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22.06.2026 Infrastruktur: Solides Fundament mit guten Renditechancen

Infrastruktur ist selten glamourös. Wasserrohre, Strommasten und Autobahnbrücken interessieren kaum jemanden – vorausgesetzt, sie funktionieren. Doch das ist lange her, heute ist vielerorts der Ärger über marode Straßen und unzulängliche Versorgernetze groß. In den Konsolidierungsjahren nach der Finanzkrise 2008 fuhren viele Staaten ihre Infrastrukturbudgets systematisch zurück, Instandhaltungen wurden auf die lange Bank geschoben.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert den öffentlichen Investitionsstau allein in Deutschland auf mehr als 600 Milliarden Euro. Die OECD schätzt den weltweiten Infrastrukturbedarf bis 2040 auf rund 95.000 Milliarden US-Dollar. Darunter leiden nicht nur Verbraucher, sondern vor allem auch die Wirtschaft, die verlässliche Transportwege, mehr Energie und moderne digitale Vernetzung benötigt.

Hohe Investitionen in ganz Europa

Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi mahnte bereits in seinem Wettbewerbsfähigkeitsbericht 2024 eindringlich: Ohne massive Infrastrukturinvestitionen drohe Europa dauerhaft den Anschluss zu verlieren. Inzwischen haben viele Regierungen erkannt, dass die notwendigen Investitionen keinen weiteren Aufschub mehr dulden. Die EU hat Infrastruktur zum Kern ihrer Wettbewerbsstrategie erklärt.

Konkrete Großprojekte verdeutlichen das Ausmaß: In Deutschland sieht der Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur bis 2037 Investitionen von mehr als 320 Milliarden Euro im Stromnetz vor. In Frankreich investiert der staatliche Netzbetreiber RTE bis 2035 rund 100 Milliarden Euro in Modernisierung und Ausbau. Der niederländische Netzbetreiber Tennet stemmt bis 2028 ein Investitionsprogramm von mehr als 55 Milliarden Euro. Im Verkehrsbereich sticht der Brenner-Basistunnel hervor: Deutschland, Österreich und Italien finanzieren das Megaprojekt gemeinsam mit einem Gesamtvolumen von rund neun Milliarden Euro.

Verkehrswege im Mittelpunkt

Und im Haushaltsplan der Bundesregierung sind allein bis 2029 rund 169 Milliarden Euro aus dem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität vorgesehen, mit denen Straßen, Brücken, das Schienennetz und Wasserstraßen saniert und die Digitalisierung vorangetrieben werden sollen. Die EU stellt über die Connecting Europe Facility bis 2027 zusätzlich rund 25,8 Milliarden Euro allein für Verkehrsprojekte bereit.

KI treibt den Strombedarf – und noch viel mehr

Hinzu kommt der stark steigende Strombedarf der Rechenzentren, der auf Netze trifft, die für diese Lastspitzen nicht gebaut wurden. Energieversorger und Netzbetreiber stehen damit vor einer doppelten Aufgabe: einerseits die Energiewende zu gestalten, andererseits den durch KI ausgelösten Nachfrageschub zu bedienen. Für Unternehmen wie etwa Netzbetreiber, Stromerzeuger aus erneuerbaren Quellen, Rechenzentrumsbetreiber, Software- und Cloudanbieter oder Kühlsystemhersteller bedeutet das im Idealfall eine planbare und langfristige Nachfrage. Ein Umstand, der diese Konzerne auch für Anleger zunehmend attraktiv macht.

Darauf sollten Anleger achten

Die hohen staatlichen Budgets für die Modernisierung der Infrastruktur schlagen sich inzwischen auch in den Investitionsplänen großer Versorger in ganz Europa nieder. Viele dieser börsennotierten Unternehmen investieren in den kommenden Jahren enorm hohe Summen in Straßen, Brücken, erneuerbare Energien, Netzausbau und Stromnetze.

Und was bedeutet das nun für Anleger? Wer einen stabilen und langfristigen Infrastrukturtrend erwartet, sollte bei Aktien und Anleihen die in Frage kommenden Unternehmen gewissenhaft auswählen und auf solide Cash-Flows achten. Alternativ eignen sich für ein Engagement in Infrastrukturunternehmen auch aktiv gemanagte Fonds, die gezielt regulierte Infrastrukturunternehmen auswählen und flexibel auf sich verändernde Investitionszyklen reagieren. Gepaart mit einer breiten Diversifikation über verschiedene Länder und Branchen können sie einen wichtigen Beitrag zur positiven Vermögensentwicklung leisten.

(Aktuelle Markteinschätzung von Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ)
























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