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11.02.2026 DGNB: Überarbeitete Fassung der Zertifizierung für Gebäude im Betrieb

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die neue Version ihres Zertifizierungssystems für Gebäude im Betrieb finalisiert. Der Kriterienkatalog wurde mit den neuesten regulatorischen Anforderungen wie der EU-Taxonomie harmonisiert und damit noch zukunftstauglicher gemacht. Vorteile des überarbeiteten Systems sind unter anderem die hohe Anschlussfähigkeit an marktgängige Standards sowie eine auf das Reporting von Kennzahlen ausgerichtete Dokumentation. Es ist international nutzbar und zur Anwendung für Immobilienportfolios geeignet. Anpassungen gibt es auch bei den dazugehörigen Fortbildungen der DGNB Akademie.

„Die Diskussion um Nachhaltigkeit im Gebäudebereich ist nach wie vor zu sehr an den Neubau gekoppelt, obwohl längst klar ist, dass der Schlüssel zur Transformation im Bestand liegt und die Potenziale dort immens sind“, erklärt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Die entscheidende Frage dabei ist, wie sich die Anforderungen an einen zukunftsorientierten Umgang mit dem Gebäudebestand systematisch herunterbrechen lassen, sodass eine sinnvolle, wirkungsorientierte Herangehensweise gefördert wird. Genau das liefert die neue Version des DGNB Systems für Gebäude im Betrieb.“

Bestandsanalyse als Grundlage für kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen

Die überarbeitete Variante der Zertifizierung hilft Gebäudeeigentümern, Bestandshaltern und Betreibern dabei, die Transformation ihrer Bestandsimmobilien systematisch zu planen und umzusetzen. Die Grundlage ist dabei die Erfassung des Ist-Zustands im Sinne einer ganzheitlichen Bestandsbewertung. Diese gibt Orientierung und schafft Transparenz über die tatsächliche Qualität eines Gebäudes inklusive der durch die Nutzung verursachten Verbräuche, Kosten und Wirkungen auf Mensch und Umwelt.

Ausgehend davon unterstützt das Zertifizierungssystem als Management- und Optimierungstool dabei, eine kontinuierliche Verbesserung bei den wichtigsten Aspekten der Nachhaltigkeit zu realisieren. Nach dem Prinzip „Plan, Do, Check, Act“ trägt die Zertifizierung dazu bei, relevante Verbesserungspotenziale von Bestandsbauten zu identifizieren und auszuschöpfen. In diesem Sinne unterstützt die Anwendung des DGNB Systems dabei, Investitionsentscheidungen mit Weitsicht zu treffen, die zu geringeren Betriebskosten und einem höheren Wert der Immobilie führen können. Ein Ergebnis des Zertifizierungsprozesses sind gebäudespezifische Transitionspläne, die dazu beitragen, die Zukunftssicherheit der Gebäude zu gewährleisten, indem diese zum Beispiel in Richtung Klimaneutralität geführt werden. Gleichzeitig schützt die Anwendung des Systems vor multiplen Risiken, wie etwa einem möglichen Leerstand oder der Gefahr, dass Immobilien zu Stranded Assets werden.

Auch mit Blick auf die gestiegenen Anforderungen an das Reporting hilft die DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb. So erhalten Anwendende für ihre Immobilien über eine standardisierte Dokumentation Auskunft über die wesentlichen Kennzahlen, die sie zur Gebäudebewertung und ihr Reporting benötigen. Schließlich sind die Kriterien mit allen relevanten regulatorischen Anforderungen in der EU harmonisiert. So ist zum Beispiel das in der EU-Taxonomie adressierte Thema der Biodiversität als eigenes Kriterium ein neuer, ergänzender Schwerpunkt der Zertifizierung. Auch bei der Version 2026 bietet die DGNB wieder die Möglichkeit, ergänzend zum DGNB Zertifikat eine ESG-Verifikation zur EU-Taxonomie zu erlangen.

Transparente Vergleichbarkeit bei Immobilienportfolios

Besonders geeignet ist die Anwendung der Zertifizierung auch für komplette Immobilienportfolios. Schließlich ist das System so angelegt, dass es eine transparente Vergleichbarkeit der Gebäudeperformance ermöglicht und so eine strukturierte und zielgerichtete Steuerung von Investitionsentscheidungen unterstützt wird. Entsprechend ist die Anwendung der Zertifizierung nicht nur für Asset Manager und Property Manager interessant, sondern auch für Portfolio Manager.

Weitere Zielgruppen der Zertifizierung sind Investoren wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, Facility Manager sowie Mietende. Und auch im Bereich Corporate Real Estate sowie für Städte und Gemeinden mit eigenem Immobilienbestand lässt sich das DGNB System für Gebäude im Betrieb sinnvoll einsetzen.

Kriterienkatalog gemeinsam mit internationalen Partnern entwickelt

Die aktuelle Überarbeitung des DGNB Systems für Gebäude im Betrieb erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (SGNI), dem Green Building Council Denmark (DK-GBC), der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) und dem Green Building Council España (GBCe). Gerade in der Schweiz wird das bestehende DGNB System für Gebäude im Betrieb bereits von Banken intensiv genutzt. In Dänemark sind Pensionsfonds wichtige Treiber bei der Anwendung der Betriebszertifizierung.

„Der konsequent internationale Ansatz in der Systementwicklung ist einmalig in der Geschichte der DGNB“, sagt Christine Lemaitre. „Die gemeinsame Erarbeitung der Kriterienanforderungen ist ein wichtiger Baustein, um die optimale Anwendbarkeit unserer Betriebszertifizierung sowie eine Vergleichbarkeit auch über Ländergrenzen hinweg sicherzustellen. Dabei fußt die Zertifizierung auf einem gemeinsamen, ganzheitlichen Verständnis von Nachhaltigkeit, berücksichtigt jedoch spezifische regulatorische Anforderungen in den jeweiligen Regionen.“ Die länderspezifische Adaption ermöglicht es auch, regional bereits eingeführte und etablierte Methoden zu berücksichtigen, um so einen möglichst geringen Aufwand in der Nachweisführung zu gewährleisten.

Im vergangenen Sommer hatten die DGNB und ihre Partnerorganisationen eine Vorabversion zur Kommentierung bereitgestellt. Die dabei abgegebenen Anmerkungen wurden überprüft und trugen zur Fertigstellung der finalisierten Version 2026 des DGNB Systems für Gebäude im Betrieb bei.

Zehn Kriterien für einen nachhaltigen Gebäudebetrieb

In seiner Grundstruktur bleibt das Zertifizierungssystem, das inzwischen bei rund 1.000 Projekten erfolgreich zum Einsatz kam, weitgehend erhalten. Es setzt sich aus zehn Kriterien zusammen, die den drei übergeordneten Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie, Soziales – zugeordnet sind. Anders als bei den DGNB Systemvarianten für Neubau und Sanierung, die die Gebäudesubstanz fokussieren, nimmt das System für Gebäude im Betrieb bei der Bewertung alle gebäudebezogenen Nachhaltigkeitsaspekte in den Blick, die betriebsrelevant, beeinflussbar und optimierbar sind.

Voraussetzung für die Zertifizierbarkeit ist, dass ein Gebäude mindestens ein Jahr in Betrieb ist. Die Gültigkeit des DGNB Zertifikats für Gebäude im Betrieb beträgt drei Jahre. Um diese Gültigkeit um drei weitere Jahre zu verlängern, ist eine Rezertifizierung erforderlich. Über die Umsetzung gezielter Maßnahmen ist es möglich, eine Verbesserung der Auszeichnungsstufe von Bronze, über Silber und Gold bis hin zu Platin zu erreichen. Das System ist für alle Gebäudetypen und Nutzungsarten anwendbar.

Anpassungen bei der Qualifizierung über die DGNB Akademie

Zur Auditierung im Rahmen der DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb sowie der Einreichung von Projekten für eine ESG-Verifikation zur EU-Taxonomie im Bereich Erwerb und Eigentum war bislang die Qualifikation als DGNB ESG-Manager erforderlich. Die entsprechende Fortbildung wird ab sofort in zwei separate Schulungen überführt.

Während die Qualifikation zum neu eingeführten DGNB Auditor Gebäude im Betrieb speziell auf die Anwendung des Zertifizierungssystems und die damit verbundene Durchführung der Auditierung zugeschnitten ist, fokussiert die modulare Fortbildung zum DGNB-geprüften Experten zur EU-Taxonomie auf regulatorische Aspekte sowie den Prüf- und Reportingprozess von Taxonomie-Projekten.

Kompletter Kriterienkatalog online verfügbar

Weiterführende Informationen zur DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb gibt es online unter www.dgnb.de/gib. Dort steht auch der vollständige Kriterienkatalog als kostenfreier Download zur Verfügung.

























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