28.08.2026 Tag der Bauwirtschaft: Tempo allein reicht nicht bei der Wohnbaukrise
Mehr Wohnraum, schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie: Mit dem angekündigten „Bau-Turbo“ hat die Politik große Erwartungen geschürt. Doch reicht das aus, um den Wohnungsbau anzukurbeln? Genau diese Frage stand im Mittelpunkt des 6. Tags der Bauwirtschaft, zu dem die Süderelbe AG gemeinsam mit ihrem Aktionär, der hochschule 21, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wohnungswirtschaft, Immobilienbranche und Baupraxis nach Buxtehude eingeladen hatte.
Bereits in seiner digital zugeschalteten Begrüßung machte Niedersachsens Wirtschafts-, Verkehrs- und Bauminister Grant Hendrik Tonne deutlich, dass der Handlungsdruck hoch bleibt. Die Schaffung von Wohnraum sei eine der entscheidenden Zukunftsaufgaben für Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft.
Prof. Dr. Thomas Beyerle von der Hochschule Biberach warf einen kritischen Blick auf die Erwartungen rund um den angekündigten „Bauturbo“. Anhand aktueller Marktdaten machte er deutlich, dass die Wohnungsmärkte weiterhin unter einer Kombination aus Nachfrageüberhang, rückläufigen Fertigstellungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten leiden. Die geplante Genehmigungsfiktion wertete er als möglichen „Game Changer“, warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen. Länderrechtliche Vorgaben, Personalmangel in den Behörden sowie anhaltende Klage- und Beteiligungsverfahren könnten die erhofften Beschleunigungseffekte begrenzen. Gleichzeitig plädierte Beyerle dafür, die Potenziale im Gebäudebestand stärker zu nutzen und Sanierung als zentralen Hebel für die Schaffung und Sicherung von Wohnraum zu begreifen.
Im Anschluss richtete Dr. Olaf Joachim, Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, den Blick auf die politischen Lösungsansätze. Er stellte die Elemente des „Bau-Turbos“ vor, mit denen Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden sollen. Dazu zählen insbesondere vereinfachte Verfahren und der Abbau bürokratischer Hemmnisse. Joachim machte zugleich deutlich, dass der Bund zwar die rechtlichen Grundlagen schaffen könne, die praktische Wirkung jedoch maßgeblich von der Umsetzung in Ländern und Kommunen abhänge.
Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), betonte, dass bezahlbarer Wohnraum nicht durch politische Zielvorgaben allein entstehe. Wer Investitionen ermöglichen will, muss Wohnungsunternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven bieten, unabhängig von Legislaturperioden. Dazu komme die Tatsache, dass Baukosten gesenkt werden müssten. Dies schaffe man beispielsweise durch Initiativen wie den „Hamburg Standard“.
Im Bereich Baukonstruktion und Gebäudetechnik lassen sich so durch gezielte Vereinfachungen Einsparpotenziale von bis zu 600 Euro brutto pro m² Wohnfläche realisieren, wie beispielsweise die Reduzierung der Deckendicke von 20 cm auf 16 cm.
Aus Sicht der Bauwirtschaft erläuterte Dipl.-Ing. Sönke Pickenpack, Vorsitzender des Arbeitskreises Bauen im Bestand im Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen, dass die angekündigten politischen Impulse konsequent in wirksame Maßnahmen überführt werden müssten. Die Branche habe sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt: Modulares und serielles Bauen, digitale Planungsmethoden sowie neue Ansätze im Umgang mit Bestandsimmobilien ermöglichten bereits heute deutlich effizientere und schnellere Baudurchläufe. Die größten Hemmnisse lägen daher häufig nicht auf der Baustelle selbst, sondern in den langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozessen im Vorfeld. Zwischen erster Planung und Baubeginn vergingen oft mehrere Jahre, was Unsicherheit schaffe und Investitionsentscheidungen erschwere. Verlässlichere und besser kalkulierbare Verfahren seien deshalb entscheidend, um Investitionen anzustoßen und die vorhandenen Kapazitäten der Bauwirtschaft effizienter zu nutzen.
Neben dem Wohnungsbau rückte die Veranstaltung auch die Potenziale der Digitalisierung in den Fokus. Dr.-Ing. Olaf Drude, geschäftsführender Gesellschafter von WK Consult als Praxispartner der hochschule 21 und Aktionär der Süderelbe AG, zeigte anhand konkreter Beispiele auf, wie digitale Verfahren die Unterhaltung und Sanierung von Ingenieurbauwerken beschleunigen und effizienter gestalten können.
In der abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Referierenden wurde deutlich, dass die Herausforderungen zwar groß sind, die Lösungsansätze jedoch längst auf dem Tisch liegen. Die Fragen der Nöte der Bauwirtschaft wurden nicht neu erfunden und sind ebenfalls lange bekannt.
So läge der Vorteil des Föderalismus im Wettbewerb der Ideen, die Bauordnungen jedoch nicht. Wirtschaftlichkeit können nur funktionieren, wenn realistische Bauanforderungen über Landesgrenzen hinweg gelten und es eine ausgeglichene Bilanz zwischen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit gebe. Dazu gehöre auch, Klimaschutz mit Verstand zu betreiben, um die Akzeptanz der Menschen zu erreichen, denn Klimaschäden sind teuer als Klimaschutz – das bedeute konkrete das Umdenken in Bestand und nicht in Neubau.
„Der 6. Tag der Bauwirtschaft hat erneut gezeigt, dass die Akteure nicht über Probleme diskutieren wollen, sondern über Lösungen. Die Verfahren müssen schneller werden, gleichzeitig brauchen Investoren, Kommunen und Unternehmen Planungssicherheit. Nur wenn alle Beteiligten gemeinsam handeln, kann ausreichend neuer Wohnraum entstehen“, resümierten Dr. Olaf Krüger, Vorstand der Süderelbe AG und Prof. Dr. Ingo Hadrych, Präsident der hochschule 21.
Der Tag der Bauwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige Plattform für den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft etabliert. Mit rund 130 Teilnehmenden zeigte die Veranstaltung erneut, wie groß das Interesse an konkreten Lösungsansätzen für die Zukunft des Bauens ist. Denn wo Mieten explodieren, verlieren Städte an Attraktivität. Jede neue Wohnung schafft nicht nur Wohnraum, sondern sichert Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.
Bereits in seiner digital zugeschalteten Begrüßung machte Niedersachsens Wirtschafts-, Verkehrs- und Bauminister Grant Hendrik Tonne deutlich, dass der Handlungsdruck hoch bleibt. Die Schaffung von Wohnraum sei eine der entscheidenden Zukunftsaufgaben für Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft.
Prof. Dr. Thomas Beyerle von der Hochschule Biberach warf einen kritischen Blick auf die Erwartungen rund um den angekündigten „Bauturbo“. Anhand aktueller Marktdaten machte er deutlich, dass die Wohnungsmärkte weiterhin unter einer Kombination aus Nachfrageüberhang, rückläufigen Fertigstellungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten leiden. Die geplante Genehmigungsfiktion wertete er als möglichen „Game Changer“, warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen. Länderrechtliche Vorgaben, Personalmangel in den Behörden sowie anhaltende Klage- und Beteiligungsverfahren könnten die erhofften Beschleunigungseffekte begrenzen. Gleichzeitig plädierte Beyerle dafür, die Potenziale im Gebäudebestand stärker zu nutzen und Sanierung als zentralen Hebel für die Schaffung und Sicherung von Wohnraum zu begreifen.
Im Anschluss richtete Dr. Olaf Joachim, Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, den Blick auf die politischen Lösungsansätze. Er stellte die Elemente des „Bau-Turbos“ vor, mit denen Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden sollen. Dazu zählen insbesondere vereinfachte Verfahren und der Abbau bürokratischer Hemmnisse. Joachim machte zugleich deutlich, dass der Bund zwar die rechtlichen Grundlagen schaffen könne, die praktische Wirkung jedoch maßgeblich von der Umsetzung in Ländern und Kommunen abhänge.
Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), betonte, dass bezahlbarer Wohnraum nicht durch politische Zielvorgaben allein entstehe. Wer Investitionen ermöglichen will, muss Wohnungsunternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven bieten, unabhängig von Legislaturperioden. Dazu komme die Tatsache, dass Baukosten gesenkt werden müssten. Dies schaffe man beispielsweise durch Initiativen wie den „Hamburg Standard“.
Im Bereich Baukonstruktion und Gebäudetechnik lassen sich so durch gezielte Vereinfachungen Einsparpotenziale von bis zu 600 Euro brutto pro m² Wohnfläche realisieren, wie beispielsweise die Reduzierung der Deckendicke von 20 cm auf 16 cm.
Aus Sicht der Bauwirtschaft erläuterte Dipl.-Ing. Sönke Pickenpack, Vorsitzender des Arbeitskreises Bauen im Bestand im Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen, dass die angekündigten politischen Impulse konsequent in wirksame Maßnahmen überführt werden müssten. Die Branche habe sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt: Modulares und serielles Bauen, digitale Planungsmethoden sowie neue Ansätze im Umgang mit Bestandsimmobilien ermöglichten bereits heute deutlich effizientere und schnellere Baudurchläufe. Die größten Hemmnisse lägen daher häufig nicht auf der Baustelle selbst, sondern in den langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozessen im Vorfeld. Zwischen erster Planung und Baubeginn vergingen oft mehrere Jahre, was Unsicherheit schaffe und Investitionsentscheidungen erschwere. Verlässlichere und besser kalkulierbare Verfahren seien deshalb entscheidend, um Investitionen anzustoßen und die vorhandenen Kapazitäten der Bauwirtschaft effizienter zu nutzen.
Neben dem Wohnungsbau rückte die Veranstaltung auch die Potenziale der Digitalisierung in den Fokus. Dr.-Ing. Olaf Drude, geschäftsführender Gesellschafter von WK Consult als Praxispartner der hochschule 21 und Aktionär der Süderelbe AG, zeigte anhand konkreter Beispiele auf, wie digitale Verfahren die Unterhaltung und Sanierung von Ingenieurbauwerken beschleunigen und effizienter gestalten können.
In der abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Referierenden wurde deutlich, dass die Herausforderungen zwar groß sind, die Lösungsansätze jedoch längst auf dem Tisch liegen. Die Fragen der Nöte der Bauwirtschaft wurden nicht neu erfunden und sind ebenfalls lange bekannt.
So läge der Vorteil des Föderalismus im Wettbewerb der Ideen, die Bauordnungen jedoch nicht. Wirtschaftlichkeit können nur funktionieren, wenn realistische Bauanforderungen über Landesgrenzen hinweg gelten und es eine ausgeglichene Bilanz zwischen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit gebe. Dazu gehöre auch, Klimaschutz mit Verstand zu betreiben, um die Akzeptanz der Menschen zu erreichen, denn Klimaschäden sind teuer als Klimaschutz – das bedeute konkrete das Umdenken in Bestand und nicht in Neubau.
„Der 6. Tag der Bauwirtschaft hat erneut gezeigt, dass die Akteure nicht über Probleme diskutieren wollen, sondern über Lösungen. Die Verfahren müssen schneller werden, gleichzeitig brauchen Investoren, Kommunen und Unternehmen Planungssicherheit. Nur wenn alle Beteiligten gemeinsam handeln, kann ausreichend neuer Wohnraum entstehen“, resümierten Dr. Olaf Krüger, Vorstand der Süderelbe AG und Prof. Dr. Ingo Hadrych, Präsident der hochschule 21.
Der Tag der Bauwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige Plattform für den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft etabliert. Mit rund 130 Teilnehmenden zeigte die Veranstaltung erneut, wie groß das Interesse an konkreten Lösungsansätzen für die Zukunft des Bauens ist. Denn wo Mieten explodieren, verlieren Städte an Attraktivität. Jede neue Wohnung schafft nicht nur Wohnraum, sondern sichert Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.




