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06.01.2026 Venezuela – das neueste Kapitel der globalen Neuordnung

Der gewagte Schritt der USA, Präsident Maduro aus Venezuela zu entführen, damit er sich in den USA vor Gericht verantworten muss, hat die Welt schockiert. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass die USA in andere Länder eingreifen, und es wird wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal sein. Diese Entwicklung hat zwar symbolische Bedeutung, dürfte jedoch nur geringe unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Märkte haben. Von größerer Tragweite ist möglicherweise ihre längerfristige Bedeutung als Teil einer umfassenderen makroökonomischen Entwicklung der geopolitischen Neuordnung.

Kurzfristige Marktturbulenzen

Die unglücklichen Auswirkungen der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, mit denen Venezuela seit zwei Jahrzehnten zu kämpfen hat, sowie die Sanktionen haben dazu geführt, dass viele Unternehmen aus Industrieländern sich vollständig aus dem Markt zurückgezogen haben. Für die wenigen Unternehmen, die noch in Venezuela aktiv sind (z. B. Chevron, Repsol, Telefónica), könnte ein stabileres politisches Umfeld eine gewisse Erleichterung bedeuten.

Kurzfristig könnten venezolanische Anleihen zunächst Auftrieb erhalten, da die Märkte die Aussicht auf eine Normalisierung der Politik einpreisen (vorausgesetzt, das Land vermeidet Chaos – erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die USA nach den Herausforderungen im Irak und in Afghanistan bereit sein könnten, pragmatisch mit den bestehenden venezolanischen Behörden zusammenzuarbeiten). Auch die Ölmärkte könnten reagieren, wenn auch nicht unbedingt in der erwarteten Richtung. Während geopolitische Unsicherheiten oft zu einem Preisanstieg führen, würde eine mögliche Erhöhung des venezolanischen Angebots einen Abwärtsdruck auf den Rohölpreis ausüben – sobald sich die Transportwege stabilisieren und die Sanktionsmaßnahmen konkreter werden.

Auffüllung der weltweiten Vorräte: Warum Venezuela wichtig ist

Obwohl Venezuela über die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven verfügt, ist die Fördermenge des Landes von rund 3 Millionen Barrel pro Tag zu Beginn der 2000er Jahre auf weniger als ein Drittel davon in den letzten Jahren eingebrochen.[1] Sanktionen, chronische Unterinvestitionen und eine verschlechterte Infrastruktur haben zu einer drastischen Produktionsreduzierung

Ein Übergang zu einer pro-westlichen Regierung könnte Sanktionen lockern, ausländische Investitionen ermöglichen (auch wenn dies eine Verhaltensänderung des derzeitigen Regimes in Venezuela oder einen vollständigen Regimewechsel erfordern würde) und die Produktion steigern. Mit Hilfe von außen und unter günstigen politischen Bedingungen könnte Venezuela seine Produktion innerhalb von zwei Jahren auf 2 Millionen Barrel pro Tag verdoppeln2[2] und langfristig sogar noch deutlich darüber hinaus steigern. Eine solche Expansion würde das globale Ölgleichgewicht verändern. Es ist nicht schwer zu erkennen, warum eine Annäherung Venezuelas an die USA die Energiesicherheit der USA und damit auch des Westens verbessern könnte.

Längerfristige politische Auswirkungen – neuer Fokus auf Einflusssphären

Über unmittelbare Markterwägungen hinaus könnte der Wandel in Venezuela längerfristige geopolitische Konsequenzen haben. Sollte sich die USA einseitig durchsetzen, um wirtschaftliche oder politische Ziele voranzutreiben, könnte dies Präzedenzfälle schaffen, die sich auf andere Regionen auswirken. Außerdem würde es für die USA schwieriger werden, ähnliche Handlungen anderer Länder in Zukunft zu verurteilen.

Eine Rückkehr zu einer Welt klar abgegrenzter „Einflusssphären“ ist denkbar: China übt seine Dominanz in Asien aus, die USA festigen ihre Position in ganz Amerika und Europa bewegt sich weiterhin in einer komplexen Dynamik mit Russland. Der Wandel in Venezuela könnte daher ein Mikrokosmos einer umfassenderen globalen Neuordnung sein, auf die sich Anleger aktiv einstellen müssen.

Ausblick

Der politische Wandel in Venezuela dürfte in naher Zukunft kaum zu einer umfassenden Neubewertung der Märkte führen. Dennoch verdienen seine Auswirkungen – auf die Energieversorgung, Staatsanleihen aus Schwellenländern, geopolitische Spannungen und die Diversifizierung der Lieferketten – weiterhin Aufmerksamkeit.

(Kommentar von Alex Veroude, Lucas Klein und Seth Meyer, Janus Henderson Investors)



























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