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27.03.2026 Florenz: Flughafen unterm Weinberg oder Weinberg überm Flughafen?

Fotocredits: Rafael Viñoly Architects
Das neue internationale Terminal des Flughafens in Florenz, design by Rafael Viñoly Architects, würdigt das toskanische Erbe und bietet gleichzeitig neue Infrastruktur und städtische Annehmlichkeiten, die das Stadtbild aufwerten.

Das Design des neuen internationalen Terminals am Flughafen Florenz Amerigo Vespucci, der Hauptstadt der Toskana und im Herzen des italienischen Weinanbaugebiets, integriert einen 7,7 Hektar großen Weinberg, der sich sanft an den Hang schmiegt und ein neues, lichtdurchflutetes Terminalgebäude mit einer Kapazität von über 5,9 Millionen internationalen Passagieren pro Jahr beherbergt. Das 50.000 m² große Terminal ist durch multimodale Verkehrsanbindungen, darunter ein neues Stadtbahnsystem, erschlossen, das eine schnelle und nachhaltige Verbindung zwischen Flughafen, Stadt und Region ermöglicht.

Eine der wichtigsten Neuerungen des Projekts ist die Neuausrichtung der bestehenden Start- und Landebahn. Diese ist zu kurz und durch nahegelegene Hügel beeinträchtigt, was die Nutzung durch viele moderne Flugzeuge erschwert. Im neuen Konzept wird die Start- und Landebahn um 90 Grad von den Hügeln weggedreht und verlängert.

Das architektonische Konzept scheint einen der für die Gegend typischen Weinberge – einen kleinen Teil der Parkanlage rund um den neuen Flughafen – aufzugreifen und ihn teilweise vom Boden abzuheben, um das Terminalgebäude darunter zu beherbergen. Lineare Betonfertigteilstrukturen halten Erde und Bewässerung für den Weinberg und werden von einem Netzwerk verzweigter Stützen getragen, die eine flexible Raumaufteilung für die internen Komponenten des Terminals ermöglichen. Zwischen diesen 38 geneigten, erhöhten Strukturen – 2,8 Meter breit und zwischen 455 und 570 Meter lang – befinden sich 1,2 Meter breite, isolierte Oberlichter, die den Innenraum mit Tageslicht durchfluten. Der trapezförmige Querschnitt der Strukturen (unten schmaler als oben) vergrößert den Blickwinkel zum Himmel von unten. Insgesamt wachsen 38 Reihen ertragreicher Reben auf dem Dach des Gebäudes und bieten gleichzeitig hervorragende Wärmedämmeigenschaften, die zur angestrebten LEED-Platinum-Zertifizierung beitragen.

Die Weinberge werden von einem der führenden Winzer der Region bewirtschaftet und geerntet. Der Wein wird vor Ort in speziellen Kellern unterhalb des Bereichs, wo das Gelände zum Dach des Terminals ansteigt, hergestellt und ausgebaut. Diese riesige Fläche, die das Flughafenterminal von Brunelleschis Dom und anderen markanten Aussichtspunkten der Stadt aus verdeckt, wird nicht nur ein neues Wahrzeichen für die nachhaltige Zukunft der Stadt sein, sondern auch ein Symbol für die Traditionen, die Geschichte und den Innovationsgeist, die die italienische Wirtschaft auch im 21. Jahrhundert prägen.

Das Design des neuen Flughafens schafft zudem ein Gefühl von Geborgenheit und verbessert das Reiseerlebnis. Flughäfen sind oft unübersichtliche Orte, an denen es an einem zentralen Anlaufpunkt mangelt, da Ankunfts- und Abflugbereiche üblicherweise nebeneinander oder übereinander angeordnet sind. Durch die Anordnung von Ankunfts- und Abflughalle gegenüberliegend auf einem großen öffentlichen Platz – einer „Piazza“ im Zentrum des neuen Terminals – wird der gesamte Personenverkehr innerhalb und außerhalb des Terminals sowie der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplätzen und Geschäften, die sowohl der lokalen Bevölkerung als auch den Reisenden dienen, optimal organisiert.

Auf einer Seite dieses öffentlichen Platzes führt der ebenerdige Check-in-Bereich zu einer Rolltreppe, die acht Meter hoch zu einer Plattform mit Einreisekontrolle, Duty-Free-Shop, Restaurants und Lounges führt. Die Plattform verbindet die Piazza und die Ankunftshalle und mündet in eine weitläufige Abflughalle, deren Gates und vollständig verglaste Überdachung den Blick auf die Start- und Landebahn sowie die umliegenden Hügel freigeben.

Diese Anordnung sorgt für einen stets übersichtlichen Passagierfluss, da die Passagiere ihr Ziel jederzeit im Blick haben. Ankommende Passagiere sehen beispielsweise die Terminalausgänge zur „Piazza“ bereits beim Betreten des Flugsteigs, und der Weg zum großzügigen öffentlichen Platz mit seinen vielfältigen Verkehrsanbindungen wurde so kurz wie möglich gehalten.


























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