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23.04.2026 Der Simulierte Mensch: Interdisziplinäre, zukunftsweisende Architektur

Foto: ©Werner Huthmacher
Interdisziplinär, öffentlich, zukunftsweisend – mit dem neuen Forschungsbau „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) hat das Architekturbüro Telluride Architektur ein Gebäude geschaffen, das nicht nur wissenschaftlich, sondern auch architektonisch zukunftsweisende Maßstäbe setzt. In dem ersten Forschungsgebäude auf dem neuen Campus für Bio- und Medizintechnologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Technischen Universität Berlin werden Wissenschaftler:innen an der Schnittstelle von Technik und Medizin die Simulation menschlicher Organfunktionen ohne Tierversuche erforschen.

Nach vierjähriger Planungs- und rund vierjähriger Bauzeit wurde der Neubau „Der Simulierte Mensch“ am 22. April 2026 feierlich eröffnet. Die gemeinsame Forschungsplattform der TU Berlin und der Charité bildet das zentrale Element des neuen Campus für Bio- und Medizintechnologie und zählt zu den bedeutendsten aktuellen Forschungsprojekten im Bereich der Biomedizin und Medizintechnik. Ein Schwerpunkt der Forschung ist die Entwicklung sogenannter „Multi-Organ-Modelle“, bei denen mithilfe von 3D-Bioprinting oder sogenannten Multi-Organ-Chips realitätsnahe Modelle des menschlichen Körpers entstehen. Diese Systeme ermöglichen es, Krankheiten besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Gleichzeitig, und das ist eine der Besonderheiten, können Tierversuche reduziert oder langfristig komplett ersetzt werden.

Auf rund 7.000 Quadratmetern stehen Labore, Büros und Begegnungsräume für etwa 150 Wissenschaftler:innen beider Institutionen zur Verfügung, die gemeinsam in gemischten Teams arbeiten werden. „Der Si-M ist eine Blaupause für eine neue Art von Forschungsbau. Neue Zeiten erfordern manchmal neues Denken und Überdenken von klassischer Planung“, sagt Prof. Dr. Andreas Thiel, Mitgründer des „Simulierten Menschen“ und Leiter der Arbeitsgruppe „Regenerative Immunologie und Altern“ an der Charité.

Die Architektur des fünfstöckigen Gebäudes unterstützt diese neue Form der Forschung gezielt: Offene, flexibel nutzbare Laborstrukturen, kurze Wege zwischen Disziplinen sowie gemeinsam genutzte Technologieplattformen fördern den interdisziplinären Austausch zwischen Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften. So wird der Forschungsbau selbst zu einem integralen Bestandteil des wissenschaftlichen Prozesses. In Analogie zu seinem Forschungsgegenstand hat Telluride Architektur den Si-M als lebendigen „Organismus“ konstruiert: Verschiedene Funktionsbereiche sind wie Zellen miteinander vernetzt, die Technologieplattformen und Begegnungsbereiche fungieren wie Zellkerne und die Fassade wie ein schützendes Gewebe. Das Architekturbüro hatte 2019 mit diesem Entwurf den Architektenwettbewerb gewonnen.

Die Fassade besteht aus fünf verschiedenen Elementtypen aus Glasfaserbeton. Sie sind in unterschiedlichen Kombinationen über das Gebäude verteilt und reagieren auf programmatische, funktionale und umwelttechnische Anforderungen. Im Inneren beeindruckt zunächst das zentrale, rund 22 Meter hohe Atrium, das den Blick unmittelbar nach oben lenkt. Architektonischer Mittelpunkt: die geschwungene runde Treppe, die sich objektgleich über alle Stockwerke zieht. Das Atrium ist ein Ort der Begegnung zwischen Charité und TU Berlin, zwischen Forscher:innen und Ärzt:innen, zwischen Patient:innen und Besucher:innen.

Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss sind vollständig öffentlich zugänglich. Hier befinden sich das Theatron als Begegnungsstätte, eine Cafeteria sowie Patientendienste für den translationalen Austausch zwischen Klinik und Labor. In den oberen Geschossen sind Büros und Labore für Forschung untergebracht. Der Neubau wurde nach Kriterien des energieeffizienten und ressourcenschonenden Bauens geplant und wird nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) zertifiziert.

„Der Si-M ist für einen Forschungsbau ungewöhnlich öffentlich“, sagt Joel Hahn, geschäftsführender Gesellschafter von Telluride Architektur. „Innen- und Außenräume verschmelzen. Er ist ein Ort, der Begegnungen und Austausch fördert. Diese Offenheit sowie die Verbindung von Wissenschaft und Öffentlichkeit machen das Gebäude zu einem transformatorischen Raum, der weit über die reine Forschung hinausgeht.“


























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