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20.10.2025 Hochschulwettbewerb: Studierende entwickeln Lernräume der Zukunft

Welche Räume braucht das Lernen von morgen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Hochschulwettbewerb, den das Düsseldorfer Büro für Architektur, Innenarchitektur und Consulting bkp gemeinsam mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) ausgelobt hat. Nach Abschluss der soziologischen Forschung im Sommersemester 2025 starten nun Studierende der Architektur und Innenarchitektur mit den gestalterischen Entwürfen. Bis März 2026 entwickeln sie innovative Konzepte für das Bestandsgebäude R12 auf dem Campus Essen der Universität Duisburg-Essen – einem sogenannten ZPL-Gebäude aus den 1970er-Jahren. ZPL steht für „Zentrale Planungsstelle für die Rationalisierung von Landesbauten“, die damals serielle Baukonzepte für Hochschulen entwickelte, um dem steigenden Raumbedarf effizient zu begegnen. Die modulare und flexible Struktur solcher Gebäude erlaubt bis heute unterschiedliche Nutzungen und Anpassungen.

Gefragt sind im Wettbewerb Konzepte, die zukunftsfähige Lern- und Arbeitsräume schaffen und das Potenzial der modularen Bestandsstruktur im Sinne der Prinzipien von „New Learning“ weiterentwickeln.

Forschungsergebnisse zeigen: Lernräume brauchen Vielfalt statt Standardlösungen

Die wissenschaftliche Begleitung durch Professorin Alexandra Scheele von der Universität Bielefeld hat im ersten Wettbewerbssemester wichtige Erkenntnisse über die Anforderungen an zeitgemäße Arbeits- und Lernumgebungen geliefert. In vier Forschungsprojekten untersuchten Studierende der Soziologie unter anderem schulische Lernräume, Sekretariatsarbeit und die Arbeitsrealität von Architektinnen und Architekten. Ein zentrales Ergebnis: Es gibt nicht den einen Arbeitsplatz oder Lernort der Zukunft. Anforderungen, Nutzungsmuster und sozialen Dynamiken variieren je nach Bereich stark. Jede Umgebung muss individuell betrachtet werden: Architektur, Gestaltung und Organisation folgen eigenen Logiken, während die Menschen die Räume mit Leben füllen. Nur so lassen sich unterschiedliche Bedürfnisse, von konzentriertem Arbeiten bis hin zu kooperativen Lern- und Gruppenprozessen, sinnvoll abbilden.

Ästhetisch gestaltete Räume wirken sich positiv auf Produktivität, Zufriedenheit und Motivation aus, während kleinteilige Strukturen eher belastend wirken. Die Forschung zeigte auch: Open-Space-Konzepte und Desksharing fördern Spontanität und Austausch. Neue Raumkonzepte erfordern aber auch eine Phase der Anpassung und stoßen nicht selten teilweise auf Akzeptanzprobleme ihrer Nutzer. Entscheidend ist, dass Räume so gestaltet werden, dass sowohl Lernen als auch Zusammenkommen gelingen und dabei unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Diese wissenschaftlichen Perspektiven bilden nun die Grundlage für die Entwurfsarbeit im Wintersemester 2025/2026. Studierende der Architektur und Innenarchitektur sowie junge Architekturbüros sind aufgefordert, die Forschungsergebnisse in konkrete räumliche Konzepte zu übersetzen und dabei sowohl gestalterische als auch funktionale Anforderungen zu berücksichtigen.

Gut besucht: Die Auftaktveranstaltung auf dem Campus Essen © Andreas Endermann

Heiner Kolde, Geschäftsführer bkp: „Die Forschungsphase hat wertvolle Impulse geliefert und gezeigt, wie komplex die Anforderungen an moderne Lernräume sind. Jetzt sind wir gespannt darauf, wie die Studierenden diese Erkenntnisse in räumliche Visionen übersetzen. Besonders an diesem Wettbewerb ist, dass wir erstmals Wissenschaft und Gestaltung so eng miteinander verzahnen. Soziologie, Architektur und Innenarchitektur arbeiten gemeinsam und beweisen damit, wie wichtig junge Perspektiven für die Transformation unserer Bildungslandschaft sind.“

Prof. Dr.‘in Alexandra Scheele, Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld: „Die soziologische Forschung hat deutlich gemacht: Architektur strukturiert den sozialen Raum fundamental. Räume müssen so gestaltet werden, dass sowohl das Lernen als auch das Zusammenkommen gelingen. Dabei gibt es nicht die eine Lösung. Vielmehr müssen unterschiedliche Anliegen berücksichtigt werden - neben räumlichen Faktoren wie Licht, Farbe und Mobiliar auch strukturelle Rahmenbedingungen sowie die gelebte Arbeitskultur einer Organisation. Die Forschungsergebnisse bieten nun eine erste fundierte Grundlage für die gestalterische Arbeit.“

Ute Nieskens, Bereichsleiterin Strategisches Immobilienmanagement, Dezernat Gebäudemanagement, Universität Duisburg-Essen: „Das Gebäude R12 R steht stellvertretend für viele ZPL-Bauten in Nordrhein-Westfalen. Diese wurden ursprünglich für Nutzungsflexibilität konzipiert, heute müssen wir jedoch die lineare Aufteilung und Zellenstruktur aufbrechen. Die zentrale Frage lautet: Wie lernen wir heute und wie können wir unsere Bestandsgebäude entsprechend transformieren? Wir sind sehr gespannt auf die Konzepte der Teilnehmenden und freuen uns, wenn das R12 R als Blaupause für ähnliche Gebäude dienen kann.“

Till Neschen, Technischer Niederlassungsleiter Duisburg, Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW: „Als BLB NRW liegt unser Fokus darauf, Bestandsimmobilien nachhaltig zu transformieren. Die ZPL-Gebäude bieten durch ihre modulare Struktur und flexible Flächenaufteilung gute Voraussetzungen, aber wir müssen Räume neu denken – weg vom klassischen Flur und der Zellenstruktur. Dieser Wettbewerb liefert uns gute Impulse, wie wir zukunftsweisende Lern- und Arbeitsflächen im Bestand schaffen können, die sowohl funktional als auch ästhetisch und energetisch überzeugen. Der Bestand und die darin enthaltene ‚goldene Energie' sind eine wichtige Ressource für die nachhaltige Entwicklung.“


























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