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01.02.2026 Warsh-Nominierung schiebt Ende der unabhängigen Fed hinaus

US-Präsident Donald Trump will eine amerikanische Notenbank, die den von ihm gewünschten Kurs unterstützt und die Zinsen deutlich senkt. Würde die Federal Reserve (Fed) auf diese Linie einschwenken, wäre ihre Unabhängigkeit faktisch beendet. Damit ginge ein wesentlicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor der USA der vergangenen Jahrzehnte verloren. Entsprechend aufmerksam verfolgen Märkte und Beobachter seit Monaten den Konflikt zwischen Trump und dem amtierenden Fed-Chef Jerome Powell.

Mit der Nominierung von Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der Fed hat der Präsident nun ein klares Signal gesendet, dass er vorerst kein Interesse an einer Fortsetzung dieses Streits hat. Warsh dürfte möglichen Zinssenkungen offener gegenüberstehen als der noch amtierende Vorgänger, eine ausgewiesene Taube ist er aber nicht. Seine grundsätzliche fachliche Eignung steht als ehemaliger Notenbankgouverneur außer Frage.

Interessant ist auch ein Blick auf die Zusammensetzung des Offenmarktausschusses als dem zentralen Entscheidungsgremium der Fed: Schließlich trifft der Chairman die geldpolitischen Entscheidungen nicht allein, sondern zusammen mit seinen elf Kollegen im Offenmarktausschuss, in dem er wie alle anderen nur eine Stimme hat. Vier Mitglieder dieses Gremiums sind jeweils rotierend Präsidenten regionaler Fed-Distrikte. Drei der neuen Mitglieder – Beth Hammack (Cleveland), Lorie Logan (Dallas) und Neel Kashkari (Minneapolis) – gelten geldpolitisch als falkenhafter als ihre Vorgänger. Die vierte, Anna Paulson (Philadelphia), ist ähnlich taubenhaft wie ihr Vorgänger. Das aktuelle Entscheidungsgremium der Fed ist also im Vergleich zum vergangenen Jahr insgesamt weniger geneigt, den Trumpschen Wünschen zu folgen.

Zwar kann Trump über Neubesetzungen im Board Einfluss nehmen, wie er es mit der Ernennung von Stephen Miran getan hat. Dass nun eben dieser Miran, der zuverlässig für stärkere Zinssenkungen plädierte als seine Kollegen, zugunsten von Warsh weichen muss, zeigt den begrenzten Spielraum Trumps in dieser Frage. Dies war schon zuletzt deutlich geworden, als der Supreme Court Zweifel daran erkennen ließ, dass die von Trump angestrebte Abberufung von Lisa Cook rechtens sei. Das Entscheidungsgremium der Fed im Trumpschen Sinne auszurichten, ist also kein schneller Selbstläufer. Eher ist es ein Marathon – und in dieser Disziplin ist Trump bisher nicht durch besonderen Erfolg aufgefallen.

Ein weiterer Punkt kommt hinzu und dürfte für die Nominierung Warshs eine wesentliche Rolle gespielt haben: Wird die Unabhängigkeit der Fed ernsthaft infrage gestellt, drohen massive Finanzmarktturbulenzen. Besonders wahrscheinlich wären ein weiterer drastischer Verfall des US-Dollars und deutlich steigende Langfristzinsen. Letzteres war schon im April 2025 der Faktor, der Trump zum Einlenken in der Zollpolitik bewegte. Im Vorfeld der Zwischenwahlen will die Trump-Administration eine Wiederholung dieses Szenarios vermeiden.

Das alles heißt nicht, dass die Unabhängigkeit der Fed auf Dauer gesichert wäre. Im Gegenteil: Mittel- bis langfristig werden die Versuche weitergehen, die Unabhängigkeit zu unterminieren– diese Entwicklung sollten professionelle Investoren deshalb sehr genau im Blick behalten. Dass die Unabhängigkeit bereits kurzfristig und nachhaltig untergraben wird, ist aber nicht der wahrscheinlichste Fall.

(Kommentar von Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe)






























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