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13.10.2026 PropTechs: 90% erwarten mehr Neugeschäft – Bremse beim Kunden

Die heute veröffentlichte PropTech Germany Studie 2026 zeigt einen Sektor mit wachsender Umsatzbasis — und Kunden, bei denen sich erste Blockaden lösen. Die Umsatzbasis des PropTech-Sektors wächst: Mehr als ein Drittel der 192 befragten Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von über einer Million Euro, unter den reiferen PropTechs sind es 44 Prozent. Zugleich nehmen die befragten PropTechs zentrale Hindernisse auf Kundenseite geringer wahr als im Vorjahr.

Weniger Gegenwind, gleiche Baustellen

Über alle drei untersuchten Phasen hinweg – Aufbau des Geschäftsmodells, Verkauf und Implementierung – liegen die Hürden für PropTechs heute höher als 2021. Gegenüber dem Vorjahr geben jedoch drei Leitwerte nach: der fehlende Digitalisierungsdruck in der Branche, die mangelnde Risikobereitschaft der etablierten Unternehmen und die fehlende Priorisierung digitaler Projekte, jeweils um 0,2 Skalenpunkte. Drei unabhängig gestellte Fragen zeigen damit in dieselbe Richtung. Parallel steigt die Einschätzung der Auftragslage nach dem Tiefpunkt 2025 wieder an – genau so, wie es die Vorausgabe der Studie angekündigt hatte.

90 Prozent der PropTechs erwarten für 2026 und 2027 mehr Neugeschäft, mehr als die Hälfte davon merklich mehr. Die größten Hürden bleiben dabei durchweg organisatorisch: Entscheidungsstrukturen beim Kunden führen mit 3,7 von 5 Punkten, das fehlende Budget ist die am stärksten gewachsene Hürde seit 2021. Technische Hindernisse wie eine mangelhafte IT-Infrastruktur stehen in allen drei Phasen am Ende.

Sarah Maria Schlesinger, CEO und Managing Partner der blackprint Gruppe und Autorin der Studie, ordnet die Ergebnisse ein: „Die Lösungen sind marktreif, die Anbieter eine wachsende Umsatzbasis, der Druck ist angekommen. Über den Erfolg entscheidet jetzt, wie entscheidungsfähig die Kundenseite ist.“

Kapitalgeber bleiben, wo sie sind

57 Prozent der befragten PropTechs sehen die Investmentbereitschaft von Wachstumskapitalgebern unverändert – der höchste Stillstandswert seit Beginn dieser Abfrage 2022. 22 Prozent nehmen eine gesunkene Bereitschaft wahr, nach 32 Prozent im Vorjahr, 21 Prozent eine gestiegene. Ein Fundraising-Prozess dauert im Schnitt acht Monate, ebenfalls unverändert. 40 Prozent der befragten Unternehmen sind seit Gründung ganz ohne externes Kapital gewachsen. Aus Sicht der Befragten hat das Potenzial für einen Exit als Finanzierungsargument seit 2022 einen ganzen Skalenpunkt verloren und damit stärker als jeder andere Faktor der Erhebung. Marktpotenzial, Geschäftsmodell und Team bleiben maßgeblich.

ESG wird vom Zertifikat zum Werthebel

Mit dem EU-Omnibus-Paket entfällt die Berichtspflicht für die große Mehrheit der Unternehmen. Die Nachfrage nach ESG-Lösungen bleibt dennoch bestehen. Als Treiber nennen die PropTechs die gesetzliche Regulatorik seltener als im Vorjahr (48 Prozent, minus 11 Prozentpunkte) und veränderte Kundenanforderungen häufiger (26 Prozent, plus 10 Prozentpunkte). Auch Vorgaben für Immobilienbewertungen und das Management von ESG-Risiken bei Banken tragen zu den Nachhaltigkeitsanforderungen bei. Von steigenden Auftragsvolumina berichten besonders häufig Anbieter mit Umweltfokus: 70 Prozent gegenüber 18 Prozent bei Anbietern ohne ESG-Bezug. Inhaltlich verschiebt sich das Gewicht von Zertifikatsthemen zu messbaren Kennzahlen; Transparenz legt mit 14 Prozentpunkten stärker zu als jeder andere ESG-Aspekt.

Die öffentliche Hand als Nachfrager

Drei Viertel der PropTechs adressieren mindestens einen Bestandshalter. Bemerkenswert ist der zweite Rang: Öffentliche Bestandshalter werden von 44 Prozent, Kommunen, Länder und Behörden von 39 Prozent als Zielgruppe benannt. Damit ist die öffentliche Hand nach den privatwirtschaftlichen Bestandshaltern die am stärksten adressierte Akteursgruppe des Marktes.

Der blinde Fleck bleibt der Nutzer

Nur 16 Prozent der PropTechs benennen Immobiliennutzer als direkte Zielgruppe. Zugleich nennen 44 Prozent Mieterzufriedenheit als Nutzen ihrer Lösungen. Geschäftsmodelle, die über den Unternehmenskunden beim Endnutzer ankommen, sind seit 2023 von 25 auf 11 Prozent zurückgegangen. Vergleichsweise wenige Anbieter adressieren die Bausteuerung und Bauausführende: Bausteuerung decken 11 Prozent der Anbieter ab, Bauausführende werden von 13 Prozent adressiert.

Schlesinger spannt den größeren Bogen zur Branchenlage: „Der Veränderungsdruck auf die Branche kommt inzwischen von außen und ist nicht mehr verhandelbar: Nachhaltigkeit bestimmt seit diesem Jahr Bewertung und Kreditvergabe, Künstliche Intelligenz verändert die Kostenstruktur ganzer Prozessketten und der Fachkräftemangel lässt sich ohne Technologie nicht mehr auffangen. Die Antworten dazu liegen im Markt bereit: PropTech Anbieter mit tragfähiger Umsatzbasis liefern Lösungen im laufenden Betrieb. Was fehlt, liegt auf Kundenseite: ein Projekt, das Vorrang hat, jemand, der es verantwortet, und Geld, das dafür eingeplant ist. Daran entscheidet sich 2027, wer von Transformation profitiert und wer teuer dafür bezahlt.“


























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