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28.01.2026 Mittelständische Hotelbetriebe: Ja zur Modernisierung, eng bei Finanzen

Die Hotelbranche bewegt sich in einem zweigeteilten Marktumfeld: Während der überregionale Hotelinvestmentmarkt 2025 mit einem Plus von 44 bis 48 % gegenüber 2024 bei den Transaktionen[1] eine leichte Erholung zeigt, kämpfen viele mittelgroße und unabhängige Betriebe in Deutschland und Österreich weiterhin mit Finanzierungsengpässen. Der Wille zu investieren ist in diesem Marktsegment hoch, gleichzeitig werden Investitionen jedoch zunehmend schwieriger umzusetzen. Eine Online-Umfrage unter rund 30 Entscheidern aus Hotellerie und Freizeitwirtschaft zeichnet ein authentisches Stimmungsbild (Umsatz zwischen 1 und 10 Mio. Euro). Durchgeführt wurde sie von der digitalen Finanzierungsplattform CONDA, incert eTourismus und dem Beratungsunternehmen mrp hotels im November 2025.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehr als jeder zweite Betrieb (53 %) in den vergangenen zwei Jahren geplante Investitionen verschieben musste, weil keine passende Finanzierung verfügbar war. Strengere Kreditvergaben durch Banken (56 %), steigende Zinsen (46 %) und aufwendige Förderprozesse (40 %) waren dabei die meistgenannten Blockaden bei der Finanzierung von Investitionen. Insbesondere in Bereichen wie Erweiterung, Modernisierung, Qualitätssteigerung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, die für die Wettbewerbsfähigkeit der Hotels zunehmend entscheidend sind, findet sich schwer Fremdkapital.

Die Branche befindet sich der Umfrage zufolge in einer Phase, in der der Investitionsdruck enorm ist. Gäste erwarten laufende Weiterentwicklung, hochwertige Infrastruktur, digitale Services und nachhaltige Konzepte. Gleichzeitig stiegen die Kosten auf allen Ebenen, von Bau über Energie bis Personal. Die Studie trifft den Kern: Viele Betriebe wollen investieren, stoßen aber an finanzielle und strukturelle Grenzen.
Bankenlogik trifft auf Realität im Tourismus

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist die niedrige Bewertung klassischer Finanzierungen. Die durchschnittliche Zufriedenheit liegt hier bei lediglich 2,6 von 5 Punkten. Während rund 50 % unzufrieden sind, gaben nur 22 % der Befragten an, dass sie mit der Finanzierung zufrieden sind. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Viele Betriebe berichten von mangelnder Flexibilität und einem fehlenden Verständnis für tourismusspezifische Geschäftsmodelle. Saisonale Umsatzverläufe, hohe Vorinvestitionen und langfristige Amortisationszeiträume passten oft nur bedingt in standardisierte Bankbewertungen.

„Die klassische Bankenlogik orientiert sich stark an kontinuierlichen Cashflows und Sicherheiten“, erklärt Dirk Littig, Co-CEO der digitalen Finanzierungsplattform CONDA. „Touristische Geschäftsmodelle funktionieren jedoch anders. Wenn diese Unterschiede nicht ausreichend berücksichtigt werden, können auch bei wirtschaftlich gesunden Betrieben Finanzierungslücken entstehen.“

Alternative Finanzierung: bekannt, aber wenig genutzt

Obwohl alternative Finanzierungsformen wie Crowdinvesting, digitale Anleihen oder Genussscheine zunehmend bekannt sind, spielen sie in der Praxis bislang noch eine untergeordnete Rolle. Das könnte sich jedoch ändern, denn angesichts der Schwierigkeiten klassischer Modelle erwarten über zwei Drittel der Teilnehmer (69 %), dass alternative Finanzierungsmodelle künftig an Bedeutung gewinnen werden.

„Anpassungsfähigkeit wird für Hotelbetriebe zunehmend entscheidend“, erläutert Martin Schaffer, Geschäftsführer von mrp hotels. „Steigende Finanzierungskosten erhöhen den Druck auf operative Margen – klassische Bankdarlehen werden immer häufiger durch hybride Modelle aus Bankdarlehen, Mezzanine-Kapital, Private Equity und Plattformlösungen ergänzt.“

Dort, wo Alternativen bereits genutzt wurden, zeigen sich neben dem schnellen Kapitalzugriff zusätzliche Effekte: insbesondere werden der Zugewinn neuer Gäste und stärkere Kundenbindung genannt. Finanzierung wird damit nicht nur zur Frage der Liquidität, sondern auch zu einem strategischen Instrument im Marketing und in der Gästebeziehung.

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft den Umgang mit eigenen Gutscheinsystemen der Hotels. Diese bieten zinsfreie Liquidität (Verkauf heute, Einlösung später) und können als echte Alternative zu teuren Bankkrediten dienen – insbesondere durch die anhaltend hohen Zinsbelastungen. Zwar sind sie in der Hotellerie als Verkaufsinstrument weit verbreitet, werden jedoch selten systematisch als Liquiditäts- oder Steuerungsinstrument genutzt. 70 Prozent der Betriebe wünschen sich detaillierte Kennzahlen zu Einlösequoten, Zusatzumsatz und Breakage, also der Quote nicht eingelöster Gutscheine. Das deutet darauf hin, dass wirtschaftliche Potenziale vorhanden sind, bislang aber mangels Daten und Auswertung ungenutzt bleiben.

Hotellerie braucht neue Finanzierungslogiken als Schlüssel für Investitionen

„Die Hotelbranche ist investitionsbereit, aber zunehmend finanzierungsgehemmt“, sagt Dirk Littig. Und ergänzt: „Wer Finanzierung, Investitionsplanung und Liquiditätssteuerung künftig breiter, datenbasierter und flexibler aufstellt, kann sich entscheidende Spielräume sichern.“ Gleichzeitig mache die Umfrage deutlich, dass bestehende Finanzierungsmodelle und Bewertungslogiken von Banken stärker an die Realität touristischer Geschäftsmodelle angepasst werden müssen.





























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