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05.10.2026 Neubau bis Nachverdichtung: BHB realisiert Wohnbauten in München

Das ENZIAN. Fotocredit: © Beyond
Mit dem Wohnungsneubau ENZIAN im Münchner Norden, einer Revitalisierung und Nachverdichtung der Gründerzeithäuser SPEZI in der Maxvorstadt und dem Gartenstadt-Ensemble FLORÉAL in Harlaching erreicht die BHB Unternehmensgruppe bei drei Projekten wichtige Meilensteine. Zugleich darf sich das Unternehmen im Jubiläumsjahr über den Gewinn des NFG Zukunftspreises VESTA in der Kategorie „Wohnqualität & Zukunft“ freuen, mit dem das Modellprojekt MOORITZ ausgezeichnet wurde.

Mit dem ENZIAN vereint die BHB im Münchner Stadtteil Milbertshofen skandinavisches Design, ökologischen Holzbau und das innovative Social-Design-Konzept WohnenPlus. Noch während die Bodenplatte entsteht, sind bereits mehr als 60 Prozent der 62 Wohnungen im Enzian verkauft. Nach Abschluss des Tiefbaus geht das Projekt damit erfolgreich in die nächste Bauphase; die Fertigstellung folgt im kommenden Jahr.

Das Gebäude wird inklusive Decken und tragender Wände in Holzbau realisiert. Das pionierhafte Vorhaben liegt direkt im Europäischen Leuchtturmquartier ASCEND (Positive Clean Energy District) in unmittelbarer Nähe zum BMW Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ). Mit den vorrangig Ein- und Zweizimmerapartments richtet sich das Konzept nach dem Prinzip der kurzen Wege und des autofreien Alltags unter anderem an Bewohner:innen, die in den umliegenden Unternehmen tätig sind. Entsprechend liefert das Gebäude nicht nur das Dach über dem Kopf, sondern stellt alles bereit, was man zum Leben braucht.

Der Projektname ENZIAN greift die seltene Blüte des Clusius-Enzians auf, der auf der benachbarten Panzerwiese wächst. Die blau lasierte Holzfassade verbindet die nordische Lichtästhetik mit dem Blau der Blüte und nimmt in der Nähe olympischer Sportstätten zusätzlich Bezug auf Otl Aichers Farbleitsystem der Olympischen Spiele 1972. Namensgeber der Straße, in der das ENZIAN errichtet wird, ist der Polarforscher Carl Weyprecht. Inspiriert von seinen nordischen Expeditionen verwebt das Gebäude fünf skandinavische Lebensprinzipien: Hygge (Geborgenheit), Lagom (das richtige Maß), Friluftsliv (Leben im Freien), Fika (die Kaffeepause als Symbol für Gemeinschaft) und Allemansrätten (Natur als Raum für alle).

Freiraum als Ermöglicher von Zugehörigkeit und Gemeinschaft

Die Natur übernimmt dabei zugleich wichtige Funktionen im Sinne der Schwammstadt: Das Satteldach leitet Regenwasser über sichtbare Rinnen in Geländemulden und intensiv begrünte Retentionsflächen. Dort wächst auch ein Tiny Forest aus Moorbirken mit Baumrigolen nach Stockholmer Vorbild: Nach dem Modell des Carbon-Farming speichert eine Schicht aus Pflanzenkohle (Biochar) Wasser, nährt die Bäume und bindet Kohlenstoff dauerhaft im Boden.

Neben Nistkästen für Vögel und Biotopen für Libellen umfasst die Freifläche essbare Gärten nach dem Prinzip des berühmten Kopenhagener Gewächshaus-Restaurants NOMA. Der Garten wird vom Grünraum zur produktiven Komponente der Architektur. Teil des von TRR Landschaftsarchitekten entwickelten Freiraumkonzepts im Garten ist das Element BÅL, das als Koch- und Feuerstelle unter freiem Himmel gestaltet ist. „Wir schaffen Orte, an denen Menschen sehen, wie aus Boden, Wasser, Sonne und gemeinsamer Arbeit etwas entsteht, das sie selbst essen können – das stärkt Zugehörigkeit und Gemeinschaft“, erklärt BHB-Geschäftsführerin Melanie Hammer.

Als besonders identitätsstiftendes Element erwies sich im Vertrieb das Bogen-Motiv in der Architektur des ENZIAN. Es ist inspiriert von den organischen Formen des finnischen Architekten Alvar Aalto sowie sakralen und historischen Bögen in der Nachbarschaft. Auch das Innenleben ist gemäß der BHB-Leitprinzipien „Form follows Emotion“ in besonderem Sinne auf Ästhetik ausgerichtet. Die Apartments werden voll möbliert übergeben mit nachhaltigen Designermöbeln skandinavischer Marken (unter anderem HAY und Johanson).

Das Mobilitätskonzept des ENZIAN zeichnet sich durch einen eigenen, durchlässigen Baukörper namens DRIVHUS (norwegisch/dänisch für Gewächshaus) aus. Er kombiniert eine Mobilitätsstation für Pedelecs, Lastenräder und E-Sharing mit einer Fahrradwerkstatt und einem Treffpunkt für die Nachbarschaft.

Stadt weiterbauen: Aufstockung der Gründerzeit in Münchens Innenstadt

Bei einem weiteren Projekt hat die BHB nun einen wichtigen Meilenstein erreicht: Als Gegenstück zum reinen Neubau zeigt das Projekt SPEZI in der Dachauer Straße in der Maxvorstadt, wie qualitätvolles Weiterbauen im innerstädtischen Kontext gelingen kann.

Durch die behutsame Revitalisierung zweier Gründerzeitbauten sowie des Hinterhofgebäudes entsteht neuer Wohnraum bei gleichzeitiger Entsiegelung. SPEZI verzichtet auf Parkplätze im Innenhof und setzt auf ein innovatives Mobilitätskonzept mit Fahrradhub. Der bisher komplett asphaltierte Innenhof wird zu einer autofreien Stadtoase umgenutzt.

Mit der Aufstockung will die BHB zeigen, dass Bestandserhalt und zeitgenössische Architektur in einen wertvollen Dialog treten können, der den historischen Charakter des Quartiers wahrt und gleichzeitig zukunftsfähige Wohnformen ermöglicht.

Dabei zitiert das Gesamtkonzept die Kaffeehauskultur und die internationalen Einflüsse auf München und lässt gleichzeitig die Gründerzeit und Salonkultur wiederaufleben – eine echte „Münchner Mélange“. Schon mit der Zwischennutzung LOCI – z. B. durch das MUCBOOK Kaffeehaus – etablierte sich mit Ausstellungen, Lesungen und Stadtdebatten des Stadtmagazins MUCBOOK eine Kultur des Austauschs, die nun auch im baulichen Konzept weitergeführt wird.

Gartenstadt weiterdenken – Revitalisierung der Kaffeemühlen-Architektur

Neben dem gemischtgenutzten SPEZI mit Läden im Erdgeschoss und dem Holzhybrid-Wohnungsbau ENZIAN entwickelt die BHB derzeit auch ein Gartenstadt-Projekt in Harlaching, für das nun der Bauvorbescheid vorliegt.

Das Projekt FLORÉAL führt den Gedanken des „Weiterbauens“ fort, indem der Bautypus der sogenannten Kaffeemühle – eine Bauform der Reformzeit in den Münchner Gartenstädten, die derzeit immer mehr verschwindet – revitalisiert und behutsam durch zwei weitere Bauten zum Ensemble ergänzt wird.

Anstatt den Bestand einfach abzureißen und durch stereotype Abstandflächenbauten zu ersetzen, erzählen wir die Entstehungsgeschichte der Gartenstadt Harlaching weiter und lassen fast vergessene Geschichten im inhaltlichen Konzept unseres Ensembles wiederauferstehen. So erhält das FLORÉAL – dessen Name sich auf eine der schönsten Gartenstädte in Belgien und gleichzeitig den Monat Frühling im französischen Revolutionskalender bezieht – eine echte architektonische Identität, die sich aus dem Genius Loci des Ortes entwickelt.

Die Entstehung der Gartenstadt Harlaching Anfang des 20. Jahrhunderts fiel zeitlich mit den Strömungen der Lebensreform und dem Erstarken der bürgerlichen Frauenbewegung in München zusammen. Überdies greift es den Japonismus auf – die Neugier und Sehnsucht der damaligen Zeit nach dem damals so geheimnisvoll wirkenden Land Japan. Das Projekt interpretiert den für Gartenstädte typischen Bautypus dieser Epoche und verbindet den historischen Kontext der Reformzeit mit heutigen Leitbildern von Zirkularität, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft.

Insgesamt entstehen 19 Wohneinheiten, indem der Bestand saniert und durch zwei ökologische Holzhybridbauten zu einem Ensemble ergänzt wird. Das Ensemble besteht aus drei verbundenen Baukörpern, die namentlich direkt an bedeutende Wegbereiterinnen und Frauenrechtlerinnen in Zeiten der naturorientierten Reformbewegung erinnern.

Villa Anita (Bestandsgebäude): benannt nach Anita Augspurg, Deutschlands erster promovierter Juristin, Pazifistin und führender Vertreterin der Frauenbewegung in Deutschland, die unter anderem das berühmte Jugendstil-Fotoatelier Elvira mitbegründete.

Villa Hanna (neues Kaffeemühlenhaus): benannt nach Hanna Löv, die 1928 als Jahrgangsbeste die Prüfung für den höheren Baudienst ablegte und dadurch zur ersten weiblichen Regierungsbaumeisterin Bayerns wurde.

Villa Ine (Teehaus-Neubau): benannt nach Kusumoto Ine, der Tochter des Japanforschers Philipp Franz von Siebold, die als erste westlich ausgebildete Ärztin Japans Pionierarbeit leistete. Über Siebold gelangten fernöstliche Blütenpflanzen wie Hortensien, Rhododendren, Kamelien und Kirschblüten in den Englischen Garten und die Villengärten Harlachings.

BHB erhält in Berlin Zukunftspreis für DAS MOORITZ

Das für zukunftsweisende Baukultur stehende BHB-Projekt das MOORITZ in Gauting wurde beim NFG Zukunftsgipfel in Berlin mit dem NFG Zukunftspreis VESTA 2026 in der Kategorie „Wohnqualität und Zukunft“ ausgezeichnet. Als eines von bayernweit 19 offiziellen Pilotprojekten für den Gebäudetyp-E zeigt das MOORITZ, wie durch den klugen Umgang mit Standards – zum Beispiel den kompletten Verzicht auf Tiefgarage und Keller – kostengünstiger und zugleich höchst lebenswerter Wohnraum für Pflegekräfte, Auszubildende und Studierende entsteht. Im Rahmen der Entwicklung hat die BHB in gemeinsamen Projekten mit der TUM den Einsatz von Moorbaustoffen (Paludikulturen) untersucht und versucht nun, diesen Baustoff so umfassend wie möglich einzusetzen.

BHB-Geschäftsführer Joachim Surhoff, der die Auszeichnung in Berlin entgegennahm, betonte in seinen Dankesworten die Haltung des Unternehmens: „Zukunftsfähigkeit im Wohnungsbau entscheidet sich auch maßgeblich an den Baustoffen, die wir der Natur entnehmen und verbauen. Wer nachwachsende Rohstoffe und regionale Materialkreisläufe nutzt, schafft Gebäude, die Menschen ein gesundes Zuhause bieten, CO? klimafreundlich binden und regionale Wirtschaftskreisläufe stärken“, so Joachim Surhoff. Der Baubeginn für das prämierte Projekt das MOORITZ ist ebenfalls für Herbst 2026 geplant.

Schönheit als Qualitäts-Kriterium

An den vier aktuellen Projekten wird deutlich, dass sich die BHB pionierhaft mit neuen Wegen des Bauens und der Architekturkultur beschäftigt. Dabei orientiert sich die BHB bewusst auch an den Leitlinien der europäischen Initiative des New European Bauhaus, die Ästhetik, Nachhaltigkeit und soziale Inklusion miteinander verknüpft. Unter der Leitung der geschäftsführenden Gesellschafterin und Architektin Melanie Hammer übersetzt die BHB diese Leitprinzipien in ihren laufenden Bauvorhaben in konkrete architektonische und ökologische Entscheidungen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Erweiterung der Planungsperspektive um eine gendersensible Betrachtungsweise, die den oft vernachlässigten Blick der weiblichen Perspektive einbringt – ebenso wie die Bedürfnisse anderer im Planungskontext bisher oft vernachlässigter Gruppen. „Es geht der BHB um eine Schärfung des Blicks für Qualitäten, die in der bisher männerdominierten Branche lange übersehen wurden.

Städte wurden historisch primär nach den Bewegungsmustern des Automobils und der funktionalen Trennung von Wohnen und Arbeiten geformt“, erklärt Melanie Hammer. Das sei nicht mehr zeitgemäß. „Die weibliche Perspektive, statistisch oft von Care-Arbeit geprägt, richtet die Aufmerksamkeit auf die Komplexität des Alltags mit unterschiedlichen Aufgaben. Zu dem ganzheitlichen Blick gehört auch ein neues Verständnis für wohngesunde Materialien, die Vermeidung von Angsträumen und die Förderung sozialer Interaktion“, so Melanie Hammer.

Das von Melanie Hammer etablierte Leitmotiv „Form follows Emotion“ fordert eine sensible Stadtplanung, in der Aufenthaltsqualität den gleichen Stellenwert besitzt wie technische und ökonomische Parameter. Aus diesem erweiterten Qualitätsverständnis folgt auch die Wiederentdeckung der Schönheit als Kategorie, die nach Meinung von Melanie Hammer Voraussetzung für die langfristige Akzeptanz und Wertbeständigkeit von Gebäuden ist.

ENZIAN, SPEZI, FLORÉAL und MOORITZ machen deutlich, dass die BHB Unternehmensgruppe beim Wohnungsbau sowohl auf den Neubau als auch auf Sanierung und Erweiterung setzt. Entscheidend ist die Suche nach der städtebaulich, ökologisch und gesellschaftlich angemessenen Antwort für den jeweiligen Standort. Für Melanie Hammer gehört dazu auch, „sich Zeit zu nehmen, um in Resonanz zu gehen und der Seele des Ortes nachzuspüren. Mit einer Verbindung von Schönheit, Nachhaltigkeit und sozialer Qualität möchte die Architekturkultur der BHB zu Lösungen für die Zukunft der Städte beitragen“.






























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