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11.05.2026 Baden-Württemberg: Immer weniger in den eigenen vier Wänden

Während 2010 etwa jeder dritte Haushalt im Alter zwischen 25 und 45 Jahren im selbstgenutzten Eigentum lebte, ist es heute nur noch etwa jeder vierte. Wäre die Quote stabil geblieben, gäbe es bundesweit rund 600.000 junge Eigentümerhaushalte mehr.

„Diese Entwicklung hin zu einer „Generation Miete“ hat gravierende Folgen für Vermögensaufbau, Altersvorsorge und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt“, warnt Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Baden-Württemberg. „Wohneigentum darf kein Privileg weniger bleiben.“ Eine neue Landesregierung müsse energisch gegensteuern.

- Mehr Baugenehmigungen aber unter Höchststand
- Wohnungsdefizit bei rund 196.000 Wohnungen
- Fertigstellungen brechen drastisch ein
- Ziel von über 60.000 Wohnungen jährlich wird erneut verfehlt
- Private Bauherren investieren 4,9 Milliarden Euro

Dass sich immer weniger junge Familien den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können, sei nicht nur ein wohnungspolitisches, sondern auch ein gesellschaftspolitisches Problem. „Wohneigentum ist ein zentraler Baustein für Vermögensbildung, Altersvorsorge und soziale Stabilität. Wenn junge Familien und Normalverdiener dauerhaft vom Eigentum ausgeschlossen werden, wächst die Vermögensungleichheit weiter“, betonte Lipka.

Nach mehreren Jahren des Rückgangs zeigen die Baugenehmigungen in Baden-Württemberg im Jahr 2025 erstmals wieder eine leichte Erholung. Mit 29.567 genehmigten Wohnungen liegt das Ergebnis um 9,6 Prozent über dem Vorjahr. Auch zu Beginn des Jahres 2026 setzt sich diese Entwicklung mit einem deutlichen Plus von 38,8 Prozent fort. „Das ist ein wichtiges Signal, aber noch keine Trendwende im eigentlichen Sinne“, erklärte Geschäftsführer Gerald Lipka bei der Präsentation des aktuellen Konjunkturberichts Wohnen 2025/2026. „Wir liegen immer noch fast 46 Prozent unter dem Niveau von 2021 – im Neubau sogar rund 50 Prozent.“ Weltpolitische Einflüsse wie der Krieg im Iran lassen Preise und Zinsen bereits wieder steigen, was den Wohnungsbau erneut ins Stocken geraten lässt und im schlimmsten Fall einen möglichen Aufschwung wieder zunichtemacht.

Besonders kritisch ist, dass die Fertigstellungen weiterhin deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleiben. Bereits 2024 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – wurden nur 36.379 Wohnungen fertiggestellt, ein Rückgang von 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig liegt der jährliche Bedarf bei rund 60.300 Wohnungen. „Die Lücke zwischen Bedarf und Realität wird größer – aktuell fehlen in Baden-Württemberg rund 196.000 Wohnungen“, so Lipka.

Zentrale Rolle privater Investoren beim Wohnungsbau

Zugleich zeigt der Bericht die zentrale Rolle privater Investoren für den Wohnungsbau. Private Bauherren haben 2025 rund 4,9 Milliarden Euro investiert und stehen für 48 Prozent der Neubauwohnungen sowie 62 Prozent des Investitionsvolumens. Wohnungsunternehmen folgen mit einem Anteil von 30 Prozent. „Ohne private Investitionen wird es keine ausreichende Bautätigkeit geben.

Die künftige Landesregierung hat dies erkannt und Wohneigentum als zentralen Baustein ihrer Politik bezeichnet. Maßnahmen wie finanzielle Erleichterungen zum Beispiel beim erstmaligen Erwerb einer selbstgenutzten Wohnimmobilie sind ein Schritt in die richtige Richtung. „Wenn diese vom BFW lange geforderten Erleichterungen zügig und konsequent verwirklicht werden können sich wieder mehr Menschen den Traum von den eigenen vier Wänden leisten“, betonte Lipka.

Insgesamt blieben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angespannt. Zwar stiegen die Umsätze im Bauhauptgewerbe 2025 insgesamt leicht um 2,5 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro, im Wohnungsbau gingen sie jedoch um 2,1 Prozent zurück. Gleichzeitig steigen die Baupreise weiter: 2025 legten sie um 3,4 Prozent zu, im ersten Quartal 2026 sogar um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dennoch beginnt sich der Immobilienmarkt leicht zu stabilisieren. Nach dem Einbruch infolge der Zinswende hat sich der Markt vom Verkäufer- zum Käufermarkt entwickelt. Während sich die Nachfrage langsam erholt, bleiben Investoren zurückhaltend. In Stuttgart liegen die Preise für Neubauwohnungen weiterhin bei rund 8.500 Euro pro Quadratmeter, während Bestandsmieten stabil bei etwa 16,40 Euro pro Quadratmeter verharren. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Mietwohnungen hoch, da viele Haushalte aufgrund gestiegener Finanzierungskosten auf den Erwerb verzichten.

„Die aktuellen Zahlen zeigen klar: Eine nachhaltige Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist nicht in Sicht“, erklärte der BFW-Geschäftsführer. „Wenn wir mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, müssen Genehmigungsverfahren beschleunigt, Baukosten gesenkt und die Eigentumsbildung – gerade für junge Haushalte – gezielt gefördert werden. Sonst wird aus der jungen Generation dauerhaft eine Generation Miete.“

Lipka stellte den Wohnungswirtschaftlichen Konjunkturbericht 2025/2026 gemeinsam mit dessen Verfasser, Professor Dr. Dieter Rebitzer, vor. Professor Rebitzer ist Studiendekan an der Fakultät Wirtschaft und Recht der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen (HfWU) und Experte für Immobilienwirtschaft.



























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