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21.01.2026 Bau- und Immobilienfachmann: Größte Baukrise seit Jahrzehnten

„Die deutsche Bauwirtschaft ist in das neue Jahr 2026 mit der größten Krise seit Jahrzehnten gegangen“, sagt der Bau- und Immobilienfachmann Klaus-Peter Stöppler. Die Baubranche leide unter einer Mehrfachbelastung, wie sie Deutschland noch nie erlebt habe, die gleichzeitig ökonomische, politische, regulatorische und demografische Fehlentwicklungen sichtbar mache.

Der Experte: „Die Bauwirtschaft ist ein Frühindikator für die Gesamtwirtschaft. Die Baukrise ist daher ein Symptom für die grundlegende Schwäche des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Unser Land steckt weit über eine herkömmliche Konjunkturdelle hinausgehend in einer strukturellen Transformation, bei der althergebrachte Wirtschaftsmodelle nicht mehr funktionieren.“

Klaus-Peter Stöppler ordnet ein: Nach dem Bauboom der 1950er- und 1960er-Jahre führten die Ölkrisen 1973 und 1979 zu einem ersten Einbruch, aber der Bedarf an Wohnraum blieb hoch. In den frühen 1980er-Jahren traf eine erneute Rezession das Baugewerbe, insbesondere den Industriebau. Trotzdem blieb der Wohnungsbau stabil, weil die Bevölkerung weiter wuchs und die Urbanisierung voranschritt. Nach der Wiedervereinigung kam es ab 1990 zunächst zu einem Bauboom in Ost¬deutschland, der ab Mitte der 1990er abbröckelte. Zwischen 1995 und 2005 verlor die Branche über 40 Prozent ihrer Arbeitsplätze. Das war eine strukturelle Krise, aber sie war regional begrenzt und die Ursache lag in den Fehlanreizen für die neuen Bundesländer. Die globale Finanzkrise ab 2008/2009 traf den gewerblichen und institutionellen Bau, weil Investoren zurückhaltend wurden. Allerdings fingen billige Zinsen und große staatliche Infrastrukturprogramme den Sektor schnell wieder auf. Die Baukonjunktur erholte sich bereits 2010 – gefolgt von einem historischen Boom im Wohnungsbau zwischen 2015 und 2021.

Mehrfachbelastung seit 2022, Ende für 2026 nicht absehbar

Doch seit 2022 werde die Baubranche von einer Mehrfachbelastung überzogen, die sich 2025 noch verstärkt habe und deren Ende 2026 nicht absehbar sei, sagt Klaus-Peter Stöppler. Als belastende Faktoren nennt er eine Kostenexplosion zwischen 30 und 70 Prozent, historisch hohe Bauzinsen, die zu einem Rückgang bei Neubaugenehmigungen um bis zu 40 Prozent geführt haben, eine aus dem Ruder gelaufene Bürokratie, einen Fachkräftemangel wie noch nie, den Kollaps der Wohnungsbaupolitik und den Abbruch von Bauprojekten in bisher ungekannter Größenordnung.

Klaus-Peter Stöppler: „Es wurden und werden massenhaft Bauprojekte gestoppt oder verschoben – allein schon wegen astronomisch hoher Material- und Energiekosten. Das Ende der billigen Baukredite hat sein Übriges getan. Für private Bauherren haben sich die Finanzierungskosten innerhalb eines Jahres verdoppelt, was zu einem Kollaps im privaten Wohnungsbau geführt hat. Und wer dennoch bauen will, wird von der Bürokratie daran gehindert oder jedenfalls gelähmt.“

Deutschland zählt nach Angaben des Bau- und Immobilienexperten zu den am stärksten regulierten Baumärkten Europas. Er führt auf: Energieeffizienzvorgaben, Nachhaltigkeitsnormen, Lärmschutz, Brandschutz, Barrierefreiheit, eine häufig komplizierte Förderlogik und lange Genehmigungszeiten. „Die Kombination aus Regelwut, Langsamkeit und steigenden Kosten ist toxisch für die Baubranche“, fasst Klaus-Peter Stöppler zusammen.

Der gesamtwirtschaftliche Abschwung wirke als zusätzlicher Beschleuniger der Baukrise. „Wenn die Wirtschaft schrumpft, investieren Unternehmen zurückhaltender, Banken prüfen Kredite strenger, Kommunen verschieben Projekte und private Haushalte verlieren Kaufkraft“, stellt er die Kausalkette dar. Die Folge: Gewerbeimmobilien werden wegen niedriger Beschäftigungsquote und einer veränderten Arbeitswelt mit Home Office weniger nachgefragt, während viele Industrieinvestitionen wegen hoher Standortkosten ins Ausland wandern.

„Wer massenhaft Beschäftigte entlässt, baut nicht“, bringt es Klaus-Peter Stöppler auf den Punkt. Die – wie er sagt – letzte Hoffnung der Branche, der sogenannte „Bau-Turbo“ aus der Politik, erweise sich „eher als Rohrkrepierer“. Das Sondervermögen, das laut Bundesregierung „Rekordinvestitionen von Bund, Ländern und Kommunen für Schulen und Kitas, Bahnstrecken und Straßen, Forschung und Digitalisierung“ ermöglichen sollte, versickere in den „Haushaltslöchern aus der Vergangenheit“. Klaus-Peter Stöppler sagt: „Ich kenne niemanden in der Baubranche, der noch ernsthaft davon ausgeht, dass die von der Regierung einst angepeilte Größen¬ordnung von 250 bis 300 Milliarden Euro Investitionsvolumen aus dem Sondervermögen in Baumaßnahmen gleich welcher Art gesteckt werden.“

Überwindet dennoch ein Bauprojekt alle diese Hürden, schlägt der demografische Faktor zu, weiß der Bau- und Immobilienexperte aus der Praxis. Er erläutert: „Über Jahrzehnte wurde die Baubranche als unattraktiv betrachtet. Dementsprechend sanken die Ausbildungszahlen drastisch. Wenn sich nunmehr die geburtenstarken Jahrgänge anschicken, in Rente zu gehen, fehlen über 200.000 Fachkräfte.“

Klaus-Peter Stöppler resümiert: „Während frühere Krisen stets einen dominanten Auslöser hatten – Ölpreisschock, Rezession, geplatzter Bauboom – handelt es sich heute um eine Systemkrise mit mindestens sechs gleichzeitigen Belastungsfaktoren: Kosten- und Zinsexplosion, Überregulierung, Arbeitskräftemangel, Wirtschafts- und Investitionskrise. Diese Lage ist in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel.“

Ein lobendes Wort über die aktuelle Baupolitik findet der Experte dennoch: „In dem neuen gemeinsame Eckpunktepapier von Bundesbauministerium und Bundesjustizministerium nimmt der seit Jahren erwartete Gebäudetyp E endlich Formen an. Das gilt insbesondere, weil er für Neubauten ebenso gelten soll wie für Bauen im Bestand. Vielleicht ist das ein Lichtblick für 2026.“

Klaus-Peter Stöppler zählt zu den zehn renommiertesten Executive Interim Managern Deutschlands* mit über 35 Jahren Erfahrung in den Branchen Bauwirtschaft, Immobilien, Energie und Industrie. Er begleitet mittelständische Unternehmen als permanenter Beirat oder als Interim Manager auf Zeit. Seine Expertise umfasst Bauprojektmanagement, Unternehmensrettung und strategische Beratung. Klaus-Peter Stöppler ist Mitglied der Denkfabrik Diplomatic Council mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. Er gehört zum kleinen Kreis der Verfasser des vielbeachteten „Wirtschaftsreport 2025/26“.























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