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10.08.2026 Mit Börseninvestments zur Rente: Leitfaden zum Altersvorsorgedepot

2027 startet die neue staatlich geförderte private Vorsorge in Deutschland. Mit dem sogenannten Altersvorsorgedepot sind durch Investments an der Börse ohne verspflichtende Beitragsgarantie nicht nur höhere Renditen als mit der Riester-Rente wahrscheinlich, auch der bürokratische Aufwand soll reduziert werden. Was für interessierte Anlegerinnen und Anleger noch wichtig ist, zeigt der Leitfaden der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ.

Nun ist es endlich soweit: Nach zahlreichen und wohl auch sehr zähen Debatten hat die Bundesregierung das Altersvorsorgedepot durchgesetzt. Das neue Vorsorgemodell wird die häufig kritisierte Riester-Rente ablösen und soll die staatlich geförderte private Altersvorsorge für Millionen Bürgerinnen und Bürger einfacher, transparenter und vor allem noch rentabler machen.

Der offizielle Start für das Altersvorsorgedepot ist der 1. Januar 2027; ab diesem Datum können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. „Wer noch einen Riester-Vertrag hat, kann ihn aber unverändert fortführen oder ihn auf ein neues Altersvorsorgedepot übertragen“, weiß Raphael Schmitz, Leiter Produkt- und Vertriebsmanagement der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ.

Die neue Philosophie: Vom Garantiezins zur Börsenrendite

Der Kern der Reform ist der Abschied von der vorgeschriebenen Beitragsgarantie; sie sah bei der Riester-Rente vor, dass Sparerinnen und Sparer bei Renteneintritt zumindest die eingezahlten Beiträge und erhaltene Zulagen zurückerhalten. Auf der anderen Seite kostete dieser Schutzmechanismus aber Rendite, konnten die Chancen an der Börse doch so nur in Grenzen genutzt werden.

Mit dem Altersvorsorgedepot entfallen diese starren, verpflichtenden Garantien. Stattdessen können Anlegerinnen und Anleger nun mit staatlicher Förderung direkt und chancenorientiert in den Kapitalmarkt investieren. Dazu benötigen sie ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot bei einem zugelassenen Anbieter wie einer Bank, einer Fondsgesellschaft, einem Depot-Anbieter oder einem Versicherer“, erklärt Raphael Schmitz. Für die zertifizierten Altersvorsorgedepots gelten klare Regeln: Sie müssen kostengünstig, transparent und breit diversifiziert sein.

Dies bedeutet in der Praxis: Das Geld der Anlegerinnen und Anleger wird wohl vornehmlich in global anlegende Aktien-ETFs (Exchange Traded Funds) und Anleihefonds fließen. Die Aktien-ETFs bilden beispielsweise Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All-World nach und streuen somit das Kapital über Tausende von Unternehmen in Industrie- und Schwellenländern. Nach einem vergleichbaren Prinzip mischen Rentenfonds Staats- und Unternehmensanleihen aus aller Welt.

Breit gestreut, nie bereut

„Damit können Sparerinnen und Sparer direkt an den Chancen globaler Kapitalmärkte partizipieren. Schließlich haben globale Aktienportfolios auf lange Sicht eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa sechs bis acht Prozent erzielt“, so Experte Schmitz – und fügt hinzu: „Zwar ist ein Durchschnittswert aus der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft und es wird wohl auch mal Phasen mit negativen Renditen geben. Aber über einen langen Anlagehorizont konnte die Börse solche Schwankungen stets ausgleichen“. Ziel der Reform ist es, den Anlegenden genau diesen langfristigen Wertzuwachs mit kleinen und größeren Sparraten zu ermöglichen – staatlich gefördert und zu niedrigen Kosten.

Hohe Förderungen – auch für vermögende Anlegende attraktiv

Dass ein Altersvorsorgedepot auch für Gutverdiener und bereits vermögende Personen interessant sein kann, liegt an den staatlichen Zulagen und Steuervorteilen, die wie eine eingebaute Rendite funktionieren. Der Reihe nach.

Die neue Förderung besteht aus der Grund- und Kinderzulage einerseits sowie den Steuervorteilen andererseits, wobei die staatliche Grundzulage unabhängig vom Einkommen einmal jährlich entsprechend der Sparbeiträge direkt in das Altersvorsorgedepot gebucht wird. Die Höhe des Zuschusses bestimmt der Fiskus anhand der Steueridentifikationsnummer des Sparers automatisch. Das Finanzamt prüft zudem automatisch, welche Förderung für den Sparer günstiger ist und zieht diese für ihre Berechnungen heran. Diese Form der Günstigerprüfung kennen viele Bürgerinnen und Bürger schon vom Kindergeld bzw. Kinderfreibetrag.

Nicht nur der geringe bürokratische Aufwand ist ein gutes Argument für das Altersvorsorgedepot, sondern auch die Höhe der Zuschüsse: Bei einem jährlichen Sparbeitrag zwischen 120 Euro (Mindestbeitrag) und 350 Euro gibt der Staat für jeden Euro 50 Cent dazu, maximal 180 Euro. Für jeden weiteren angesparten Euro gibt es bis zu einer jährlichen Sparsumme von 1.800 Euro nochmal 25 Cent pro Euro, also höchstens 360 Euro. Die staatliche Grundzulage kann also maximal 540 Euro pro Jahr erreichen. Junge Menschen unter 25 Jahren sollen außerdem bei Abschluss eines Altersvorsorgedepots einmalig 200 Euro als Berufseinsteigerbonus erhalten.

Für Eltern fällt die Förderung sogar noch höher aus. Sie erhalten für jedes kindergeldberechtigte Kind eine Zulage von einem Euro für jeden eingezahlten Euro, maximal 300 Euro pro Kind. Schon für einen Sparbeitrag von 25 Euro im Monat erhalten Eltern also die volle Kinderzulage.

Steuervorteile in der Ansparphase

Komplettiert wird die staatliche Förderung durch einen Steuervorteil. Konkret: „Steuerzahlende sollen während der Ansparphase den gesamten Sparbetrag inklusive der staatlichen Zulagen bis zu einer Gesamthöhe von 3.600 Euro pro Jahr als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung geltend machen können. Das kann nicht nur, aber vor allem für Gutverdienende mit einem vergleichsweise hohen persönlichen Steuersatz ein starker Anreiz sein – und die Steuerlast in der Ansparphase spürbar senken“, meint Raphael Schmitz.

Wahlfreiheit für Anlegende

Das Depot selbst wird wohl von zahlreichen Banken, Fondsgesellschaften oder Versicherungen angeboten – und auch Kooperationen untereinander erscheinen möglich. Es entsteht ein regulierter Markt, auf dem Anlegerinnen und Anleger echte Wahlfreiheit genießen. Sie können nicht nur den Anbieter, sondern auch zwischen verschiedenen Produktvarianten frei wählen, damit das Depot zu ihrer persönlichen Risikoneigung passt. Darüber hinaus kann auch während der Laufzeit die Zusammensetzung des Depots verändert und entsprechend der individuellen Risikoneigung anpasst werden.

Transparenz bei Kosten, Besteuerung und Auszahlung

Die Gesamtkosten der angebotenen Basisprodukte sind gesetzlich auf 1,0 Prozent des angesparten Vermögens pro Jahr gedeckelt, was die Vorsorge im Vergleich zu vielen Riester-Verträgen deutlich kostengünstiger macht. Die Besteuerung der Kapitalerträge erfolgt, wie schon bei Riester, nachgelagert. Das bedeutet: Erst in der Auszahlungsphase werden die Leistungen mit dem persönlichen, im Ruhestand meist niedrigeren, Einkommensteuersatz versteuert. Zudem haben Sparerinnen und Sparer bei der Auszahlung die Wahl: Sie können sich für eine lebenslange Rente, einen flexiblen Auszahlungsplan (mindestens bis zum 85. Lebensjahr) oder eine Teilkapitalauszahlung von bis zu 30 Prozent des Gesamtvermögens zu Beginn des Ruhestands entscheiden.

Das Altersvorsorgedepot ist eine zeitgemäße, flexible und potenziell rentablere Alternative zur Riester-Rente. Es richtet sich an langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger, die für eine höhere Renditechance bereit sind, auf Garantien zu verzichten und die damit verbundenen Kapitalmarktrisiken einzugehen. „Die Kombination aus höheren Renditechancen, niedrigeren Kosten und einer stark vereinfachten, automatisierten Förderung macht es zu einem attraktiven Baustein für die langfristige Vermögensbildung und Alterssicherung, die sich für nahezu jeden lohnen dürfte“, erklärt Raphael Schmitz.

Aktuell besteht kein Grund für übereilte Entscheidungen. Für bestehende Riester-Verträge gilt der gesetzliche Bestandsschutz. Riester-Verträge laufen folglich weiter wie bisher. Die Riester-Grundzulage, die Riester-Kinderzulage, die steuerliche Absetzbarkeit und die Beitragsgarantie bleiben erhalten. „Anlegerinnen und Anleger, die bereits mit einem Riester-Vertrag oder einer anderen Vorsorgelösung für das Alter sparen, sollten zunächst die weiteren Entwicklungen bis 2027 abwarten“, rät Experte Schmitz. Viele Details zu verschiedenen Produkten werden erst mit dem Start des Altersvorsorgedepots konkret feststehen. Bis dahin bleibt noch genügend Zeit zu prüfen, ob das neue Altersvorsorgedepot oder die Riester-Rente für die persönlichen Umstände vorteilhafter sind.

























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