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20.08.2026 Energiepreise: Beschaffungszeitpunkt relevant für Immobilienportfolios

Die Energiepreise sind im Juli vor allem für kurzfristige Lieferzeiträume deutlich gestiegen. Gleichzeitig zeigt der Terminmarkt für die Jahre 2028 und 2029 ein deutlich niedrigeres Preisniveau. Für Immobilieneigentümer, Asset Manager, aber auch Nutzer mit mehreren Standorten entsteht daraus eine strategische Frage: Soll ein Teil des künftigen Strom- und Gasbedarfs bereits heute gesichert werden?

Bei Strom lag der Preis für das Lieferjahr 2027 (Base) Ende Juli bei 104,24 €/MWh. Für 2028 waren es 86,82 €/MWh und für 2029 77,87 €/MWh. Strom für 2029 wurde damit rund ein Viertel niedriger bewertet als Strom für 2027. Beim Gas (Marktgebiet THE) war der Abstand noch größer: 43,64 €/MWh für 2027 standen 31,37 €/MWh für 2028 und 27,21 €/MWh für 2029 gegenüber.

„Der Energiemarkt zeigt derzeit ein klares Bild: Kurzfristige Lieferzeiträume sind teuer, während Strom und Gas mittelfristig deutlich niedriger bewertet werden. Für Immobilienportfolios kann es deshalb sinnvoll sein, nicht nur auf den nächsten auslaufenden Vertrag zu schauen, sondern schon heute zu prüfen, ob Teile des späteren Bedarfs abgesichert werden sollten.“, sagt Prof. Dr. Gunnar Gombert, Geschäftsführer und Mitbegründer von NeoBid.

Der Juli zeigt, wie schnell sich Beschaffungskosten verändern können. Innerhalb von vier Wochen stieg Strom für 2027 um rund 12 Prozent, Gas für 2027 sogar um 20 Prozent. Noch stärker verteuerten sich die unmittelbar bevorstehenden Winterquartale: Strom für das Quartal Q4 2026 kostet 139,46 €/MWh, das Sommerquartal Q2 2027 nur 87,35 €/MWh — ein Abstand von rund 60 Prozent. Beim Gas legte Q4 2026 allein im Juli um 35,7 Prozent zu. Der Markt reagierte unter anderem auf hohe Temperaturen, eingeschränkte französische Kernkraftkapazitäten, niedrige deutsche Gasspeicherstände und die anhaltenden geopolitische Unsicherheiten.

Für größere Immobilienportfolios werden solche Bewegungen schnell relevant: Bei einem jährlichen Strombedarf von fünf Millionen Kilowattstunden entspricht allein der Preisanstieg der vergangenen vier Wochen für das Lieferjahr 2027 rechnerisch rund 56.000 Euro. Gegenüber dem Preisniveau vor zwölf Monaten beträgt die Differenz rund 109.000 Euro. Die Rechnung bezieht sich ausschließlich auf den Großhandelspreis und enthält keine Netzentgelte, Abgaben, Steuern oder Lieferantenmargen.

Die niedrigeren Bewertungen für spätere Lieferjahre sind jedoch keine Garantie dafür, dass Energie künftig weiter günstiger wird. Sie zeigen aber, dass der Markt aktuelle Risiken vor allem in den kurzfristigen Lieferzeiträumen bewertet. Für Immobilienunternehmen mit planbarem Bedarf kann es deshalb sinnvoll sein, die Jahre 2028 und 2029 schon heute in die Beschaffungsstrategie einzubeziehen.

Thomas Rübelmann, ebenfalls Geschäftsführer und Mitbegründer, ergänzt: „Das bedeutet nicht, den gesamten Bedarf heute festzuschreiben. Gerade bei größeren Portfolios lässt sich die Beschaffung auch auf mehrere Zeitpunkte und Lieferjahre verteilen. Voraussetzung ist allerdings, dass Lieferstellen, Verbräuche und Vertragslaufzeiten gebündelt betrachtet werden – und daran scheitert es in der Immobilienwirtschaft häufiger als am Markt.“

Gerade in der Immobilienwirtschaft werden Strom- und Gasverträge teils noch objekt- oder standortweise betrachtet. Werden Lieferstellen, Verbrauchsmengen und Vertragslaufzeiten zusammengeführt, kann der Bedarf über ein gesamtes Immobilien- oder Nutzerportfolio gebündelt geplant und ausgeschrieben werden.

Die Bündelung schafft Transparenz über das Gesamtvolumen, erleichtert die Abstimmung unterschiedlicher Vertragsenden und ermöglicht es, Beschaffungsmengen über mehrere Lieferjahre und Einkaufszeitpunkte zu verteilen. Gerade angesichts der deutlichen Preisunterschiede zwischen 2027, 2028 und 2029 wird diese Portfolioperspektive relevanter.
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