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10.04.2026 Wandelanleihen: Rückenwind für eine unterschätze Anlageklasse

Im Jahr 2025 erreichte das Emissionsvolumen von Wandelanleihen fast Rekordniveau. Uwe Diehl von Advent Capital Management erklärt, warum die Anlageklasse in turbulenten Marktphasen so gefragt ist und wo aktuell die attraktivsten Chancen liegen.
Wandelanleihen 2026: Rückenwind für eine unterschätze Anlageklasse

Wandelanleihen galten lange als Nischenprodukt. Doch derzeit erlebt die Anlageklasse eine Renaissance. Das globale Emissionsvolumen erreichte 2025 mehr als 160 Milliarden US-Dollar und lag damit fast auf dem Rekordniveau aus dem Jahr 2001. Treiber sind vor allem die gestiegenen Finanzierungskosten. Wandelanleihen ermöglichen es Unternehmen durch die integrierte Aktienoption, deutlich niedrigere Kupons zu zahlen. Gerade für wachstumsstarke Unternehmen kann das einen erheblichen Unterschied machen.

Über Chancen und Funktionsweise der Anlageklasse sprach Florian Koch, Senior Investment Analyst bei Scope, mit Uwe Diehl, Managing Director Client Advisory von Advent Capital Management. Im Fokus des Gesprächs: der Alma Advent Global Convertible Fund, der sich auf dieses Segment spezialisiert hat.

Aktienchance mit Sicherheitsnetz

Eine Wandelanleihe verbindet eine klassische Unternehmensanleihe mit einer Kaufoption auf die Aktie. Anleger erhalten Zinsen und können gleichzeitig an steigenden Kursen partizipieren. Daraus entsteht ein asymmetrisches Renditeprofil: Viele Strategien zielen darauf ab, einen Großteil der Kursgewinne mitzunehmen, während Verluste begrenzt bleiben. In der Praxis bedeutet das häufig eine Beteiligung von rund 70 bis 80 Prozent an steigenden Kursen, während auf der Abwärtsseite nur etwa 50 bis 60 Prozent der Verluste getragen werden. Diehl bringt dieses Prinzip auf den Punkt: „Winning by not losing.“ Wichtig sei jedoch, Wandelanleihen nicht als Aktienersatz zu verstehen. Trotz Partizipation an steigenden Kursen bleiben sie eine Anleihe und erfüllen eine eigenständige Rolle im Portfolio.

Das aktuelle Marktumfeld spielt der Anlageklasse in die Karten. Höhere Finanzierungskosten erhöhen den Anreiz zur Emission, während geopolitische Spannungen für mehr Volatilität sorgen. Diese Schwankungen steigern den Wert der eingebetteten Aktienoption. In der Phase rund um den Iran-Konflikt blieb ein ausgewogenes Wandelanleiheportfolio laut Diehl mit rund zwei Prozent seit Jahresbeginn im Plus, während breite Aktienindizes wie der MSCI World schwächer abschnitten.

Aktives Management im Sweetspot

Für Fondsmanager bedeutet das ein hohes Maß an aktiver Steuerung. Ziel ist es, die Titel im sogenannten Sweetspot zu halten, also dort, wo die positive Asymmetrie am größten ist. Entwickelt sich eine Wandelanleihe zu stark wie eine Aktie oder zu sehr wie eine klassische Anleihe, wird sie oft verkauft. „Halten bis zur Endfälligkeit“ ist laut Diehl daher eher die Ausnahme.

Ein Beispiel aus dem Portfolio ist der US-Solaranbieter Sunrun, den Diehl als Marktführer in den USA beschreibt. Die Branche ist kapitalintensiv, der Finanzierungsbedarf hoch. Sunrun habe früh begonnen, die gesamte Nutzungskette abzudecken, inklusive Partnerschaften mit Tesla und Ford sowie Lösungen rund um Speicherung und E-Mobilität.

Diehls allgemeines Fazit: Hohe Volatilität, attraktive Finanzierungsvorteile für Unternehmen und ein lebhafter Emissionsmarkt bilden derzeit eine seltene Kombination und schaffen ein Umfeld, in dem Wandelanleihen ihre Stärken ausspielen.

(Quelle: Scope)

























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