13.07.2026 Neue Nervosität bei den Baufinanzierungszinsen?
Mitte Juni hob die Europäische Zentralbank den Hauptrefinanzierungssatz erstmals seit September 2023 um 25 Basispunkte auf 2,25 % an – eine Reaktion auf den Inflationsschub infolge des Iran-Kriegs, der die Teuerung im Euroraum im Mai auf 3,2 % getrieben hatte.
In den letzten Wochen hatte sich das Bild etwas entspannt: Nach einer vorläufigen Waffenruhe zwischen Iran und den USA waren die Ölpreise wieder auf das Vorkrisenniveau gefallen. Entsprechend schwächte sich die Inflation im Juni spürbar ab: Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise vorläufig nur noch bei 2,8 %, in Deutschland sogar bei 2,3 % – nach 2,6 % im Mai bzw. 2,9 % im April. Ökonomen verweisen zusätzlich auf den bis Anfang Juli befristeten deutschen Tankrabatt, der die hiesige Rate gedrückt hat und dessen Auslaufen im Juli wieder für einen leichten Anstieg sorgen dürfte. Aktuell sorgt die erneute Eskalation des Konflikts um die Straße von Hormus allerdings für Unruhe auf den Anleihenmarkt. Die Renditen für Bundesanleihen sprangen ein weiteres Mal an.
„Die EZB hat mit ihrer ersten Zinserhöhung seit drei Jahren einen klaren Kurs eingeschlagen“, ordnet Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, ein. „Zwei Gründe dürften dabei eine Rolle gespielt haben: Zum einen könnte die Notenbank unter dem Eindruck stehen, in der jüngsten Inflationskrise zu zögerlich reagiert zu haben, und will das nun vermeiden. Zum anderen trifft der Ölpreisschock Europa deutlich härter als die USA, auch mit Blick auf mögliche Lieferkettenrisiken.“ EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete den Schritt zuletzt mit dem Anstieg der Kerninflation von 2,2 auf 2,5 % sowie stärker als erwartet gestiegenen Dienstleistungspreisen. Die Wachstumsprognose für den Euroraum senkte die EZB nur leicht, von 0,9 auf 0,8 % für 2026.
Die nächste Sitzung der Europäischen Notenbank findet am 23./24. Juli statt. Marktbeobachter rechnen mit mindestens einem weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte bis Jahresende, voraussichtlich erst in der Zeit nach der Sommerpause. „Ob es tatsächlich zu diesem weiteren Schritt kommt, hängt maßgeblich davon ab, in welchem Ausmaß sich in den kommenden Monaten Zweitrundeneffekte des Energiepreisschocks zeigen“, so Schöfl. „Die spürbar gesunkenen Inflationsraten in Deutschland und im Euroraum hatten der Notenbank vorerst etwas Druck genommen, sehr schnell nachzulegen. Nun wird das weitere Verhalten der beiden Konfliktparteien die Zinspolitik maßgeblich beeinflussen.“
Fed hält still – Unsicherheit über September-Sitzung
In den USA verharren die Fed und ihre Geldpolitik noch in Wartestellung. Die Federal Reserve beließ den Leitzins im Juni zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,50 bis 3,75 %. Der seit Kurzem amtierende Fed-Vorsitzende Kevin Warsh verzichtete bislang auf eine eigene Zinsprognose und setzt auf einen deutlich zurückhaltenderen Kommunikationsstil als sein Vorgänger.
Der schwächer als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktbericht für Juni – nur 57.000 neue Stellen – hat die Markterwartungen zuletzt weiter gedämpft: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in den USA ist nach Meinung der Experten gesunken. „Innerhalb der Fed zeichnet sich kein klarer Kurs ab“, kommentiert Marco Schöfl. „Ein Teil des Komitees sieht die Inflation weiterhin als zu hoch an, ein anderer Teil verweist auf die Abkühlung am Arbeitsmarkt. Diese Gemengelage dürfte die US-Geldpolitik vorerst in der Schwebe halten.“
Entwicklung der Baufinanzierungszinsen
Momentan notieren die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen in einer Spanne zwischen 3,4 und 3,6 %, für 15-jährige Zinsbindungen bei rund 3,6 bis 3,8 %. Schöfl ergänzt: „Die Bauzinsen bewegen sich seit Monaten in einem eher engen Korridor. Der Rückgang der Ölpreise und die nachlassende Inflation hatten die Lage an den Kapitalmärkten zuletzt eher beruhigt als verschärft. Für Finanzierungskunden war das Zinsniveau vergleichsweise gut planbar. Falls sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nun doch länger fortsetzt als gedacht, könnte das deutlichere Bewegungen auf dem Anleihen- und in der Folge dem Zinsmarkt nach sich ziehen.“
Tendenz:
• Kurzfristig: Tendenziell seitwärts
• Langfristig: Ein weiterer EZB-Zinsschritt bis Jahresende ist wahrscheinlich, hängt aber vom weiteren Verlauf der Energiepreise und möglichen Zweitrundeneffekten ab; in den USA bleibt der geldpolitische Kurs vorerst offen
In den letzten Wochen hatte sich das Bild etwas entspannt: Nach einer vorläufigen Waffenruhe zwischen Iran und den USA waren die Ölpreise wieder auf das Vorkrisenniveau gefallen. Entsprechend schwächte sich die Inflation im Juni spürbar ab: Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise vorläufig nur noch bei 2,8 %, in Deutschland sogar bei 2,3 % – nach 2,6 % im Mai bzw. 2,9 % im April. Ökonomen verweisen zusätzlich auf den bis Anfang Juli befristeten deutschen Tankrabatt, der die hiesige Rate gedrückt hat und dessen Auslaufen im Juli wieder für einen leichten Anstieg sorgen dürfte. Aktuell sorgt die erneute Eskalation des Konflikts um die Straße von Hormus allerdings für Unruhe auf den Anleihenmarkt. Die Renditen für Bundesanleihen sprangen ein weiteres Mal an.
„Die EZB hat mit ihrer ersten Zinserhöhung seit drei Jahren einen klaren Kurs eingeschlagen“, ordnet Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, ein. „Zwei Gründe dürften dabei eine Rolle gespielt haben: Zum einen könnte die Notenbank unter dem Eindruck stehen, in der jüngsten Inflationskrise zu zögerlich reagiert zu haben, und will das nun vermeiden. Zum anderen trifft der Ölpreisschock Europa deutlich härter als die USA, auch mit Blick auf mögliche Lieferkettenrisiken.“ EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete den Schritt zuletzt mit dem Anstieg der Kerninflation von 2,2 auf 2,5 % sowie stärker als erwartet gestiegenen Dienstleistungspreisen. Die Wachstumsprognose für den Euroraum senkte die EZB nur leicht, von 0,9 auf 0,8 % für 2026.
Die nächste Sitzung der Europäischen Notenbank findet am 23./24. Juli statt. Marktbeobachter rechnen mit mindestens einem weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte bis Jahresende, voraussichtlich erst in der Zeit nach der Sommerpause. „Ob es tatsächlich zu diesem weiteren Schritt kommt, hängt maßgeblich davon ab, in welchem Ausmaß sich in den kommenden Monaten Zweitrundeneffekte des Energiepreisschocks zeigen“, so Schöfl. „Die spürbar gesunkenen Inflationsraten in Deutschland und im Euroraum hatten der Notenbank vorerst etwas Druck genommen, sehr schnell nachzulegen. Nun wird das weitere Verhalten der beiden Konfliktparteien die Zinspolitik maßgeblich beeinflussen.“
Fed hält still – Unsicherheit über September-Sitzung
In den USA verharren die Fed und ihre Geldpolitik noch in Wartestellung. Die Federal Reserve beließ den Leitzins im Juni zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,50 bis 3,75 %. Der seit Kurzem amtierende Fed-Vorsitzende Kevin Warsh verzichtete bislang auf eine eigene Zinsprognose und setzt auf einen deutlich zurückhaltenderen Kommunikationsstil als sein Vorgänger.
Der schwächer als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktbericht für Juni – nur 57.000 neue Stellen – hat die Markterwartungen zuletzt weiter gedämpft: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in den USA ist nach Meinung der Experten gesunken. „Innerhalb der Fed zeichnet sich kein klarer Kurs ab“, kommentiert Marco Schöfl. „Ein Teil des Komitees sieht die Inflation weiterhin als zu hoch an, ein anderer Teil verweist auf die Abkühlung am Arbeitsmarkt. Diese Gemengelage dürfte die US-Geldpolitik vorerst in der Schwebe halten.“
Entwicklung der Baufinanzierungszinsen
Momentan notieren die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen in einer Spanne zwischen 3,4 und 3,6 %, für 15-jährige Zinsbindungen bei rund 3,6 bis 3,8 %. Schöfl ergänzt: „Die Bauzinsen bewegen sich seit Monaten in einem eher engen Korridor. Der Rückgang der Ölpreise und die nachlassende Inflation hatten die Lage an den Kapitalmärkten zuletzt eher beruhigt als verschärft. Für Finanzierungskunden war das Zinsniveau vergleichsweise gut planbar. Falls sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nun doch länger fortsetzt als gedacht, könnte das deutlichere Bewegungen auf dem Anleihen- und in der Folge dem Zinsmarkt nach sich ziehen.“
Tendenz:
• Kurzfristig: Tendenziell seitwärts
• Langfristig: Ein weiterer EZB-Zinsschritt bis Jahresende ist wahrscheinlich, hängt aber vom weiteren Verlauf der Energiepreise und möglichen Zweitrundeneffekten ab; in den USA bleibt der geldpolitische Kurs vorerst offen




