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16.02.2026 So reichen 500.000 Euro für den finanziell sorgenfreien Lebensabend

Wer im fortgeschrittenen Alter plötzlich über ein größeres Vermögen verfügt, kann sich auf einen sorgenfreien Lebensabend mit ganz neuen Möglichkeiten freuen. Finanzielle Engpässe aufgrund einer nur schmalen Rente sollten dann kein Thema mehr sein. Doch Vorsicht: Einige wichtige Faktoren müssen dennoch beachtet werden, ansonsten gerät der finanziell sorgenfreie Ruhestand trotzdem in Gefahr. So wäre es etwa ein Fehler, das viele Geld einfach auf dem Konto liegen zu lassen, um es nach und nach zu verbrauchen. Weitaus cleverer ist es, dieses Kapital gekonnt anzulegen. Das kann nicht nur ein regelmäßiges Zusatzeinkommen für den Ruhestand schaffen, sondern auch die Möglichkeit, das Vermögen für seinen Nachlass zu erhalten – und unter Umständen sogar weiter wachsen zu lassen.

Das Wichtigste: „Wer mit 60 Jahren plötzlich 500.000 Euro erhält, sollte sehr überlegt vorgehen – und spontane Ideen tunlichst vermeiden“, empfiehlt Jean-Claude Bertram, Berater bei der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ. Zunächst ist als Entscheidungsgrundlage ein Gesamtüberblick über die Vermögenslage nötig, einschließlich der zu erwartenden Renteneinkünfte im Alter. Sofern noch Kreditschulden vorhanden sind, ist eine vollständige Tilgung in der Regel empfehlenswert, da die Zinszahlungen meist höher sind, als eine sichere Geldanlage der gleichen Summe an Rendite einbringen würde.

Individuelle Strategien sind unerlässlich

Wozu das Kapital primär dienen soll, hängt im fortgeschrittenen Alter noch stärker von den individuellen Voraussetzungen ab als etwa bei 30-Jährigen. Schließlich ist der finanzielle Hintergrund in höherem Alter zunehmend divers: Während der eine vielleicht schon eine ausreichend hohe staatliche und private Rente erhält, eine Immobilie besitzt und sogar ein gut bestücktes Wertpapierdepot sein Eigen nennt, muss der andere womöglich noch Immobilienschulden tilgen oder eine Rentenlücke schließen. Im ersten Schritt muss es also darum gehen, den persönlichen Bedarf, finanzielle Risiken und persönliche Ziele zu ermitteln.

Während manch einer darüber nachdenkt, das Kapital einzusetzen, um kürzertreten zu können, hat für andere möglicherweise ein gesichertes Ruhestandseinkommen Priorität. Zu prüfen ist dann beispielsweise, ob sich der Abschluss oder die Aufstockung einer privaten Rentenversicherung, ein Wertpapierdepot mit Entnahmeplan oder eine Kombination dieser Maßnahmen besonders eignen, um das Einkommen bis zum Lebensende abzusichern. Nur wer mit 60 Jahren keine finanziellen Risiken und Versorgungslücken hat, kann sich voll und ganz dem Erhalt und der Vermehrung seines Kapitals widmen.

Langfristiges Investieren geht noch mit 60 Jahren

Dabei sollte nicht unterschätzt werden, dass der Kapitalmarkt auch für Anlegerinnen und Anleger im fortgeschrittenen Alter noch durchaus Chancen bietet. Mit 60 Jahren ist der Anlagehorizont zwar deutlich kürzer als etwa im Alter von 30 Jahren, dennoch bleiben bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung statistisch noch 20 bis 30 Jahre, bis das Vermögen auf die Erben übergeht. „Wer 500.000 Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto parkt, vergibt erhebliche Renditechancen und erleidet einen schleichenden Kaufkraftverlust aufgrund der Inflation“, sagt Jean-Claude Bertram – und fügt hinzu: „Sehr viel klüger ist es, das Kapital breit gestreut zu investieren und nur so viel zu entnehmen, dass die Rendite nicht nur die Inflation ausgleicht, sondern auch den Kapitalstock erhält oder sogar wachsen lässt.“ Es gilt also, einen individuell strukturierten Entnahmeplan idealerweise so aufzustellen, dass das Kapital auch nach mehr als 30 Jahren noch zur Verfügung steht.

Viele Anlegerinnen und Anleger verkennen dabei vor allem den schleichenden Kaufkraftverlust durch die Inflation. Ein Beispiel: In den vergangenen 20 Jahren lag die durchschnittliche Inflationsrate in der Eurozone bei 2,2 Prozent. Verliert das Kapital jedes Jahr 2,2 Prozent seiner Kaufkraft, können sich langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger nach 32 Jahren vom nominell gleichen Kapital nur noch halb so viel kaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Inflation kräftig schwankt. Lag sie zwischen 2013 und 2020 oftmals deutlich unter ein Prozent, erreichte sie dank Energiekrise und Lieferkettenproblemen im Jahr 2022 zeitweise sogar mehr als zehn Prozent. „Für das frisch gewonnene Kapital muss es daher darum gehen, eine langfristig oberhalb der Inflationsrate liegende Rendite zu erreichen, um den Kaufkraftverlust zu stoppen – und das, ohne große Verlustrisiken einzugehen“, erklärt Experte Bertram.

Ausgewogenes investieren für Kapitalerhalt und -wachstum

Das gelingt am besten mit einem breit gestreuten Portfolio, das nicht nur Aktien, Anleihen oder andere festverzinsliche Anlagen sowie Rohstoffe, alternative Investments und Liquidität im richtigen Verhältnis kombiniert, sondern auch regelmäßig neu ausbalanciert wird. Abhängig von den individuellen Zielen und der Risikotragfähigkeit sollte das Vermögen auf verschiedene Bausteine aufgeteilt werden.

Steht beispielsweise nach dem möglichen Schließen der Rentenlücke und eventuellen Schuldentilgungen noch Kapital für Börseninvestments zur freien Verfügung, empfiehlt sich je nach Risikotragfähigkeit und Renditeanspruch des Anlegers eine Aufteilung des Geldes auf verschiedene Depotbausteine. Denkbar ist dabei etwa ein Sicherheitsbaustein aus festverzinslichen Anlagen wie kurzlaufenden Staatsanleihen mit geringem Verlustrisiko, die sich vergleichsweise stabil entwickeln. Hinzu käme ein Renditebaustein, bestehend etwa aus Aktien, Aktienfonds, Rohstoffen oder alternativen Investments. Dieser Baustein soll die Inflation ausgleichen und die darüberhinausgehende Rendite erwirtschaften. Nicht zuletzt ist auch eine Liquiditätsreserve nötig, um ungeplante Ausgaben zu bestreiten oder günstige Investmentchancen zu nutzen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass ein breit gestreutes Portfolio im langjährigen Durchschnitt Renditen von sechs bis sieben Prozent erzielen konnte. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Inflation und einer sofort verfügbaren Liquiditätsreserve konnten Anlegerinnen und Anleger somit etwa drei bis vier Prozent des Depotswertes entnehmen, ohne dass der Kapitalstock kleiner wurde. So sind Verfügbarkeit, Sicherheit und moderates Wachstum gleichermaßen berücksichtigt, auch wenn Wertentwicklungen der Vergangenheit natürlich keine Garantie für die Zukunft bieten.

Steuerbelastungen im Blick behalten

Dabei sollten Anlegerinnen und Anleger nicht nur mögliche Steuerzahlungen, sondern auch die Nachlassplanung im Blick behalten. Auf Kapitalerträge werden grundsätzlich – sofern der jährliche Freibetrag ausgeschöpft ist – 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig, gegebenenfalls kommen noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer hinzu.

Wer seinen Nachkommen hohe Summen vermachen möchte, sollte zudem auch über frühzeitige Schenkungen nachdenken, da sich Erbschaftssteuerfreibeträge für Angehörige und andere Begünstigte alle zehn Jahre erneuern.

So aufgestellt, kann der plötzliche Reichtum – abhängig von der individuellen Ausgangssituation – finanziellen Sorgen im Alter ein Ende bereiten, das vorhandene Vermögen weiter wachsen lassen und damit sogar den Hinterbliebenen noch ein erfreuliches Finanzpolster bescheren.




























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