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30.01.2026 Steigende Renditen weltweit, US-Treasuries verlieren an Attraktivität

Der Jahresvergleich der Renditen zehnjähriger Staatsanleihen (Stichtag: 22.1.2026) zeigt: Während die Renditen in Europa und in vielen Teilen der Welt deutlich gestiegen sind, fallen sie in den USA. Für europäische Anleger hat diese Entwicklung spürbare Konsequenzen – insbesondere mit Blick auf Währungsrisiken.

Die Europäische Zentralbank hat im vergangenen Jahr die Leitzinsen fünfmal auf aktuell 2,0 Prozent gesenkt. Dennoch sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen gestiegen. In Deutschland beträgt der Anstieg rund 0,35 Prozentpunkte. Damit hat sich die zuvor lange Zeit inverse Zinsstrukturkurve normalisiert, die Kurve ist insgesamt steiler geworden. „Der Markt schaut längst nicht mehr nur auf die Leitzinsen, sondern auf strukturelle Faktoren wie Staatsverschuldung, Investitionsprogramme und langfristige Inflationsrisiken“, sagt Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Hamburger Sutor Bank.

Innerhalb der Europäischen Union bietet Deutschland zwar weiterhin die niedrigsten Renditen, die Steigerung fällt im Vergleich jedoch deutlich höher aus als in anderen großen europäischen Volkswirtschaften. Frankreich verzeichnete einen Anstieg von rund 0,2 Prozentpunkten, Spanien lediglich von 0,13 Prozentpunkten. Hintergrund der überall steigenden Renditen sind unter anderem umfangreiche Investitionszusagen in Infrastruktur und Verteidigung. Die damit verbundene höhere Neuverschuldung wirkt sich auf die Bonität aus und schlägt sich in steigenden Renditen nieder.

Dieser Trend lässt sich weltweit beobachten: Die stärkste relative Renditesteigerung ist in Japan zu sehen. Dort stiegen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen von 1,192 Prozent vor einem Jahr auf aktuell 2,239 Prozent – ein Plus von fast 88 Prozent. „In Lateinamerika wirken sich wirtschaftspolitische Reformen offenbar positiv aus“, sagt Mathias Beil. „Argentinien, Brasilien und Mexiko können sich heute günstiger über die Kapitalmärkte refinanzieren als noch vor einem Jahr.“

Sonderfall USA: Renditen gefallen

Ein ganz anderes Bild zeigt sich in den USA. Die US-Notenbank Fed hat ihre Leitzinsen im gleichen Zeitraum nur dreimal gesenkt, auf ihrer Sitzung am 28. Januar beschloss sie eine Zinspause. Aktuell liegen die US-Leitzinsen in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Dennoch notieren die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen derzeit bei 4,237 Prozent und damit rund 0,41 Prozentpunkte unter dem Niveau vor einem Jahr. Die Zinsstruktur ist weiterhin invers.

„Kurzfristig rechnen die Märkte mit weiterem politischen Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken“, so Beil. „Langfristig dürften die Renditen aber steigen – nicht zuletzt wegen der Rekordverschuldung der USA und der Tatsache, dass immer mehr Notenbanken ihre Währungsreserven breiter diversifizieren und nicht mehr ausschließlich in US-Treasuries gehen.“

Für europäische Anleger ergibt sich daraus ein ungünstiges Risikoprofil. „Neben dem bestehenden US-Dollar-Währungsrisiko kommt bei langen Laufzeiten ein erhebliches Zinsänderungsrisiko hinzu“, sagt Beil. „Steigende langfristige Renditen würden zu Kursverlusten führen, weshalb US-Treasuries in diesem Umfeld für europäische Investoren daher deutlich weniger attraktiv sind.“



























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