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20.03.2026 Fed und EZB zwischen Ölpreis-Panik und Angst vor „Policy Error“

„Die aktuellen Verwerfungen an den Energiemärkten und die geopolitischen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten stellen die Zentralbanken vor eine Zerreißprobe. Während der Ölpreis aufgrund von Verknappungen und strategischen Manövern des Irans steigt, wächst die Sorge vor einer geldpolitischen Fehlentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB). Warum es klug von den Zentralbanken ist, weder in der einen noch in der anderen Richtung an der Zinsschraube zu drehen.

Sicher scheint, dass es derzeit keinen unmittelbaren Handlungsdruck für Zinserhöhungen durch die EZB oder die Fed gibt. Die Inflationsrate in der Eurozone liegt mit ca. 1,9 Prozent bereits im Zielkorridor der EZB. Trotz steigender Ölpreise ist aktuell lediglich bei einem länger andauernden Konflikt und einem Preis von mehr als 100 US-Dollar je Barrel ein Inflationspeak von etwa 3 bis 3,5 Prozent bis Mitte des Jahres zu erwarten, was weit unter den Extremwerten von 2022 liegt. Das heißt: Die EZB sollte daher die kurzfristigen Ölpreiseffekte als "One-Off-Effekte" behandeln und die Zinsen stabil halten. In den USA liegt die Inflation der Verbraucherpreise bei etwa 2,4 Prozent, während das Zinsniveau mit bis zu 3,75 Prozent deutlich darüber liegt. Auch hier gibt es keine Notwendigkeit für Zinserhöhungen. Zinssenkungen scheinen ebenfalls ausgeschlossen, da dies ein falsches Signal an die Märkte senden und inflationäre Effekte verstärken könnte.

Das Gespenst von 2008 – „Trichet-Moment“ und ein „Policy Error“

Ein Blick in die geldpolitische Geschichte lohnt sich angesichts der aktuellen Situation. Kurz vor der Lehman-Pleite ließ sich der damalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet dazu hinreißen, die Zinsen aufgrund eines hohen Ölpreises (damals 147 US-Dollar) zu erhöhen – eine Entscheidung, die heute als klassischer geldpolitischer Fehler gilt, da sie die Wirtschaft in einer bereits fragilen Phase zusätzlich belastete. Die Gefahr ist, dass die EZB heute erneut daneben greifen könnte, wenn sie auf temporäre, angebotsseitige Preissprünge beim Öl mit Zinserhöhungen reagiert, anstatt diese als Einmaleffekte einzustufen.

Daneben sprechen weitere Punkte gegen eine Änderung der Leitzinsen dies- und jenseits des Atlantiks. So wirken höhere Ölpreise bereits wie eine Wachstumsbremse. Als Faustformel gilt: Jede Steigerung des Ölpreises um zehn Dollar kostet etwa 0,1 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum. Zusätzliche Zinsschritte könnten das „zarte Pflänzchen“ der Erholung im Keim ersticken. Zudem, und dies ist ein bedeutsamer Punkt, ist die aktuelle Inflation eher angebotsseitig getrieben – die Energieknappheit durch Konflikte im Nahen und Mittleren Osten – und nicht durch eine galoppierende Nachfrage oder Lohn-Preis-Spiralen wie im Jahr 2022. Eine Zinserhöhung wäre daher das falsche Instrument gegen diese Art von Preisanstieg und würde die Angebotsseite zusätzlich belasten. Nicht zuletzt haben weder die US-Regierung Interesse an einer Dollar-Aufwertung noch die Europäer an einer weiteren Stärkung des Euro.

Aus meiner Sicht ist den Zentralbanken vor diesem Hintergrund zu empfehlen, dass sie die Situation zunächst nur beobachten, ohne panisch auf kurzfristige Rohstoffpreisspitzen zu reagieren, um die fragile Finanzmarktstabilität nicht zu gefährden. Es gibt schlicht keinen Handlungsbedarf für Erhöhungen. Allerdings auch nicht für Zinssenkungen, denn letztere würden ein falsches Signal an die Märkte senden, sie könnten inflationäre Tendenzen über die Börsenkurse verstärken. Für Investoren gilt in diesem unsicheren Umfeld: Ruhe bewahren, Risiken streuen und Gelassenheit zeigen bis sich der „geopolitische Staub“ gelegt hat.“

(Von David Wehner, Head of Liquid Assets bei FGTC Investment)


























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