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14.07.2026 Junge Menschen und Wohneigentum: Wie Zeit zum Vorteil wird

Das eigene Zuhause ist für viele junge Menschen ein großes Lebensziel. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall träumen 64 Prozent der 20- bis 29-Jährigen vom Wohneigentum. Gleichzeitig planen nur 46 Prozent dieser Altersgruppe, in den nächsten zehn Jahren Wohneigentum zu erwerben. Die Zahlen zeigen: Der Wunsch ist groß, doch der Weg dorthin wirkt für viele noch unklar.

Wohneigentum: Eigenkapitalaufbau bleibt die größte Hürde

Noch deutlicher wird die Lücke zwischen Wunsch und Planung beim Blick auf die Vorbereitung. Nur 14 Prozent der 20- bis 29-Jährigen befinden sich bereits in einer aktiven Informations- oder Orientierungsphase rund um Wohnen und Immobilien. Viele junge Erwachsene beschäftigen sich zwar grundsätzlich mit dem Thema, gehen aber noch nicht in die konkrete Planung. Dabei haben sie einen entscheidenden Vorteil: Zeit.
„Junge Menschen müssen mit Anfang 20 noch nicht wissen, wo und wie sie später wohnen möchten“, sagt Ralf Oberländer, Baufinanzierungsexperte der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Aber wer früh beginnt, sich zu informieren, regelmäßig zu sparen und Fördermöglichkeiten zu prüfen, gewinnt wertvollen Spielraum für spätere Entscheidungen.“

Ein großer Teil der 20- bis 49-Jährigen empfindet den Erwerb von Wohneigentum heute schwieriger als vor fünf Jahren (Forsa-Umfrage des Verbandes der privaten Bausparkassen, 2026). „Diese Einschätzung ist nachvollziehbar. Hohe Kaufpreise, gestiegene Baukosten, hohe Nebenkosten und strengere Eigenkapitalanforderungen erschweren den Einstieg erheblich“, sagt Oberländer.

Besonders herausfordernd ist der Aufbau von Eigenkapital: Selbst bei einer ambitionierten Sparquote von 20 Prozent des verfügbaren Einkommens dauert es heute oft deutlich länger, das notwendige Eigenkapital aufzubauen (GREIX-Auswertung des Kiel Instituts, 2025). Für den Immobilienerwerb gelten 20 bis 30 Prozent Eigenkapital inklusive Nebenkosten als guter Orientierungswert. Mindestens sollten Käuferinnen und Käufer die Kaufnebenkosten abdecken können, also etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises.

„Bei einer Immobilie für 300.000 Euro und einem Eigenkapitalbedarf von 20 Prozent wären das rund 60.000 Euro, die man zum Zeitpunkt eines Immobilienkaufs oder Neubaus bereits angespart haben sollte“, erklärt Oberländer. „Das geht nicht von heute auf morgen. Der Eigenkapitalaufbau ist ein langfristiges Projekt. Wer heute jung ist, hat den entscheidenden Zeitvorteil.“

Ein früher Start schafft mehr Optionen

Der wichtigste Vorteil junger Menschen liegt deshalb im frühen Start. Wer sich rechtzeitig orientiert, gewinnt in drei Bereichen Zeit.

Erstens beim Eigenkapitalaufbau: Auch regelmäßige Sparbeträge von 100 oder 200 Euro im Monat können über mehrere Jahre ein Eigenkapitalpolster schaffen. Steigt später das Einkommen, lässt sich die Sparrate schrittweise erhöhen. Je früher junge Menschen beginnen, desto stärker können sie vom langfristigen Vermögensaufbau und vom Zinseszinseffekt profitieren.

Zweitens beim Vergleich passender Spar- und Finanzierungsmodelle: Junge Erwachsene sollten früh prüfen, welche Lösungen zu ihren Zielen, ihrem Zeithorizont und ihrer persönlichen Risikobereitschaft passen. Klassische Sparformen bieten in der Regel mehr Sicherheit, aber oft geringere Renditechancen. ETFs und andere kapitalmarktorientierte Anlagen können langfristig höhere Erträge ermöglichen, unterliegen aber Wertschwankungen. Bausparen kann vor allem dann interessant sein, wenn planbarer Eigenkapitalaufbau, Zinssicherung und das Nutzen staatlicher Förderungen im Vordergrund stehen.

Drittens bei der Nutzung möglicher Förderungen: Dazu zählt insbesondere die Bausparförderung, etwa über die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage, sofern die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Wer früh beginnt, kann viele solcher Förderungen gerade am Anfang des Berufslebens über einen längeren Zeitraum ausschöpfen und den Eigenkapitalaufbau systematischer planen.

„Die eine richtige Anlageform gibt es nicht“, sagt Oberländer. „Entscheidend ist, ehrlich einzuschätzen: Wie viel Risiko kann und will ich tragen? Wie wichtig ist mir Sicherheit? Und wann könnte ein Immobilienkauf realistisch werden?“

Finanzwissen hilft bei der Orientierung

Für den Einstieg helfen drei Schritte: Wissen aufbauen, regelmäßig sparen und Beratung nutzen. Informationen finden junge Menschen heute über viele Wege, etwa über das soziale Umfeld, die eigenen Eltern oder Finanz-Blogs, Social Media, Podcasts, Online-Videos oder KI-Tools. Diese Quellen können eine erste Orientierung geben. Gleichzeitig sollten junge Erwachsene genau prüfen, wie verlässlich die Informationen sind und welche Interessen hinter einem Angebot stehen.

Je größer die finanzielle Tragweite einer Entscheidung, desto wichtiger sind belastbare Quellen und persönliche Beratung. Professionelle Beratung kann dabei helfen, Wunsch, Einkommen, Sparrate und Zeithorizont realistisch zusammenzubringen.
Frühe Planung bedeutet dabei keine frühe Festlegung. Wohnlage, Wohnform und Zeitpunkt können sich mit der Lebenssituation verändern. Wer sich frühzeitig orientiert, bleibt flexibler und kann später bewusster entscheiden.

„Der Traum vom Eigenheim muss in jungen Jahren noch nicht konkret in Stein gemeißelt sein“, fasst Oberländer zusammen. „Entscheidend ist, früh die Grundlagen zu schaffen. Wer Wissen aufbaut, regelmäßig spart, Fördermöglichkeiten prüft und passende Sparformen wählt, verschafft sich langfristig mehr Spielraum für spätere Wohn- und Eigentumsentscheidungen.“


























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