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11.09.2026 EZB-Zinsanhebung: Statements von Akteuren der Immobilienbranche

Der EZB-Rat hat beschlossen, die drei Leitzinssätze der EZB um jeweils 25 Basispunkte anzuheben. Nachstehend lesen Sie Statements zum gestrigen EZB-Zinsentscheid von HIH Invest, IREBS, BF.direkt, CR Investment Management, KINGSTONE Investment Management und Ypsilon Steuerberatungsgesellschaft:

Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strategy, HIH Invest: „Die EZB folgt mit der Zinsanhebung um 25 Basispunkte den Markterwartungen. Die Inflationsrate in der Eurozone liegt auf Jahressicht inzwischen bei über drei Prozent und damit über dem Inflationsziel der EZB. Insbesondere die Energiepreise haben in den vergangenen Wochen erneut deutlich zugelegt. Mit dem Anstieg der Kerninflationsrate seit Ausbruch des Iran-Kriegs zeigt sich allerdings auch, dass der Preisanstieg über die Energiekomponente hinausgeht und sich auf immer mehr Güter und Dienstleistungen erstreckt. Mit zunehmender Dauer der militärischen Eskalation im Nahen Osten und der Blockade der Straße von Hormus dürfte sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzen. Die Hitze- und Dürreperiode der vergangenen Monate dürfte gerade bei Nahrungsmitteln ebenfalls weiterhin preistreibend wirken.

Die konjunkturelle Situation erweist sich vor allem in Deutschland – trotz der zahlreichen geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten – stabiler, als dies noch im Frühjahr zu erwarten war. Die Vorbehalte gegenüber einer Zinserhöhung haben damit abgenommen. An den Kapitalmärkten wurde die Leitzinserhöhung durch die EZB vorweggenommen. Die Kapitalmarktzinsen sind im Zuge der steigenden Inflationsraten und Staatsverschuldungen sowie der weltweit expansiven Fiskalpolitik bereits in den letzten Wochen deutlich angestiegen.

Für die Immobilienmärkte dürften sich durch den Zinsschritt keine wesentlichen Auswirkungen ergeben. Sowohl auf der Investment- als auch auf der Finanzierungsseite unterliegen die Märkte stärker der Entwicklung der langfristigen Kapitalmarktzinsen. Die Immobilienwirtschaft wird sich auf eine längere Phase höherer Zinsen einrichten und ihre Geschäftsmodelle vielfach adjustieren müssen. Global wirkende Megatrends und die Kapazitäten im Asset Management werden zunehmend über den Anlageerfolg entscheiden."

Prof. Dr. Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung, IREBS Institut für Immobilienwirtschaft, Universität Regensburg: „Die Zinserhöhung der EZB um 0,25 Prozentpunkte galt als nahezu sicher. Denn die Inflation im Euroraum ist im August auf 3,3 Prozent gestiegen und liegt damit weit über dem Zielwert der EZB. Der aktuelle Inflationsschub ist stark durch Energiepreise und damit durch einen Angebotsschock geprägt. Gegen die hohen Energiepreise selbst kann die EZB aber nichts tun. Für eine schnelle Folge weiterer Leitzinserhöhungen müsste sich zeigen, dass der Energiepreisschock tatsächlich auf Löhne und andere Preise übergreift. Dafür gibt es aber bislang noch keine eindeutigen Hinweise.“

Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG: „Für die Immobilienfinanzierung entscheidend sind weniger die Leitzinsen, sondern vielmehr die Langfristzinsen, die vom Kapitalmarkt bestimmt werden. Der Zehnjahres-Swapsatz zeigt seit 2024 einen klaren Trend: nach oben. Von der zwischenzeitlichen Entspannung nach dem Waffenstillstand im Iran ist nichts mehr übrig. Sollte die EZB nach der jetzigen Erhöhung die Leitzinsen bei den weiteren Zinsterminen in diesem Jahr unverändert lassen, könnten sich die Langfristzinsen stabilisieren. Verfestigt sich dagegen der Inflationsschub, werden die Finanzierungskosten weiter steigen. Für Kreditnehmer bleibt es daher wichtig, Refinanzierungen frühzeitig vorzubereiten und nicht darauf zu setzen, dass die Zinsen kurzfristig wieder deutlich sinken. Zu bedenken ist auch, dass im langfristigen Mittel das aktuelle Zinsniveau immer noch niedrig ist.“

Torsten Hollstein, Geschäftsführer der CR Investment Management: „Die Zinserhöhung verschärft die ohnehin angespannte Situation in der Immobilienwirtschaft. Höhere Finanzierungskosten treffen auf deutlich gesunkene Immobilienwerte. Dadurch sinken die möglichen Fremdkapitalanteile und zusätzlicher Eigenkapitalbedarf entsteht. Gerade bei anstehenden Refinanzierungen werden die Verhandlungen zwischen Eigentümern und Kapitalgebern damit noch anspruchsvoller.

Wichtig ist aber der Blick über die aktuelle Zinsentscheidung hinaus. Die Branche muss sich darauf einstellen, dass das höhere Zinsniveau keine vorübergehende Erscheinung ist. Wer darauf baut, dass die Zinsen in wenigen Quartalen wieder deutlich sinken, geht ein erhebliches Risiko ein. Historisch betrachtet ist das heutige Zinsniveau keineswegs hoch. Außergewöhnlich war vielmehr die lange Phase extrem niedriger und teilweise negativer Zinsen. Diese Realität muss sich nun auch in Bewertungen, Finanzierungsstrukturen und Businessplänen widerspiegeln.“

Maximilian Radert, Head of Product Development & Research, KINGSTONE Investment Management: „Die Anhebung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent war weitgehend eingepreist. Auch zahlreiche Experten hatten sich zuletzt in Richtung eines Zinsschritts positioniert – ausgemacht war die Entscheidung aber keineswegs. Entscheidend ist daher nun weniger der Schritt selbst als die Frage, wie die EZB den weiteren geldpolitischen Kurs einordnet.

Für die Straffung spricht vor allem die zuletzt auf 3,3 Prozent gestiegene Inflation im Euroraum. Insbesondere höhere Energiepreise halten den Preisdruck deutlich über dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2 Prozent. Gleichzeitig ist die Lage keineswegs eindeutig: Kern- und Dienstleistungsinflation zeigen sich bislang vergleichsweise moderat, breite Zweitrundeneffekte sind nur begrenzt erkennbar und auch der Arbeitsmarkt liefert ein gemischtes Bild. Nachlassende Lohnzuwächse, schwächeres Beschäftigungswachstum und moderatere Lohnstückkosten sprechen gegen einen automatischen Einstieg in einen neuen Zinserhöhungszyklus.

Ich gehe daher davon aus, dass der September-Schritt zunächst das Ende der aktuellen Straffung markiert. Das Mandat der EZB bleibt zwar klar auf Preisstabilität ausgerichtet, zugleich nehmen die Nebenwirkungen weiterer Zinserhöhungen zu: Höhere Kapitalmarktrenditen belasten Wachstum, Investitionen und Refinanzierungsbedingungen und verschärfen insbesondere für hoch verschuldete Staaten wie Frankreich und Italien den fiskalischen Druck. Gleichwohl dürfte die EZB weiterhin von Sitzung zu Sitzung entscheiden – vor dem Hintergrund volatiler Energiepreise, schwankender Finanzmärkte und insgesamt hoher geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit.“

Ulrich Creydt, Steuerberater und Geschäftsführer, Ypsilon Steuerberatungsgesellschaft: „Die Erhöhung des Zinssatzes durch die EZB um 25 Basispunkte ist nachvollziehbar, denn die Inflation lag im Euroraum im August bei 3,3 Prozent. In Deutschland lag sie geringfügig darunter, bei 2,9 Prozent. Der größte Inflationstreiber waren die Energiepreise. Diese Entwicklung, die im August zusätzlich durch das Niedrigwasser in vielen europäischen Flüssen verstärkt wurde, konnte die EZB, die ein Inflationsziel von 2 Prozent verfolgt, nicht außer Acht lassen: Auf dem Rhein konnten beispielsweise weniger Kraftstoffe transportiert werden und in Frankreich mussten sogar Atomkraftwerke ihre Produktion drosseln, weil benachbarte Flüsse zu wenig Wasser zum Kühlen aufwiesen. Damit zeigt sich, dass auch das Klima Auswirkungen auf den Leitzins hat.

Die Zinserhöhung wird sich voraussichtlich negativ auf den Immobilienmarkt auswirken. Die Zinsen für Darlehen könnten steigen und Anschlussfinanzierungen erschwert werden. Das und die eingetrübte Wirtschaftslage dürfte dafür sorgen, dass Verbraucher den Kauf von Wohneigentum verschieben: Denn bereits minimale Zinsänderungen erschweren die Finanzierbarkeit der eigenen vier Wände deutlich.“























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