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19.01.2026 Expats: Mehr Bereitschaft zum Immobilienkauf als Deutsche

Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der FinTech-Plattform klarvest zeigt, dass sich die Einstellung zu Immobilieninvestments in Deutschland deutlich nach Herkunft unterscheidet. Während ein Teil der Bevölkerung Immobilien vor allem als Risiko wahrnimmt, sehen andere darin einen zentralen Baustein für langfristige Sicherheit und Vermögensaufbau. Die Gründe für Zurückhaltung oder Investitionsbereitschaft liegen dabei weniger im Wissen über den Markt als in strukturellen Rahmenbedingungen, kulturellen Prägungen und unterschiedlichen Erfahrungen mit Themen wie Wohnen, Mieten und Altersvorsorge. Die Ergebnisse liefern neue Erklärungen für die niedrige Eigentumsquote in Deutschland und werfen die Frage auf, wie stark mentale Barrieren Investitionsentscheidungen beeinflussen.

Der Immobilienmarkt gilt in Deutschland seit Jahrzehnten als Sonderfall. Trotz wirtschaftlicher Stabilität, hoher Rechtssicherheit und eines großen Marktes weist Deutschland im internationalen Vergleich eine der niedrigsten Wohneigentumsquoten auf. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank liegt sie seit Jahren unter 50 Prozent und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Eine neue YouGov-Umfrage zeigt nun, dass diese Zurückhaltung nicht nur eine Frage von Einkommen oder Vermögen ist, sondern stark von Herkunft und Risikowahrnehmung geprägt wird. Demnach haben 57 Prozent der befragten Personen mit Migrationshintergrund bereits konkret darüber nachgedacht, in eine oder mehrere Immobilien zu investieren.

Bei Deutschen ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei 35 Prozent. Umgekehrt geben 62 Prozent der Deutschen an, sich bislang nicht mit einem Immobilieninvestment beschäftigt zu haben, während dies bei Menschen mit Migrationshintergrund nur 40 Prozent sagen. Aus Sicht der Experten von klarvest ist diese Differenz besonders aufschlussreich. Sie zeigt, dass es weniger um tatsächlichen Immobilienbesitz geht, sondern um die grundsätzliche Offenheit gegenüber Immobilien als Anlageform. Damit rücken kulturelle Prägungen, Erfahrungen mit Sicherheitssystemen und unterschiedliche Risikoabwägungen stärker in den Fokus als klassische finanzielle Kennzahlen.

Immobilien als Sicherheitsanker

Internationale Vergleiche zeigen, dass Wohneigentum in vielen Ländern eine deutlich größere Rolle als private Absicherung spielt als in Deutschland. Die Deutsche Bundesbank führt die niedrige Eigentumsquote hierzulande unter anderem auf hohe Kaufnebenkosten, strenge Kreditvergaberegeln und fehlende steuerliche Anreize zurück. Gleichzeitig verfügt Deutschland über einen historisch gewachsenen Mietmarkt mit starkem Mieterschutz, der den Druck zum Eigentum reduziert. Die Experten von klarvest gehen davon aus, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund aus Ländern stammen, in denen Eigentum eine zentrale Rolle für Altersvorsorge, Vermögenssicherung und familiäre Stabilität spielt.

Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt der Wohneigentumsquote liegt bei 67 Prozent, Deutschland landet mit 46 Prozent auf den hintersten Rängen. Länder wie Rumänien (94 Prozent), Ungarn (92 Prozent) oder Italien (74 Prozent) oder Spanien (76 Prozent) liegen deutlich über dieser Quote. Diese Prägung wirkt auch nach der Zuwanderung fort und könnte die Wahrnehmung von Immobilien als notwendige Investition beeinflussen – selbst unter erschwerten finanziellen Bedingungen.

Fehlendes Eigenkapital als zentrale Hürde

Die YouGov-Daten zeigen, woran ein Immobilieninvestment aus Sicht der Befragten scheitert. Unter den Expats nennen 73,4 Prozent fehlendes Eigenkapital als Hauptgrund, der sie von einem Investment abhält. Fehlendes Wissen geben 24,6 Prozent an, während lediglich 18,9 Prozent Immobilieninvestments als zu riskant einschätzen. Aus Sicht der Experten spricht dieses Muster für eine hohe grundsätzliche Investitionsbereitschaft, die jedoch an strukturellen Einstiegshürden scheitert.

Immobilien werden als sinnvoll und erstrebenswert angesehen, der Zugang wird jedoch durch Eigenkapitalanforderungen, Kaufnebenkosten und Kreditbedingungen erschwert. Forschung zur Eigentumsbildung von Migranten in Deutschland kommt zu ähnlichen Ergebnissen und verweist darauf, dass geringere Eigentumsquoten weniger auf mangelndes Interesse als auf begrenzten Kapitalzugang zurückzuführen sind.

Deutsche Haushalte bremst Risikoaversion oft frühzeitig

Bei Deutschen ohne Migrationshintergrund zeigt sich ein etwas anderes Bild. Zwar ist auch hier fehlendes Eigenkapital ein zentrales Hindernis, das 63,7 Prozent der Befragten nennen. Gleichzeitig bewerten 21 Prozent Immobilieninvestments als zu riskant – ein höherer Anteil als bei der Referenzgruppe. Fehlendes Wissen spielt mit 17,3 Prozent eine untergeordnete Rolle. Nach Einschätzung von klarvest wirkt diese Risikoaversion häufig bereits vor der eigentlichen Investitionsentscheidung. Politische Regulierung, Zinsunsicherheit, hohe Transaktionskosten und die öffentliche Debatte über den Immobilienmarkt führen dazu, dass viele Haushalte Immobilien primär als finanzielles Risiko wahrnehmen und sich entsprechend seltener überhaupt mit einem Investment beschäftigen.

Wissenslücken beeinflussen die Risikowahrnehmung

Auffällig ist, dass fehlendes Wissen von den Befragten zwar vergleichsweise selten als Hauptgrund gegen ein Immobilieninvestment genannt wird – bei Internationals sind es 24,6 Prozent, bei Deutschen ohne Migrationshintergrund 17,3 Prozent. Gleichzeitig geben jedoch rund 57 Prozent aller Befragten an, sich schlecht oder sehr schlecht über Immobilieninvestments informiert zu fühlen. Aus Sicht der Experten von klarvest deutet diese Diskrepanz darauf hin, dass Wissenslücken zwar nicht bewusst als zentrales Hindernis wahrgenommen werden, aber dennoch einen erheblichen Einfluss auf die Risikoeinschätzung haben. Es liegt nahe, dass eine bessere finanzielle Bildung und transparenter Zugang zu Informationen nicht nur die Investitionsbereitschaft erhöhen, sondern auch die wahrgenommenen Risiken relativieren könnten. Damit wird Wissen weniger als unmittelbarer Blocker, sondern als entscheidender Hebel für veränderte Investitionsentscheidungen sichtbar.


























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