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21.09.2026 20 Jahre Immobilienverrentung: Liebenauer Fachtage ziehen Bilanz

Wie können Immobilieneigentümer gebundenes Vermögen aus den eigenen vier Wänden nutzen, ohne ihr Zuhause aufgeben zu müssen? Welche Modelle haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten etabliert, wo besteht weiterer Handlungsbedarf und welche neuen Lösungen kommen hinzu? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der 5. Liebenauer Fachtage Immobilienverrentung, die am 16. und 17. September im Schloss-Saal der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren stattfanden.

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Verbraucherschutz, Finanzwirtschaft, Immobilienwirtschaft, Beratung und Politik kamen zu der zweitägigen Fachveranstaltung zusammen. Zum Auftakt zog Dr. Markus Nachbaur von der Stiftung Liebenau Bilanz aus 20 Jahren Immobilienverrentung in Deutschland. Aus einem noch jungen Markt habe sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten entwickelt, Immobilienvermögen zu mobilisieren und zugleich die Wohnsituation zu erhalten.

„Nach 20 Jahren ist Immobilienverrentung längst kein Experiment mehr. Umso wichtiger ist es, den Markt verantwortungsvoll weiterzuentwickeln: mit verständlichen Angeboten, transparenten Chancen und Risiken sowie rechtssicheren und ausgewogenen Verträgen“, sagt Dr. Markus Nachbaur.

Verbraucherschutzsicht: breites Angebot, aber weiterhin Lücken

Einen Schwerpunkt bildete die Verbraucherperspektive. Renate Daum von der Stiftung Warentest zeigte, wie stark sich das Angebot in den vergangenen 20 Jahren verbreitert hat. Heute lassen sich sehr unterschiedliche Bedürfnisse abbilden, von finanzieller Unterstützung für Familie oder Gesundheit bis zum Wunsch, möglichst lange im eigenen Zuhause zu bleiben. Lücken sieht Daum vor allem bei Kreditlösungen für ältere Eigentümer und bei Angeboten, die das Langlebigkeitsrisiko dauerhaft absichern.

Zugleich bleibe die Verständlichkeit eine zentrale Herausforderung. Christoph Maurer von der INITIUM AG stellte ein Generationenmodell vor, das lebenslange, grundbuchlich gesicherte Wohnrechte mit Kapitalanlage verbindet. Ältere Eigentümer können dadurch gebundenes Immobilienvermögen freisetzen und zugleich altersgerecht wohnen, während Kapitalanleger mit geringerem Eigenkapitaleinsatz in Wohnimmobilien investieren können; frei werdender größerer Wohnraum kann zugleich jüngeren Familien zugutekommen.

Wie individuell solche Entscheidungen sind, machten Heike und Jochen Stöckert deutlich. Sie berichteten über ihre persönliche Entscheidung für einen Immobilienteilverkauf und hoben dabei insbesondere Vertrauen, persönliche Beratung und die verlässliche Begleitung während des gesamten Prozesses hervor. Der erste Veranstaltungstag klang mit einer Stadtführung und einem gemeinsamen Abendessen aus.

Am zweiten Veranstaltungstag ordnete Marcel Kirchmaier-Gaupp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die aktuelle Lage des Immobilienmarktes ein. Steigende Marktzinsen, erneuter Inflationsdruck und höhere Energiepreise erschwerten Finanzierungen und dämpften die Kreditnachfrage. Gleichzeitig treffe dies auf eine schwache Konjunktur. Der Wohnimmobilienmarkt habe sich nach den Preisrückgängen seit 2022 zwar stabilisiert, bleibe aber stark zinsabhängig. Innerhalb des Immobilienmarktes sieht Kirchmaier-Gaupp Wohnen weiterhin als vergleichsweise defensives Segment mit grundsätzlich intakter Nachfrage.

Levin Freiherr von Elverfeldt von der EVG Erbbaugrund Verwaltungsgesellschaft mbH und Dirk Hotopp von der HausVorteil AG stellten das Erbbaurecht als weitere Möglichkeit der Immobilienverrentung vor. Dabei werden Grundstück und Gebäude rechtlich getrennt: Das Grundstück wird veräußert, während das Gebäude im Eigentum des bisherigen Besitzers bleibt und weiterhin genutzt, vererbt und grundsätzlich auch beliehen werden kann. Das Modell verbindet damit die Freisetzung von Liquidität mit langfristiger Planbarkeit und dem Erhalt des Gebäudeeigentums. Rückkaufoptionen können zusätzliche Flexibilität schaffen.

Standards vom Verband in die Beratungspraxis bringen

Thomas Weiss, Geschäftsführer vonvobahome und Vorstand des Bundesverbands Immobilienverrentung (BVIV), zog Bilanz über die bisherige Verbandsarbeit. Zu den zentralen Fortschritten zählen gemeinsame Marktstandards, Musterunterlagen, die Weiterentwicklung der Geeignetheitsprüfung, ein transparenterer Kostenausweis sowie die Qualifizierung von Beraterinnen und Beratern. Im Mittelpunkt stehen vier Bausteine: die Prüfung der individuellen Eignung, eine verständliche Produkterläuterung, transparente Kosten und eine dokumentierte Beratung.

„Wir haben gemeinsame Standards geschaffen und die Grundlage für mehr Transparenz und Beratungsqualität gelegt. Jetzt geht es darum, diese Anforderungen im Markt verbindlich und für Verbraucher nachvollziehbar zu verankern“, sagt Thomas Weiss. Der BVIV versteht Immobilienverrentung zunehmend als eigenständiges Beratungsfeld an der Schnittstelle von Immobilien-, Finanz- und Verbraucherberatung. Entscheidend sei deshalb die Fähigkeit, unterschiedliche Lösungen verständlich zu vergleichen und auf die individuellen Bedürfnisse des Eigentümers abzustimmen.

Zum Abschluss betonte Christoph Sedlmeier von der Stiftung Liebenau und Vorstand des BVIV, dass der Bedarf an solchen Lösungen angesichts von demografischem Wandel, steigenden Kosten für Pflege und Sanierung sowie schwierigeren Finanzierungsmöglichkeiten weiter wachsen dürfte. „Immobilienverrentung ist in erster Linie ein Beziehungsgeschäft. Entscheidend ist, dass eine Lösung nicht nur am Tag des Vertragsabschlusses passt, sondern auch dann trägt, wenn sich Lebensumstände verändern. Ein vielfältigerer und transparenterer Markt kann älteren Eigentümern genau diese Handlungsfähigkeit eröffnen“, so Christoph Sedlmeier.

Die 5. Liebenauer Fachtage machten deutlich, wie stark sich der Blick auf Immobilienverrentung in den vergangenen 20 Jahren verändert hat. Aus einzelnen Verrentungsprodukten entwickelt sich zunehmend ein eigenständiges Beratungsfeld. Dabei rückt weniger das einzelne Modell als vielmehr die Frage in den Mittelpunkt, wie Immobilienvermögen verantwortungsvoll für unterschiedliche Lebenssituationen nutzbar gemacht werden kann. Die nächste Entwicklungsphase wird deshalb vor allem davon abhängen, Modelle besser vergleichbar zu machen, Beratung weiter zu professionalisieren und Qualitätsstandards dauerhaft im Markt zu verankern.



























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