dorfgemeinschaftshaus Flörsbachtal macht aus einer Scheune einen Treffpunkt für vier Ortsteile. Kafka Oasis verwandelt eine Kantine in Wuhan in einen öffentlichen Aufenthaltsort. Eine Kinderbibliothek stärkt das Gemeinschaftsleben eines Bergdorfs, ein Jugendtreff im schweizerischen Nuglar-St. Pantaleon entstand gemeinsam mit Jugendlichen.
Gebaute Gastfreundschaft
Die Qualität von Architektur definiert sich zunehmend über das Erleben ihrer Nutzer*innen. Aufenthaltsqualität löst sich vom Hotelbau und prägt heute Kliniken, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude. Ein Meditationshotel in Xuzhou übersetzt Entschleunigung in Architektur, eine Kinder- und Jugendpsychiatrie überträgt Prinzipien der Gastlichkeit in den therapeutischen Kontext.
Energie als Entwurfsleistung
Auch technische Systeme rücken in den Mittelpunkt der Gestaltung. Die adaptive Solarfassade Solskin der ETH Zürich erzeugt Energie, verschattet Räume und reguliert den Lichteinfall gleichzeitig. Die Wärmepumpe aroTHERM perform von Vaillant erweitert mit reduzierten Schutzabständen den planerischen Spielraum im Gebäudekonzept.
Wo Innovation heute entsteht
So unterschiedlich die vier Entwicklungen sind, sie verweisen auf denselben strukturellen Wandel: Der Ort architektonischer Innovation verlagert sich. Sie entsteht nicht mehr allein in der übergeordneten Entwurfsidee, sondern zunehmend in der fachlichen Vertiefung von Material, Tragwerk, Bauphysik und Produktentwicklung. Vertraute Baustoffe werden konstruktiv neu qualifiziert, technische Systeme aus der nachgeordneten Planung in den Entwurf überführt und räumliche Konzepte präziser auf ihre soziale und körperliche Wirkung hin entwickelt.
Entscheidend ist dabei nicht die Addition spezialisierter Einzelleistungen, sondern ihre Fügung zu einem kohärenten System. Besonders deutlich wird das an der veränderten Rolle der Hersteller. Wo Produkte Energie gewinnen, Licht und Wärme regulieren, Bauteile konstruktiv optimieren oder Kreisläufe schließen, sind sie nicht länger Ausstattungs- oder Zulieferkomponenten. Sie werden zu konstitutiven Elementen architektonischer Qualität. Fortschritt entsteht damit weniger im einzelnen Objekt als in der Genauigkeit, mit der Material, Konstruktion, Technik und Nutzung aufeinander abgestimmt sind.
Diese Verlagerung ist zugleich kultureller Natur. „Emerging Perspectives“ bezeichnet jene Impulse, die im Austausch zwischen Disziplinen, Regionen und Maßstäben entstehen. Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen, wie lokale Ressourcen, Bautraditionen und soziale Bedingungen nicht lediglich bewahrt, sondern in übertragbare zeitgenössische Prinzipien übersetzt werden. Das Neue liegt nicht im Spektakulären, sondern in der Präzision, mit der Herkunft, Material, Technik und Gebrauch zu einer belastbaren architektonischen Haltung verbunden werden.
Sonderpreise: Fünf Positionen eines neuen Architekturverständnisses
Mit den Sonderpreisen rückt die Jury fünf unterschiedliche Träger architektonischer Innovation in den Fokus: Entwerfende, junge Büros, Interior Design, kollaborative Praktiken und engagierte Bauherrschaften. Die Auszeichnungen zeigen, dass der Wandel der gebauten Umwelt nicht von einer einzelnen Profession ausgeht, sondern dort entsteht, wo unterschiedliche Beteiligte Verantwortung übernehmen und ihre jeweilige Kompetenz neu definieren. Die fünf Positionen kommen aus China, Italien, Frankreich und der Schweiz.
Die Sonderpreise 2026 im Überblick
- Architects of the Year: DnA_Design and Architecture, China
- Interior Designers of the Year: Studio Wok, Mailand
- Creator of the Year: TEN
- Architect’s Client of the Year: Zheshui Village Committee für die gemeinsam mit LUO Studio realisierte Zheshui Natural Library
- Debut Work of the Year: ABF-LAB für die Maison des Solidarités – Langon, dotiert mit 10.000 EUR, unterstützt von dormakaba
Die Fachjury der ICONIC AWARDS 2026
Über die Vergabe der ICONIC AWARDS entscheidet eine jährlich neu berufene, international besetzte Jury aus führenden Persönlichkeiten der Architektur-, Design- und Materialkultur. Der Jury 2026 gehörten unter anderem an: Jonas Bjerre-Poulsen (Norm Architects), Caroline Nagel (COBE), Eva Marguerre und Marcel Besau (Besau-Marguerre), Lara Katscher (Werner Sobek) und Peter Ippolito (Gründer, Ippolito Fleitz Group – Identity Architects).




