19.03.2026 Statements aus der Immobilienwirtschaft zum EZB-Zinsentscheid
Der EZB-Rat hat heute beschlossen, die drei Leitzinssätze der EZB unverändert zu belassen. Er ist entschlossen, dafür zu sorgen, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 % stabilisiert. Im Folgenden erhalten Sie Statements von Prof. Dr. Felix Schindler, Francesco Fedele, Prof. Dr. Steffen Sebastian und Maximilian Radert zur heutigen EZB-Zinsentscheidung:
Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strategy, HIH Invest: „Mit der Beibehaltung des Leitzinsniveaus bestätigt die EZB die Markterwartungen. Für eine Leitzinserhöhung als Reaktion auf die Eskalation im Nahen Osten und ihre Auswirkungen ist es zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh. Zum einen ist die Datenlage noch wenig belastbar und zum anderen sind auch mögliche Zweitrundeneffekte hinsichtlich der Inflations- und Wachstumsentwicklung in den kommenden Wochen im Blick zu behalten und zu analysieren.
Ebenso ist die Dauer des Konflikts im Nahen Osten momentan nicht ausreichend abschätzbar. Entsprechend ist das Ausmaß der mittel- bis längerfristigen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die globalen Lieferketten, die Energiemärkte und nicht zuletzt die Inflationsentwicklung schwer vorhersehbar. Die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung durch die EZB in den kommenden Monaten hat sich aber deutlich erhöht; die Kapitalmärkte haben bereits mit einem deutlichen Anstieg der langfristigen Renditen reagiert.
Die Entwicklung der langfristigen Kapitalmarktrenditen wird auch für die Liquidität und das Marktgeschehen an den Immobilien- und Finanzierungsmärkten in absehbarer Zukunft von entscheidender Bedeutung sein. Zur Sicherung von stabilen Cashflows wird für Investoren die Selektion und Identifikation von konjunkturresilienten Nutzungsarten sowie qualitativ hochwertigen Objekten mit bonitätsstarken Mietern in Märkten mit Nachfrageüberhängen in diesem Umfeld noch stärker an Bedeutung gewinnen."
Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG: „Die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen unverändert zu lassen, war trotz der aktuellen Unsicherheiten zu erwarten. Sollten die Kampfhandlungen im Nahen Osten räumlich und zeitlich begrenzt bleiben, dürften die Auswirkungen für die Immobilienwirtschaft überschaubar sein. Steigende Energiepreise könnten zwar Bau- und Betriebskosten weiter erhöhen, würden aber kaum unmittelbar zu strukturellen Marktverwerfungen führen. Kritischer wäre ein dauerhafter Inflationsimpuls, der die Finanzierungskosten hochhält.
In der gewerblichen Immobilienfinanzierung sollten Kreditnehmer daher verstärkt die Möglichkeit einer Zinssicherung prüfen, auch wenn die Forward-Sätze bereits auf das gestiegene Risiko reagiert haben. Handlungsbedarf entsteht vor allem dann, wenn die eigene Risikoeinschätzung des Kreditnehmers über die des Marktes hinausgeht. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig gegen die zu erwartenden weiteren Zinsanstiege abzusichern. Das gilt insbesondere für Projektentwickler, die Zinsänderungsrisiken häufig unterschätzen. Auch bei anstehenden Prolongationen sollte die Zinssicherung strategisch mitgedacht werden.“
Prof. Dr. Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung,
IREBS Institut für Immobilienwirtschaft, Universität Regensburg: „Die EZB lässt die Leitzinsen zu Recht unverändert. Für eine geldpolitische Anpassung ist es derzeit noch zu früh, da die Auswirkungen der geopolitischen Lage, insbesondere mit Blick auf Energiepreise und das daraus resultierende Inflationsrisiko, noch nicht abschätzbar sind. Wir können davon ausgehen, dass die EZB die Entwicklung sehr genau beobachten und datenabhängig agieren wird.
Bislang blieben die Reaktionen auf den Iran-Krieg an den Finanzmärkten überraschend moderat. Für die Immobilien- und Bauwirtschaft bedeutet das vorerst Stabilität – wenn auch auf weiter erhöhtem Risikoniveau. Die Kapitalmärkte erwarten zwar ein bis zwei Leitzinserhöhungen, jedoch erst im weiteren Jahresverlauf. Wir sehen bereits einen moderaten Anstieg der langfristigen Zinsen, etwa beim Zehnjahres-Swap. Dieser verläuft jedoch im historischen Vergleich eher graduell als sprunghaft und signalisiert keine abrupte Neubewertung, sondern eine schrittweise Anpassung der Zinserwartungen.“
Maximilian Radert, Head of Product Development & Research bei KINGSTONE Real Estate: „Die EZB hat die Leitzinsen in ihrer März-Sitzung – wie von uns erwartet – unverändert belassen. Gleichwohl hat sich das Risikoprofil zuletzt spürbar verschoben. Steigende Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen erhöhen den Druck in Richtung möglicher Zinserhöhungen, während Zinssenkungen deutlich an Wahrscheinlichkeit verloren haben.
Die EZB signalisiert weiterhin, kurzfristige Energiepreisschocks als externe Angebotseffekte zunächst zu ‚durchschauen’ und die Zinsen stabil zu halten. Entscheidend bleibt jedoch die Entwicklung der Inflationserwartungen. Sollten sich diese auf erhöhtem Niveau verfestigen, gerät der Look-through-Ansatz an seine Grenzen – und die EZB wäre zum Handeln gezwungen.
Die Erfahrungen aus dem Jahr 2022 wirken dabei nach: Ein zu spätes Reagieren auf steigende Inflationsrisiken soll vermieden werden. Vor diesem Hintergrund hat die EZB ihre Kommunikation angepasst. Sie betont verstärkt die Aufwärtsrisiken für die Inflation sowie die Abwärtsrisiken für das Wachstum und unterstreicht zugleich ihre klare Reaktionsbereitschaft.“
Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strategy, HIH Invest: „Mit der Beibehaltung des Leitzinsniveaus bestätigt die EZB die Markterwartungen. Für eine Leitzinserhöhung als Reaktion auf die Eskalation im Nahen Osten und ihre Auswirkungen ist es zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh. Zum einen ist die Datenlage noch wenig belastbar und zum anderen sind auch mögliche Zweitrundeneffekte hinsichtlich der Inflations- und Wachstumsentwicklung in den kommenden Wochen im Blick zu behalten und zu analysieren.
Ebenso ist die Dauer des Konflikts im Nahen Osten momentan nicht ausreichend abschätzbar. Entsprechend ist das Ausmaß der mittel- bis längerfristigen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die globalen Lieferketten, die Energiemärkte und nicht zuletzt die Inflationsentwicklung schwer vorhersehbar. Die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung durch die EZB in den kommenden Monaten hat sich aber deutlich erhöht; die Kapitalmärkte haben bereits mit einem deutlichen Anstieg der langfristigen Renditen reagiert.
Die Entwicklung der langfristigen Kapitalmarktrenditen wird auch für die Liquidität und das Marktgeschehen an den Immobilien- und Finanzierungsmärkten in absehbarer Zukunft von entscheidender Bedeutung sein. Zur Sicherung von stabilen Cashflows wird für Investoren die Selektion und Identifikation von konjunkturresilienten Nutzungsarten sowie qualitativ hochwertigen Objekten mit bonitätsstarken Mietern in Märkten mit Nachfrageüberhängen in diesem Umfeld noch stärker an Bedeutung gewinnen."
Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG: „Die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen unverändert zu lassen, war trotz der aktuellen Unsicherheiten zu erwarten. Sollten die Kampfhandlungen im Nahen Osten räumlich und zeitlich begrenzt bleiben, dürften die Auswirkungen für die Immobilienwirtschaft überschaubar sein. Steigende Energiepreise könnten zwar Bau- und Betriebskosten weiter erhöhen, würden aber kaum unmittelbar zu strukturellen Marktverwerfungen führen. Kritischer wäre ein dauerhafter Inflationsimpuls, der die Finanzierungskosten hochhält.
In der gewerblichen Immobilienfinanzierung sollten Kreditnehmer daher verstärkt die Möglichkeit einer Zinssicherung prüfen, auch wenn die Forward-Sätze bereits auf das gestiegene Risiko reagiert haben. Handlungsbedarf entsteht vor allem dann, wenn die eigene Risikoeinschätzung des Kreditnehmers über die des Marktes hinausgeht. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig gegen die zu erwartenden weiteren Zinsanstiege abzusichern. Das gilt insbesondere für Projektentwickler, die Zinsänderungsrisiken häufig unterschätzen. Auch bei anstehenden Prolongationen sollte die Zinssicherung strategisch mitgedacht werden.“
Prof. Dr. Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung,
IREBS Institut für Immobilienwirtschaft, Universität Regensburg: „Die EZB lässt die Leitzinsen zu Recht unverändert. Für eine geldpolitische Anpassung ist es derzeit noch zu früh, da die Auswirkungen der geopolitischen Lage, insbesondere mit Blick auf Energiepreise und das daraus resultierende Inflationsrisiko, noch nicht abschätzbar sind. Wir können davon ausgehen, dass die EZB die Entwicklung sehr genau beobachten und datenabhängig agieren wird.
Bislang blieben die Reaktionen auf den Iran-Krieg an den Finanzmärkten überraschend moderat. Für die Immobilien- und Bauwirtschaft bedeutet das vorerst Stabilität – wenn auch auf weiter erhöhtem Risikoniveau. Die Kapitalmärkte erwarten zwar ein bis zwei Leitzinserhöhungen, jedoch erst im weiteren Jahresverlauf. Wir sehen bereits einen moderaten Anstieg der langfristigen Zinsen, etwa beim Zehnjahres-Swap. Dieser verläuft jedoch im historischen Vergleich eher graduell als sprunghaft und signalisiert keine abrupte Neubewertung, sondern eine schrittweise Anpassung der Zinserwartungen.“
Maximilian Radert, Head of Product Development & Research bei KINGSTONE Real Estate: „Die EZB hat die Leitzinsen in ihrer März-Sitzung – wie von uns erwartet – unverändert belassen. Gleichwohl hat sich das Risikoprofil zuletzt spürbar verschoben. Steigende Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen erhöhen den Druck in Richtung möglicher Zinserhöhungen, während Zinssenkungen deutlich an Wahrscheinlichkeit verloren haben.
Die EZB signalisiert weiterhin, kurzfristige Energiepreisschocks als externe Angebotseffekte zunächst zu ‚durchschauen’ und die Zinsen stabil zu halten. Entscheidend bleibt jedoch die Entwicklung der Inflationserwartungen. Sollten sich diese auf erhöhtem Niveau verfestigen, gerät der Look-through-Ansatz an seine Grenzen – und die EZB wäre zum Handeln gezwungen.
Die Erfahrungen aus dem Jahr 2022 wirken dabei nach: Ein zu spätes Reagieren auf steigende Inflationsrisiken soll vermieden werden. Vor diesem Hintergrund hat die EZB ihre Kommunikation angepasst. Sie betont verstärkt die Aufwärtsrisiken für die Inflation sowie die Abwärtsrisiken für das Wachstum und unterstreicht zugleich ihre klare Reaktionsbereitschaft.“




