31.08.2026 Die Zinsen steigen: Vorwärts in die Vergangenheit
Insbesondere in den etablierten Industriestaaten steigt die Staatsverschuldung, gleichzeitig geht es mit den Zinsen aufwärts. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen wieder bei rund 5,2 Prozent. Das belastet die Haushaltsbudgets. „Der Anleihemarkt signalisiert jedoch keine neue Krise, sondern nur das Ende einer Ausnahmephase“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.
In den USA hat die Bruttostaatsverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Zugleich erreichte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen zeitweise den höchsten Stand seit 2007. Das lässt auch andernorts die Zinsen steigen. „Was auf den ersten Blick wie eine neue Schulden- oder Anleihekrise wirkt, ist bei genauerer Betrachtung vor allem die Rückkehr zu einem historisch normaleren Zinsniveau“, erklärt Fischer. Es zeigt sich: Die außergewöhnlich niedrigen Renditen der vergangenen 15 Jahre waren keine dauerhaft tragfähige „neue Normalität“, sondern eine historische Ausnahme.
In den 2010er-Jahren herrschte an den Märkten eine strukturelle Übernachfrage nach sicheren Anleihen. Notenbanken, Banken und Pensionsfonds kauften aus regulatorischen und strategischen Gründen in großem Umfang Staatspapiere. „Dieses Umfeld hat sich inzwischen grundlegend verändert“, so Fischer.
Pensionsfonds investieren zunehmend in Aktien und private Vermögenswerte. Die Deglobalisierung verringert den Bedarf an Fremdwährungsreserven, während ausländische Anleger stärker auf Rendite und weniger ausschließlich auf Sicherheit achten. Gleichzeitig bleiben die staatlichen Defizite hoch und die Verschuldung steigt weiter. Ergebnis: Ein wachsendes Anleiheangebot trifft auf eine weniger elastische Nachfrage. Zinstreibend wirken zusätzlich die gestiegene Unsicherheit und die langfristigen Inflations- und Fiskalrisiken.
„Anders als Aktienkurse tendieren Anleiherenditen langfristig zu einem Mittelwert“, sagt Fischer. Dieser sei über Jahrzehnte gesunken, könne aber nicht beliebig fallen. „Menschliche Zeitpräferenz und Unsicherheit über die Zukunft setzen einer dauerhaften Senkung der Real- und Nominalzinsen Grenzen.“ Die Rückkehr zu höheren Renditen ist daher nicht automatisch ein Zeichen für ein Versagen des Finanzsystems. Sie kann vielmehr als Normalisierung eines historisch ungewöhnlich günstigen Finanzierungsumfelds verstanden werden.
Dagegen können sich auch die Notenbanken nicht stemmen, die vor allem die kurzfristigen Zinsen kontrollieren. Die Renditen am langen Ende werden dagegen maßgeblich vom Markt bestimmt: durch Inflationserwartungen, Wachstum, Staatsverschuldung und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. „Anleihekäufe oder andere Formen der Marktintervention können die langfristige Zinsstruktur allenfalls vorübergehend beeinflussen“, erklärt Fischer. Dies belege auch der jüngste Versuch des US-Finanzministeriums, durch eine Ausweitung von Anleiherückkäufen den Markt zu beruhigen – ohne nachhaltigen Erfolg.
Was dauerhaft sehr niedrige Zinsen anrichten können, zeigt sich wiederum in Japan. Jahrzehntelange Zinsdeckelung führte dort zu Marktverzerrungen, „Zombie-Unternehmen“ wurden künstlich am Leben erhalten, die notwendige Marktbereinigung blieb aus. Die Folgen sind geringes Wachstum und ein Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Währungsstabilität.
„Wer langfristige Zinsen dauerhaft niedrig halten will“, so Fischer, „kommt an einer glaubwürdigen Konsolidierung der öffentlichen Haushalte nicht vorbei.“ Diese Erkenntnis sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend verdrängt worden. Die steigenden Renditen machen nun sichtbar, welche Kosten die wachsende Verschuldung verursacht. In den USA belaufen sich die jährlichen Zinszahlungen inzwischen auf mehr als eine Billion US-Dollar. Der Schuldendienst ist damit zum drittgrößten Posten im Bundeshaushalt aufgestiegen.
Das hat Folgen für den Privatsektor: Sparer erhalten zwar bessere Renditen. Gleichzeitig aber verteuern sich Kredite. In den USA liegt der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken derzeit bei rund 6,7 Prozent. „Auch der Unternehmenssektor gerät unter Druck“, so Fischer. Unternehmen, die sich vor der Pandemie zu besonders günstigen Konditionen verschuldet haben, müssen auslaufende Kredite nun zu deutlich höheren Zinsen refinanzieren.
Licht und Schatten auch bei den Anlegern:
• Langlaufende Anleihen bieten wieder eine echte Laufzeitprämie und können dadurch für die strategische Portfoliokonstruktion attraktiver werden.
• Gleichzeitig steigt das Risiko bei überschuldeten Unternehmen und zinssensitiven Sektoren. Bilanzqualität und Refinanzierungsfähigkeit rücken stärker in den Fokus.
• Wer Sicherheit in Staatsanleihen sucht, muss zunehmend auch mit höheren Renditen als Kompensation für ein wachsendes Angebot rechnen.
„Der Übergang zu einem höheren Zinsniveau kann kurzfristig holprig verlaufen“, so Fischer. Langfristig könnte er jedoch zu mehr fiskalischer Disziplin, einer realistischeren Preisbildung an den Kapitalmärkten und größerer Transparenz bei den Kosten staatlicher Verschuldung führen.
In den USA hat die Bruttostaatsverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Zugleich erreichte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen zeitweise den höchsten Stand seit 2007. Das lässt auch andernorts die Zinsen steigen. „Was auf den ersten Blick wie eine neue Schulden- oder Anleihekrise wirkt, ist bei genauerer Betrachtung vor allem die Rückkehr zu einem historisch normaleren Zinsniveau“, erklärt Fischer. Es zeigt sich: Die außergewöhnlich niedrigen Renditen der vergangenen 15 Jahre waren keine dauerhaft tragfähige „neue Normalität“, sondern eine historische Ausnahme.
In den 2010er-Jahren herrschte an den Märkten eine strukturelle Übernachfrage nach sicheren Anleihen. Notenbanken, Banken und Pensionsfonds kauften aus regulatorischen und strategischen Gründen in großem Umfang Staatspapiere. „Dieses Umfeld hat sich inzwischen grundlegend verändert“, so Fischer.
Pensionsfonds investieren zunehmend in Aktien und private Vermögenswerte. Die Deglobalisierung verringert den Bedarf an Fremdwährungsreserven, während ausländische Anleger stärker auf Rendite und weniger ausschließlich auf Sicherheit achten. Gleichzeitig bleiben die staatlichen Defizite hoch und die Verschuldung steigt weiter. Ergebnis: Ein wachsendes Anleiheangebot trifft auf eine weniger elastische Nachfrage. Zinstreibend wirken zusätzlich die gestiegene Unsicherheit und die langfristigen Inflations- und Fiskalrisiken.
„Anders als Aktienkurse tendieren Anleiherenditen langfristig zu einem Mittelwert“, sagt Fischer. Dieser sei über Jahrzehnte gesunken, könne aber nicht beliebig fallen. „Menschliche Zeitpräferenz und Unsicherheit über die Zukunft setzen einer dauerhaften Senkung der Real- und Nominalzinsen Grenzen.“ Die Rückkehr zu höheren Renditen ist daher nicht automatisch ein Zeichen für ein Versagen des Finanzsystems. Sie kann vielmehr als Normalisierung eines historisch ungewöhnlich günstigen Finanzierungsumfelds verstanden werden.
Dagegen können sich auch die Notenbanken nicht stemmen, die vor allem die kurzfristigen Zinsen kontrollieren. Die Renditen am langen Ende werden dagegen maßgeblich vom Markt bestimmt: durch Inflationserwartungen, Wachstum, Staatsverschuldung und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. „Anleihekäufe oder andere Formen der Marktintervention können die langfristige Zinsstruktur allenfalls vorübergehend beeinflussen“, erklärt Fischer. Dies belege auch der jüngste Versuch des US-Finanzministeriums, durch eine Ausweitung von Anleiherückkäufen den Markt zu beruhigen – ohne nachhaltigen Erfolg.
Was dauerhaft sehr niedrige Zinsen anrichten können, zeigt sich wiederum in Japan. Jahrzehntelange Zinsdeckelung führte dort zu Marktverzerrungen, „Zombie-Unternehmen“ wurden künstlich am Leben erhalten, die notwendige Marktbereinigung blieb aus. Die Folgen sind geringes Wachstum und ein Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Währungsstabilität.
„Wer langfristige Zinsen dauerhaft niedrig halten will“, so Fischer, „kommt an einer glaubwürdigen Konsolidierung der öffentlichen Haushalte nicht vorbei.“ Diese Erkenntnis sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend verdrängt worden. Die steigenden Renditen machen nun sichtbar, welche Kosten die wachsende Verschuldung verursacht. In den USA belaufen sich die jährlichen Zinszahlungen inzwischen auf mehr als eine Billion US-Dollar. Der Schuldendienst ist damit zum drittgrößten Posten im Bundeshaushalt aufgestiegen.
Das hat Folgen für den Privatsektor: Sparer erhalten zwar bessere Renditen. Gleichzeitig aber verteuern sich Kredite. In den USA liegt der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken derzeit bei rund 6,7 Prozent. „Auch der Unternehmenssektor gerät unter Druck“, so Fischer. Unternehmen, die sich vor der Pandemie zu besonders günstigen Konditionen verschuldet haben, müssen auslaufende Kredite nun zu deutlich höheren Zinsen refinanzieren.
Licht und Schatten auch bei den Anlegern:
• Langlaufende Anleihen bieten wieder eine echte Laufzeitprämie und können dadurch für die strategische Portfoliokonstruktion attraktiver werden.
• Gleichzeitig steigt das Risiko bei überschuldeten Unternehmen und zinssensitiven Sektoren. Bilanzqualität und Refinanzierungsfähigkeit rücken stärker in den Fokus.
• Wer Sicherheit in Staatsanleihen sucht, muss zunehmend auch mit höheren Renditen als Kompensation für ein wachsendes Angebot rechnen.
„Der Übergang zu einem höheren Zinsniveau kann kurzfristig holprig verlaufen“, so Fischer. Langfristig könnte er jedoch zu mehr fiskalischer Disziplin, einer realistischeren Preisbildung an den Kapitalmärkten und größerer Transparenz bei den Kosten staatlicher Verschuldung führen.




