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20.02.2026 Fachkonferenz zeigt neue Wege für Wohnungsbau und Sanierung

IG Infrarot Deutschland lädt zur Konferenz „Infrarotheizung: Schlüssel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen“ am 16. April 2026 in Würzburg ein. Steigende Baukosten, aufwändige Gebäudetechnik und ambitionierte Klimaziele stellen Wohnungswirtschaft, Architektur und Planung vor große Herausforderungen. Während die technische Gebäudeausrüstung (TGA) immer komplexer wird, wächst gleichzeitig der Druck, Projekte schneller, einfacher und wirtschaftlicher umzusetzen. Drei Praxisbeispiele zeigen, wie sich mit Infrarotheiztechnik neue Ansätze für Neubau und Bestandssanierung ergeben und warum das Thema zunehmend auch für Planende und Bestandshalter interessant wird. Die Projekte sind Teil des Programms der Konferenz „Infrarotheizung: Schlüssel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen“ am 16. April 2026 in Würzburg. Veranstalter ist der Branchenverband IG Infrarot Deutschland e.V.

Mehrfamilienhaus: Schnelle Bauzeit durch Vorfertigung und einfache Gebäudetechnik

Beim seriellen und modularen Bauen liegt der Fokus auf Vorfertigung, Standardisierung und kurzen Bauzeiten. Die Solid Modulbau GmbH baute 2020 in Wuppertal in nur acht Monaten ein Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen und Tiefgarage – inklusive Kelleraushub.

Das Mehrgenerationenhaus mit KfW-40-Plus-Standard wurde mit massiven Betonfertigteilmodulen errichtet. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 110 Kilowatt Leistung Solarstrom, ergänzt durch einen Batteriespeicher mit 50 Kilowattstunden Speicherkapazität. Beheizt wird das Gebäude vollständig über 208 Infrarotpaneele an den Decken der Wohnungen. Durchlauferhitzer erwärmen das Wasser.

Für Planer und Investoren war vor allem die reduzierte Komplexität der Gebäudetechnik entscheidend. Der Verzicht auf wasserführende Wärmeverteilsysteme vereinfachte die Planung und beschleunigte die Montage. „Der hohe Vorfertigungsgrad und die schnelle Montage begünstigen eine kurze Bauzeit vor Ort“, erklärt Hermann Stegink, Geschäftsführer von SolidModulbau. Energiebilanzen aus dem laufenden Betrieb, die er auf der Konferenz präsentieren wird, zeigen, wie sich das Konzept langfristig bewährt und die Betriebskosten nachhaltig senkt.

Wohnquartier für Geflüchtete: Investitionskosten im Fokus

Ein anderes Beispiel stammt aus Karlstadt im Landkreis Main-Spessart. Dort sollten kurzfristig Unterkünfte für geflüchtete Menschen geschaffen werden – schnell, wirtschaftlich und energieeffizient. Entstanden sind 14 Gebäude in Holzständerbauweise mit Effizienzhaus-40-Standard.

Für die Beheizung der 40 Wohnungen fiel die Wahl auf schnell und einfach zu installierende Infrarotheizungen, die bloß an Steckdosen angeschlossen zu werden brauchen. Installiert wurden 124 Infrarotpaneele mit jeweils 550 Watt Leistung sowie 82 Paneele mit 900 Watt Leistung.

Der wirtschaftliche Vergleich mit einem Quartier-Wärmepumpensystem fiel deutlich aus: Während eine zentrale Wärmepumpenlösung Investitionskosten zwischen 676.000 und 852.000 Euro verursacht hätte, lagen die Kosten für das Infrarotheizsystem bei rund 88.000 Euro netto. Zwar sind die jährlichen Betriebskosten bei den Infrarotheizungen höher, aber die Ersparnis bei den Investitionskosten reicht aus, um das Quartier damit etwa 32 Jahre lang zu beheizen. Die Gebäude wurden 2025 fertiggestellt und bezogen. Für Kommunen und Planungsbüros zeigt das Projekt, wie stark sich die Wahl der Heiztechnik auf Bauzeit, Kostenstruktur und technische Komplexität auswirken kann.

Bestandssanierung mit Erweiterung: Der Westerwälder Hof

Auch im Bestand kann eine vereinfachte Heiztechnik neue Möglichkeiten eröffnen. Der Westerwälder Hof in Welschneudorf, eine ehemalige Traditionsgaststätte aus dem 17. Jahrhundert, wurde nicht abgerissen, sondern revitalisiert und erweitert. Heute umfasst das Gebäudeensemble 26 geförderte Wohnungen, Gewerberäume für eine Backstube mit Café sowie eine Landarztpraxis – errichtet im KfW-40-EE-Standard.

Die für das Projekt gegründete Westerwälder Hof GbR setzte hier erstmalig auf Infrarotheizungen. Ihre Motivation: steigende TGA-Kosten und der Wunsch nach einfacheren Lösungen. „Teilweise übersteigen die Kosten für Gebäudetechnik inzwischen die Hochbaukosten“, sagt Gesellschafter Martin Schmidt. „Infrarotheizungen sind um einiges günstiger. Wir wollten es jetzt einfach wissen, wie sich Infrarotheiztechnik im Betrieb und auf die Kosten auswirkt. Auch unsere Bauherren fragen immer häufiger, ob nicht auch günstiger gebaut werden könne.“

Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine Photovoltaikanlage mit 138 Kilowatt Leistung, einen Batteriespeicher mit 90 Kilowattstunden Speicherkapazität und eine dezentrale Lüftung. Das Energiekonzept für die Wärme- und Stromversorgung ermöglicht ein Mieterstrommodell inklusive Nebenkosten. Die Mieter profitieren von kalkulierbaren Gesamtmieten und die Vermieter haben kaum Aufwand für die Wartung und Instandhaltung der Heizung. Zudem kann der Solarstrom weitgehend dort verbraucht werden, wo er erzeugt wird. In seinem Vortrag auf der Konferenz wird Schmidt auch auf die Wirtschaftlichkeit im Betrieb eingehen.

Warum das Thema für Planung und Wohnungswirtschaft relevant ist

Den sehr unterschiedlichen Bauprojekten gemeinsam ist das Ziel, technische Komplexität zu reduzieren und Bauprozesse zu vereinfachen. Für Architekturbüros bedeutet das weniger Schnittstellen und geringere Abhängigkeit von spezialisierten Gewerken. Für Wohnungsunternehmen kann eine einfache Heiztechnik Investitionskosten senken und Wartungsaufwand reduzieren.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich solche Konzepte in langfristige Energiestrategien integrieren lassen – etwa in Kombination mit Photovoltaik, Batteriespeichern oder dynamischen Stromtarifen.

Konferenz in Würzburg: Austausch zu Praxis, Planung und Wirtschaftlichkeit

Wer sich vertieft mit diesen Fragen beschäftigen und die Infrarotheiztechnik besser kennenlernen möchte, hat auf der Konferenz „Infrarotheizung: Schlüssel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen“ am Donnerstag, 16. April 2026, in Würzburg Gelegenheit dazu.

Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, konkrete Erfahrungen aus realisierten Projekten kennenzulernen – inklusive Kostenvergleichen, Energiebilanzen und Lessons learned aus Planung und Betrieb. Damit richtet sich die Konferenz an alle, die nach Lösungen suchen, um Baukosten zu senken, Prozesse zu vereinfachen und gleichzeitig die Anforderungen der Wärmewende umzusetzen.

Am Vortag, 15. April 2026, findet am gleichen Ort der 6. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche statt. Die Branchentagung wendet sich an für Mitarbeitende in der Infrarotheizungsbranche sowie Fachleute anderer Branchen, die sich mit Infrarotheizungen beschäftigen und erste Projekte mit der Technik realisiert haben.


























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